Bonner Studie

Rechtschreibdidaktik an Grundschulen

Studie zu den Auswirkungen unterschiedlicher Didaktiken auf die Rechtschreibleistungen von Grundschulkindern: Antwort der Bonner Studienleiter auf die Pressemitteilung des Grundschulverbandes vom 21.09.2018.

26.09.2018 Bundesweit Pressemeldung Institut für Psychologie der Universität Bonn
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Zu Punkt 1: Es gebe unterschiedliche Fibel-Lehrgänge. Deren Lerneffekte ließen sich nicht auf einen Nenner bringen.

Antwort: Fibeln folgen dem Grundprinzip, die Rechtschreibung strukturiert vom Einfachen zum Komplexen zu vermitteln. Fehler werden von Anfang an korrigiert und als Lerngelegenheit genutzt. Die verschiedenen Fibel-Lehrwerke sind alle nach diesem didaktischen Prinzip konzipiert. Dieses unterscheidet sich grundlegend von denjenigen der Ansätze "Lesen durch Schreiben" und "Rechtschreibwerkstatt". Die Lerneffekte von grundsätzlich sehr ähnlichen Zugangsweisen (Fibel-Lehrwerken) lassen sich selbstverständlich zusammenfassen.     

Zu Punkt 2: Didaktische Konzepte würden von LehrerInnen unterschiedlich genutzt. Effekte ließen sich nicht einzelnen Konzepten zuordnen.

Antwort: Das Ziel der Studie war, ein realistisches Abbild der Auswirkung unterschiedlicher Didaktiken auf die Rechtschreibleistung der Grundschulkinder zu erhalten. Das didaktische Leitmedium, das eine Schule wählt, bestimmt maßgeblich den Rahmen des Unterrichtsgeschehens. Wenn Schulen etwa “Lesen durch Schreiben” als Lehrmethode einsetzen, sollen die Kinder viel frei schreiben, wird die Anlauttabelle eingesetzt, hat der je individuelle Lernweg des Kindes Priorität und es wird lange Zeit nicht korrigiert. Unsere Kontakte und Gespräche in den Schulen haben bestätigt, dass die jeweils gewählte Didaktik in den Schulen umgesetzt wurde. Feinheiten des Unterrichts, die von LehrerIn zu LehrerIn variieren, waren nicht Gegenstand unserer Untersuchung.

Zu Punkt 3: Rechtschreibleistungen entwickelten sich auch über die Grundschulzeit hinaus.

Antwort: Diese Aussage betrifft nicht unsere Studie. Wir haben nur Grundschulkinder untersucht. 

Zur Kritik: Unser Vorgehen, nicht die vollständig schriftlich ausgearbeiteten Hintergründe und Ergebnisse der Studie mit dem ersten Bericht über die Kernergebnisse zur Verfügung zu stellen, sei "wissenschaftlich unseriös":

Antwort: Wir sind der guten wissenschaftlichen Gepflogenheit gefolgt, Forschungsergebnisse auf Fachtagungen den Kollegen in gebündelter Form vorzustellen, nachdem wir sie bereits universitätsintern diskutiert hatten. Die Präsentation von Ergebnissen vor einem größeren Publikum setzt noch nicht voraus, dass alle Einzelheiten einer Studie in Schriftform vorliegen oder bereits publiziert sein müssen. Auf den Fachtagungen sollen ja gerade die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert und kritisch diskutiert werden. Das haben wir seit Juli 2018 dreimal getan, wobei die Studie jedes Mal einer Vorabbegutachtung durch Fachkollegen unterzogen wurde: auf dem 4. Symposium Empirische Bildungsforschung in Dortmund (4./5.7.2018), auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Frankfurt (17.9.2018) sowie auf der Bundeskonferenz der Schulpsychologen in Frankfurt (21.9.2018). Trotz Einladung zu persönlicher Diskussion ist kein Vertreter des Grundschulverbandes bei den Präsentationen in Frankfurt auf uns zugekommen. Der Sitz des Grundschulverbandes ist Frankfurt. An einem wissenschaftlich-sachlichen Austausch scheint von Seiten des Verbandes kein Interesse zu bestehen.  

Die Aufgaben einer Hochschullehrerin sind vielfältig und in einer Abteilung einer staatlichen Universität sind zwar Forschungsmittel vorhanden, aber kein großer Stab, der mit dem Verfassen von Berichten in kürzester Zeit beauftragt werden könnte. Unsere Studie zu den Auswirkungen der verschiedenen didaktischen Zugänge haben wir bewusst ohne Drittmittelgelder durchgeführt, um sie unvoreingenommen und ganz ohne Verpflichtungen gegenüber Dritten durchführen und auswerten zu können. Dass die Ergebnisse so klar sind, hat uns selbst überrascht. Wie es der guten wissenschaftlichen Gepflogenheit entspricht, beantworten wir gern alle anstehenden inhaltlichen und methodischen Fragen und tun dies kontinuierlich seit Veröffentlichung der Ergebnisse.

Prof. Dr. Una M. Röhr-Sendlmeier                     Tobias Kuhl, M.Sc.


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