Schüler-Tanz-Projekt "Der Feuervogel" feiert am Wochenende Premiere im Saarländischen Staatstheater

"Das Feuervogel-Projekt ist außergewöhnlich, einzigartig und pädagogisch wie künstlerisch herausragend. Royston Maldoom, Josef Eder und Constantin Trinks haben den Ehrgeiz und die Fähigkeit, mit den Schülerinnen und Schülern eine musikalisch und tänzerisch hochklassige Arbeit zu leisten" sagte Minister Jürgen Schreier anlässlich seines Probenbesuchs heute (24.4.2007) im Saarländischen Staatstheater. Ein solches Schüler-Tanz-Projekt sei außerordentlich wichtig für das soziale Lernen, die Konzentrationsfähigkeit, das Selbstbewusstsein und die persönliche Reifung der jungen Menschen, so der Minister, gleichzeitig stärke es den Gemeinschaftssinn und habe Ausstrahlung auf andere Schülerinnen und Schüler. "Es ist mir enorm wichtig, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Spielplan des Saarländischen Staatstheaters zu verankern, um das Haus für sie nicht nur als Besucher, sondern auch als "Akteure" zu öffnen", betonte Generalintendantin Dagmar Schlingmann. Dass gerade Royston Maldoom und Josef Eder für das erste derartige Projekt am SST gewonnen werden konnten, sei etwas ganz Besonderes, ergänzte sie und fügte hinzu: "Wir freuen uns sehr, dass das saarländische Kultusministerium das Projekt finanziell unterstützt und mit uns kooperiert."

24.04.2007 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

106 saarländische Schülerinnen und Schüler haben in über 25 halbtägigen Proben seit Mitte März 2007 unter der Leitung des international bekannten britischen Choreografen Royston Maldoom und seines Co-Choreografen Josef Eder das Ballett "Der Feuervogel" zur Musik von Igor Strawinsky einstudiert. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus zwei Erweiterten Realschulen, einer Gesamtschule, zwei Gymnasien, einer Schule für Lernbehinderte, einer Schule für Erziehungshilfe und einem Berufsbildungszentrum.

Das Orchester, das Strawinskys "Feuervogel"-Komposition unter der Musikalischen Leitung von Constantin Trinks spielen wird, besteht knapp zur Hälfte aus Jugendlichen. 48 Schülerinnen und Schüler des Landes-Jugend-Symphonieorchesters (LJO) proben seit Mitte März gemeinsam mit den Profi-Musikern vom Saarländischen Staatsorchester.

Die Premiere findet am 28. April 2007 im Großen Haus des Saarländischen Staatstheaters statt.

Das Feuervogel-Projekt wurde in enger Kooperation zwischen dem Saarländischem Staatstheater und dem Kultusministerium realisiert, finanzielle Unterstützung erhielten sie dabei durch die Saar Ferngas AG.

Royston Maldoom hat weltweit zahlreiche Tanz-Projekte mit Kindern und Jugendlichen verwirklicht; das Projekt "Sacre du Printemps" mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle, dessen Entwicklung in dem Film "Rhythm is it" dokumentiert wurde, erregte international außerordentliches Aufsehen.

BIOGRAFISCHE INFORMATIONEN

Royston Maldoom (Choreograf)

Royston Maldoom begann seine Tanzausbildung erst mit 22, nachdem er einen Film des Royal Ballet mit Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew gesehen hatte. Zunächst studierte er in Privatschulen, dann mit Stipendien auch beim Royal Ballet und in New York an der Alvin Ailey American Dance School. 1975 erhielt er für seine erste choreographische Arbeit den ´Foundation of France Price for Outstanding Artistic Achievement´. Später folgten Arbeiten für das Dance Theatre of Harlem, New York, das Schottische Nationalballett, das Irische Nationalballett, das Nationalballett von Peru und einer Vielzahl anderer größerer und kleinerer Ballett- und Tanztheaterensembles, in Großbritannien und international. 1980-83 wurde er zum Dance-Artist-in-Residence for Fife Regional Council in Schottland berufen; eine der ersten dieser Stellen in Großbritannien. Während drei Jahren initiierte und leitete er viele Workshops, Sommerschulen und Festivals und gründete Jugend- und Erwachsenen- Tanzgruppen. Es folgte eine Zeit als Dance Research Officer für das Stirling District Council in Schottland. Royston Maldoom arbeitete verstärkt international in künstlerischen Projekten, u. a. in Südafrika, Zimbabwe, den USA, in Litauen während der Unabhängigkeitsbewegung und in Kroatien und Bosnien während des Balkankrieges. Er tanzte mit Straßenkindern in Äthiopien und gründete eine Schule, in der diese Jugendlichen als professionelle Tänzer, Choreographen und Tanzlehrer mit englischem Tanzhochschul-abschluss ausgebildet werden und arbeiten, z. T. in der internationalen Tanzszene. Entsprechende Projekte fanden auch statt mit Kindern in Peru, katholischen und protestantischen Kindern in Nordirland, männlichen und weiblichen Gefängnisinsassen, Kindern und Erwachsenen mit Lernschwächen, Jugendlichen jenseits der gängigen Ausbildungswege und Kindern im Exil sowie in vielen Grund- und weiterführenden Schulen sowie Fachhochschulen. In Deutschland engagierte er sich 1990-97 als choreografischer Leiter für das Europäische Jugendtanzfestival in Duisburg und den Deutsch-Britischen Jugendtanzaustausch in Berlin (1989 bis 1991). Er war Gastchoreograf an der Hochschule für Darstellende Kunst, Frankfurt und arbeitete mit dem Berliner Philharmonischen Orchester zusammen.

