Bildungschancen

Recht auf Bildung für alle!

Zwei Drittel der jüngst nach Sachsen-Anhalt zugewanderten Geflüchteten sind junge Menschen. Daher kommt dem Bildungs- und Ausbildungssystem eine große Bedeutung im Umgang mit diesem Migrationsgeschehen zu.

19.06.2017 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt
  • © www.pixabay.de

Das ist zugleich Herausforderung und Chance. Als Organisationen, die sich in den Bereichen Zuwanderung, Bildung und Betreuung engagieren, wollen wir uns an der Diskussion um die Wege, Ziele und Verantwortlichkeiten dieser Gestaltung beteiligen und bieten der Landesregierung eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu diesem Themenfeld an.

Grundlage aller Überlegungen ist die UN-Kinderrechtskonvention und das darin verbriefte Recht der jungen Menschen auf Bildung und die entsprechende Pflicht des Landes und der Kommunen, diese vor Ort zu verwirklichen. Es liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft, allen hier Lebenden ein dichtes verlässliches Netz an Bildungsangeboten zur Verfügung zu stellen. Die Maxime sollte dabei lauten: So früh, so umfassend und so gut wie irgend möglich. Neben der zentralen Bereitstellung entsprechender finanzieller, personeller und sächlicher Ressourcen gilt es ebenso, Arbeits- und Unterstützungsstrukturen vor Ort zu organisieren bzw. zu verbessern, damit die Beschäftigten im Bildungsbereich bei der Bewältigung ihrer Aufgaben nicht allein gelassen werden.

„Der Zugang zur Schule sollte für alle im Land Sachsen-Anhalt lebenden Kinder und Jugendlichen gleich sein“, forderte Stefanie Mürbe vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt und weist darauf hin, dass schulpflichtige Asylsuchende vom Schulbesuch ausgeschlossen sind, wenn sie noch in einer Erstaufnahmeeinrichtung leben müssen. „In anderen Bundesländern werden die ankommenden Kinder ohne Wartezeit schulpflichtig, in Sachsen-Anhalt erst mit der Zuweisung an eine Kommune. Diese oft monatelange Isolation und Untätigkeit wirkt sich gerade auf Kinder mit einer langen Fluchterfahrung negativ aus.“

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege betont, dass nun langfristige Möglichkeiten zur Teilhabe und Integration geschaffen werden müssen. So wird eine intensive Begleitung der Familien durch das Bildungssystem sowie beim Übergang in die Berufswelt nötig sein. „Durch eine Ausweitung der Altersgrenzen und der Bildungsförderung kann jungen Menschen bis 27 Jahren die Möglichkeit gegeben werden, schulische Bildung und qualifizierende Abschlüsse nachzuholen“, erklärte Monika Schwenke von der LIGA.

KinderStärken e.V. und Kinderschutzbund KV Stendal e.V. verweisen ausdrücklich auf die bindenden Vorgaben der Kinderrechtskonvention. „Insbesondere seit der Rücknahme der Vorbehalte gegen die KRK im Jahr 2010 ist die unterschiedliche Rechtsumsetzung zwischen in- und ausländischen Kindern explizit aufgehoben. In der Praxis von Behörden, Verwaltungen und Bildungseinrichtungen schlägt sich das aber noch nicht hinreichend nieder“, sagten Susanne Borkowski und Katrin Reimer-Gordinskaya.

Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, sprach sich mit Blick auf den großen Anteil Minderjähriger unter den Zuwanderern für gute Arbeitsbedingungen in diesem Bereich aus: „Mit einer Qualifizierungsoffensive und mehr ausgebildetem pädagogischen Personal können wir allen betroffenen Kindern und Jugendlichen helfen, durch gute Bildung ihren Weg in Beruf und Gesellschaft zu finden. Der anhaltende Abbau bei den Sprachlehrkräften ist hier das völlig falsche Signal.“

Detailliertere Maßnahmen und Anregungen finden sich als gesonderte Pressemitteilungen der einzelnen Organisationen anbei.

Die Pressekonferenz ist Teil der bundesweiten Kampagne "Schule für Alle" der Landesflüchtlingsräte, des BumF e.V. und Jugendlichen ohne Grenzen, unterstützt von der Bildungsgewerkschaft GEW und PRO ASYL.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden