Sommerferien

Realität an Deutschlands Schulen: Hire and fire

Perspektiven für junge Lehrkräfte müssen anders aussehen. Jetzt einstellen! Jetzt Sicherheit schaffen! Reserven aufbauen!

11.07.2018 Bundesweit Pressemeldung Verband Deutscher Realschullehrer
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„Wenn man heute in Deutschland über den ständig steigenden Lehrermangel klagt, dann kann es nicht sein, dass weiterhin tausende Lehrkräfte zum Schuljahresende in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. Es wundert nicht, dass junge Menschen in andere Tätigkeitsfelder abwandern, statt sich einer Einstellungspolitik nach „Gutsherrenart“ aus dem letzten Jahrtausend auszuliefern“, so kommentiert Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR) die Entwicklungen in den Ländern am Ende des Schuljahres 2017/18. 

So wurden aktuell in Niedersachsen fast 1400 befristet angestellte Lehrkräfte mit Beginn der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit entlassen. Bundesweit waren es bereits im Vorjahr rund 4 900 Lehrkräfte von Baden-Württemberg bis Bremen, von Bayern bis Berlin, die dieses Schicksal teilten und die Zahl wird sich 2018, so befürchtet Böhm, festigen. 

Wohin eine kurzsichtige Einstellungs- und Sparpolitik führt, belegt das Beispiel Sachsen. Über Jahre wurden Lehrkräfte nicht eingestellt, nicht verbeamtet, wurden keine Perspektiven angeboten – das Ergebnis ist aktuell ein eklatanter Lehrermangel. 

„Die jungen Menschen schauen in einer Zeit des demografischen Umbruchs und des Fachkräftemangels genau hin und analysieren ihre beruflichen und persönlichen Perspektiven. Kein Bundesland kann es sich in Zukunft leisten, auch nur auf eine einzige motivierte junge Lehrkraft zu verzichten“, so Böhm. Diese selbstverschuldete Mangelverwaltung führt insgesamt in Deutschland dazu, dass wöchentlich immer noch eine Million Unterrichtsstunden ausfallen.

„So kann man mit der Bildung in unserem Land und den jungen Menschen nicht umgehen.“

Um auf personelle Engpässe an den Schulen reagieren zu können, ist ein klares Bekenntnis der Kultus- und Finanzministerien zu ihren Lehrkräften nötig. Eine kontinuierliche Einstellung mit planbaren Korridoren und perspektivischer Verbeamtung muss jetzt vollzogen werden. Dazu gehören auch entsprechende Lehrerreserven an den Schulen, die immer dem einzelnen Schüler zugutekommen und eine hervorragende Möglichkeit für differenzierten Unterricht, Förderangebote und Talentförderung bilden.

Wir brauchen eine bundesweite durch die KMK unterstützte Initiative zur nachhaltigen Gewinnung von Nachwuchs für das Lehramt über alle Schularten hinweg. Junge Menschen müssen sich bewusst für das Lehramt und eine attraktive Tätigkeit an den Schulen entscheiden. Sie brauchen Perspektiven und Herausforderungen an den Schulen, beste Rahmenbedingungen, Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten und keine konstruierten Unsicherheiten.


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