Das Tanzprojekt *Sacre" mit den Berliner Philharmonikern und 250 Kindern wurde durch den von einer Breitenarbeit überzeugten Dirigenten Sir Simon Rattle und den Dokumentarfilm "Rhythm is it" bekannt; mit Folgeprojekten wie u. a. "Carmina Burana" (2006) und eine Zusammenarbeit mit Carnegie Hall, NY (2007). Diese Projekt ist eines von vielen Werken mit Orchestern, darunter auch das London Symphony Orchestra, Ulster Orchestra, Scottish Chamber und Symphony Orchestra, Natal Symphony Orchestra und viele kleinere Orchester sowie Chöre. Die Choreographie "Sacre" wurde mit Jugendgruppen in Addis Abeba, Duisburg, Berlin (1990, 2003), Lima, Belfast, London, Vilnius, Glasgow und in vielen Schulen und Gemeinde-Projekten in Großbritannien aufgeführt.

Für seine engagierte und wegweisende Arbeit hat Royston Maldoom den deutschen Ehren-Tanzpreis in Essen erhalten sowie den Schillerpreis (2005). Vom Britischen Königshaus wurde er 2006 mit dem Ehrentitel O.B.E. ausgezeichnet.

Josef Eder (Co-Choreograf)

Josef Eder lebt als freischaffender Schauspieler und Choreograph in München. Nach seiner Schulzeit als Regensburger Domspatz, seiner Zeit als Matrose und der Ausbildung zum Landwirt reiste er als Viehhändler durch Deutschland. In Köln begegnete Eder dem Tänzer und Choreografen James Saunders. Diese Begegnung sieht er heute noch als den prägnantesten Impuls für sein Leben. Nach diversen Tanzprojekten, später auch als Assistent von Saunders, absolvierte er sein Studium in zeitgenössischem Tanz, Improvisation und Choreografie bei den Tanzprojekten in Köln sowie als Stipendiat an der *Nikolais-Murray Lois dance foundation" in New York. Auf der Suche nach seiner individuellen Tanzsprache kam es in zahlreichen Workshops und Produktionen zu Begegnungen mit bedeutenden Tänzern und Choreografen wie Johann Kresnik, Rui Horta, Howard Sonnenklar, Daniel Lepkoff, K. J. Holmes, Frey Faust, Russel Muliphant, Randy Warshaw, Kurt Koegel, Kristie Simson und vielen anderen. Auf Forschungsreise nach unterschiedlichen Wegen des *In Bewegung Seins´" setzte er sich mit Körperarbeit wie Feldenkrais, F.M. Alexander, Yoga und Pilates auseinander.

Als künstlerischer Leiter des von ihm 1994 gegründeten "Tanztheater Zwiefach" kreierte er mehrere abendfüllende Stücke sowie einen Tanzfilm. Immer stand dabei die Kultur und das Brauchtum seiner bayerischen Heimat im Mittelpunkt seiner Arbeit. Die "Bayerwald Passion" wurde 1997 mit dem Tanztheaterpreis Köln ausgezeichnet.

Mit seinem Wechsel nach München (2000) verabschiedete er sich vom aktiven Tanz und begann seinem Interesse für das Schauspiel in Theater- und Filmproduktionen zu folgen. Seine pädagogische Arbeit verlagerte sich seitdem mehr und mehr auf die Arbeit mit Schauspielern, Pädagogen und Laien und führte ihn unter anderen an die Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, das Kulturreferat München, die Sportkulturakademie Regensburg, an diverse Schauspielschulen sowie als Coach in die freie Wirtschaft. Seinem von ihm entwickelten Unterrichtskonzept gab er den Namen "Body As Voice". Eine Verbindung von Tanz, Theater und Natur sucht er in der erlebnispädagogischen Arbeit in den Schweizer Bergen.

Die Zusammenarbeit mit Royston Maldoom begann Eder als dessen Assistent in Hamburg, wo mit Kampnagel und der NDR Big Band, sowie 100 Schülern der Haupt - und Realschule Langenhorn *Big Dance" entstand. In der Kooperation mit Royston Maldoom sah und sieht er sich darin bestätigt, dass Tanz nicht nur das eigene Leben verändern kann, sondern dass es möglicherweise eine Lebensaufgabe ist, erhaltene Geschenke weiterzugeben.

Constantin Trinks (Musikalische Leitung)

Constantin Trinks wurde 1975 in Karlsruhe geboren und studierte Dirigieren an der Musikhochschule seiner Heimatstadt. Zu seinen prägenden Lehrern zählen Wolf-Dieter Hauschild und Kazushi Ono.

Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 2000 wurde er als Solorepetitor und Kapellmeister an das Badische Staatstheater Karlsruhe verpflichtet, bevor er zur Spielzeit 2002/2003 als zweiter Kapellmeister nach Saarbrücken wechselte.

Seit der Spielzeit 2005/2006 ist er erster Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater und hat seit Beginn der Spielzeit 2006/2007 kommissarisch das Amt des Generalmusikdirektors inne.

In dieser Spielzeit übernimmt er die Musikalische Leitung der Neuproduktionen von "Das Rheingold", "Die Zauberflöte", "Kullervo" sowie "Der Feuervogel". Außerdem liegt die Leitung des dritten und des fünften Sinfoniekonzertes in seinen Händen.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden