Regionale Schulentwicklung erhält eine Chance

Die Ankündigung von Kultusminister Schneider, Modellversuche zur "Regionalen Schulentwicklung" (RSE) zuzulassen, hat im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband große Freude und Erleichterung ausgelöst. "Freude, weil endlich vitale Interessen einzelner Kommunen über ideologische Vorbehalte gestellt werden, und Erleichterung, weil das Tor für weitere dringend nötige Schulreformen in Bayern aufgestoßen wurde", freute sich BLLV-Präsident Klaus Wenzel über die gestern bekannt gewordenen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen CSU und FDP in Bayern. "Das ist ein schulpolitischer Paukenschlag und einer der größten Erfolge in der Geschichte des BLLV. Erstmals öffnet sich das Kultusministerium für einen schulartübergreifenden Versuch und überwindet ideologische Bedenken." Mit dem vom BLLV entwickelten Konzept zur "Regionalen Schulentwicklung" verbinden zahlreiche bayerische Bürgermeister und Gemeinden die Hoffnung, drohende Schließungen bestehender Hauptschulen am Ort zu verhindern. "Die Freude über den genehmigten Schulversuch ist groß. Jetzt müssen weitere Genehmigungen erfolgen", erklärte Wenzel.

15.10.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Insgesamt liegen dem Kultusministerium bisher rund 35 RSE-Anträge vor; weitere werden in diesem Schuljahr folgen. Ein Großteil dieser Anträge sieht vor, dass die Hauptschule vor Ort auch einen Realschulabschluss anbietet. "Für die Beteiligten ist die Ankündigung ein deutliches Signal, dass ihre Mühen nicht umsonst waren", erklärte Wenzel. Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte haben über viele Wochen zusammen mit Eltern, Lehrern, Schulleitern, Vertretern der heimischen Wirtschaft und der Verwaltung um eine tragfähige Lösung vor Ort gerungen. "Bei den Anträgen handelt es sich um pragmatische und qualitativ hochwertige pädagogische Konzepte. Grundlegender Gedanke ist, den Schulen vor Ort mehr Freiheiten zu geben und zu passgenauen Lösungen zu kommen", sagte der BLLV-Präsident. "Die Politik hat offensichtlich erkannt, wie existentiell die ´Regionale Schulentwicklung´ für viele Kommunen ist. Die Schulschließungen sind Schwächungen der Standorte und der Entwicklung des ländlichen Raumes. Sie müssen überall dort verhindert werden, wo es möglich ist. Strukturdebatten dürfen bei diesen Überlegungen keine Rolle spielen." Wenzel kündigte an, allen zur Seite zu stehen, die es wollen. "Der BLLV bietet konstruktive Zusammenarbeit an." Seit Einführung der sechsstufigen Realschule hat die Hauptschule 40 Prozent der Standorte eingebüßt. Weitere 300 einzügige Hauptschulen sind in ihrem Fortbestand gefährdet. 80 bisher noch zweizügige Schulen drohen nach Angaben des Kultusministeriums einzügig zu werden. "Dieser Prozess muss gestoppt werden", forderte Wenzel. "Die Folgen sind für die betroffenen Gemeinden katastrophal: Auf der einen Seite stehen aufwändig renovierte Schulgebäude im Ort leer, auf der anderen Seite müssen Realschüler und Gymnasiasten in Schulcontainern unterrichtet werden." Auch die gestrigen Ankündigungen der beiden Koalitionspartner, den Schulen Zeitmanager zur Seite zu stellen, in der Lehrerbildung das Staatsexamen beizubehalten und den frühkindlichen Bereich zu stärken, stoßen im BLLV auf Zustimmung. "Allerdings kommt es darauf an, wie diese Maßnahmen in der Praxis umgesetzt werden sollen", betonte Wenzel. Er begrüßte auch, dass bei den Koalitionsverhandlungen die Diskussion um eine längere gemeinsame Schulzeit noch nicht endgültig ad acta gelegt ist, "das zeigt, dass in die bayerische Schulpolitik Bewegung gekommen ist." Wenzel gab aber zu bedenken, dass vor der politischen Festlegung eines Übertrittszeitpunktes geklärt werden muss, mit welchen Argumenten diese Entscheidung gestützt werden kann. Nach Ansicht des BLLV, die durch aktuelle Befunde aus der Hirnforschung bekräftigt wird, ist eine Verteilung der Schüler vor Beendigung der Pubertät weder hilfreich noch sinnvoll. Wenzel sprach sich erneut für ein neues Lern- und Leistungsverständnis, mehr individuelle Förderung und eine wesentlich längere gemeinsame Schulzeit aus.


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