Schlau durch Spielen!?

Heute präsentierte sich die gemeinsame Initiative "Spielen macht Schule" von Mehr Zeit für Kinder e.V. und dem Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen in der Steinbachschule Stuttgart-Büsnau. Insgesamt werden 55 Grundschulen in Baden-Württemberg mit Spielezimmer ausgestattet. An der Veranstaltung hat auch Wolfgang Fröhlich, Ministerialdirektor im Kultusministerium, teilgenommen.

23.10.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Die Initiative "Spielen macht Schule" hat in diesem Jahr insgesamt Spiele im Wert von über 500.000 Euro an 154 Grundschulen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen vergeben. Schule und Spielen – geht das überhaupt zusammen? Die Initiatoren des Projektes sind dieser Meinung und aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung geben ihnen recht: Spielen macht schlau.

Schon Kinder im Grundschulalter sind dem ständig wachsenden Einfluss von Bildschirmmedien wie Fernsehen, PC-Spielen und Konsolen ausgesetzt. Bewegung und Kreativität, wichtige Faktoren für die kindliche Entwicklung, bleiben dabei auf der Strecke. Hintergrund des Projektes sind die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung. Sie zeigen, dass aktive Erfahrungen mit haptischen und optischen Reizen, wie sie das klassische Spielzeug bietet, förderlicher sind als die passive Erfahrungsvermittlung, die durchs Fernsehen stattfindet. Dem immer stärker werdenden Einfluss der Bildschirmmedien möchte die Initiative "Spielen macht Schule" entgegenwirken.

"Ich freue mich sehr, dass das Interesse unserer Grundschulen an der Initiative so groß war und dass Baden-Württemberg mit 55 Gewinnerschulen vertreten ist. Wir setzen auf die Eigenständigkeit der Schule und lassen ihnen viel Freiraum, ein eigenes Schulprofil aktiv zu gestalten. Wenn dabei so gute Beispiele wie hier an der Steinbachschule entstehen, bestätigt es den von uns gewählten Weg im Rahmen der Schulentwicklung", sagte Wolfgang Fröhlich, Ministerialdirektor im Kultusministerium. Die Initiative "Spielen macht Schule" füge sich gut in die Bildungspläne ein, da Lernspiele einen wichtigen Bestandteil des Lehrens und Lernens in der Grundschule ausmachten. Positiv sei auch, dass die Initiative eine kindgerechte Rhythmisierung des Schultages unterstütze, so Fröhlich weiter.

"Spielen und Lernen sind keine Gegensätze. Darum sind gute Spiele eine wichtige Ergänzung des schulischen Bildungsangebots. Kinder unterscheiden nicht zwischen Lernen und Spielen, sie lernen beim Spiel. Im Gehirn prägt sich besonders gut ein, was über mehrere Sinne hineingelangt", so Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Neurologe und Gründer des ZNL (Ulm).

Daher fördert die "Spielen macht Schule" das klassische Spielen in Grundschulen. 2007 wurde das Projekt von dem Mehr Zeit für Kinder e.V. (MZfK), Frankfurt/Main und dem Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL), Ulm gestartet. In der Pilotphase haben bereits zehn hessische Schulen gewonnen. Dabei fiel auf, dass viele Kinder in der Schule zum ersten Mal mit Gesellschaftsspielen Erfahrungen sammeln und vor allem Migrantenkinder über das Spielen einen neuen Zugang zur deutschen Sprache finden. In diesem Jahr wurde das Projekt auf zwei weitere Bundesländer ausgeweitet: Grundschulen in Baden-Württemberg und Bayern konnten erstmals an dem Projekt teilnehmen. Seit Juli 2008 stehen auch die diesjährigen Gewinner fest. Insgesamt können sich 154 Schulen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen auf eine komplette Spielzimmer-Einrichtung freuen. Ab Januar 2009 können sich auch erstmals Grundschulen in Nordrhein-Westfalen an dem Projekt beteiligen.

"Die Konzepte zeigen uns, wie engagiert und intensiv sich die Lehrer mit dem klassischen Spielen an der Schule und im Unterricht auseinandersetzen. Es ist uns wichtig, den Kindern das Lernen und Erfahren mit mehreren Sinnen wieder näher zu bringen", erklärt Simone Linden, Geschäftsführerin des Vereins Mehr Zeit für Kinder. "Wir hoffen, dass sich die Familien, von der Begeisterung der Kinder anstecken lassen und das gemeinsame Spiel in Ihren Alltag integrieren. Diese neu entdeckte gemeinsame Familienzeit ist unserem Verein ein wichtiges Anliegen."

Um an dem Projekt teilzunehmen wurden Lehrer, Sozialarbeiter und engagierte Eltern dazu aufgefordert, bis Ende April 2008 ein Konzept für ihre Grundschule beim Mehr Zeit für Kinder e.V. einzureichen. Das Projekt Spielen macht Schule ist langfristig angelegt, um das Spielen besser in den Schulalltag der Kinder zu integrieren. Daher stattet das Projekt Grundschulen mit Spielzimmern aus. Die darin eingesetzten Spiele wurden vorab vom ZNL Ulm auf ihren pädagogischen Wert geprüft. Mit der Einrichtung dieser Spielzimmer soll der natürliche Spieltrieb gefördert werden, da das Spielen wichtige Lernprozesse anstößt. Dabei erwerben Kinder grundlegende Kompetenzen wie Teamfähigkeit oder den Umgang mit Konkurrenzsituationen – Kernkompetenzen, die Kinder auf die Anforderungen ihres späteren Lebens vorbereiten.

Weitere Informationen zum Projekt und dem Wettbewerb unter www.spielen-macht-schule.de


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden