Schulen auf dem Prüfstand

(Eigenbericht) Längst besteht bundesweit Einigkeit darüber, dass nicht bloß die Leistung von Schülern sondern auch Qualität von Schule insgesamt gemessen werden muss. Die Frage ist allerdings: Wie? Lässt sich eine Schule etwa ähnlich durchchecken wie ein Auto? Schließlich wird der Begriff Schul-TÜV immer wieder gern genutzt. Ganz aktuell in Niedersachsen, wo man jetzt Ernst machen will mit der Qualitätsprüfung.

26.04.2004 Artikel

"Schule ist kein Auto, aber Schule bedarf schon einer Evaluation, um eine Qualitätsfeststellung durchzuführen", sagt Rolf Hahn, einer der ersten Schulinspektoren in Niedersachsen. Im Nachbarland Holland kommen die Schulen schon seit langem auf den Prüfstand. Hier haben Rolf Hahn und seine Kollegen das Schul-Beurteilungssystem "Inspectie van het onderwijs" kennen und schätzen gelernt. Siebzehn Inspektoren, die bislang in der Schulaufsicht tätig waren, wurden speziell für diese Tätigkeit geschult und von niederländischen Kollegen begleitet. In einem ersten Probelauf wurden in Niedersachsen bereits acht Schulen bewertet.

Was zeichnet eigentlich eine gute Schule aus? Die pädagogische Forschung kennt etliche Kriterien. Claudia Solzbacher, Schulpädagogin an der Universität Osnabrück und seit Jahren in der nationalen und internationalen Schulforschung tätig, nennt nur einige: "Sind die Lehrer in bestimmten Methoden fortgebildet oder machen sie nur und ausschließlich Frontalunterricht? Gibt´s in diesen Schulen Projekte? Wenn ja, werden die nur in den letzten drei Tagen vor den Ferien ausgeübt oder sind die tatsächlich Bestandteil einer Schulkultur? Oder: hat die Schule ein Schulprogramm?"

Um ein Schulprogramm zu schreiben, müssen Lehrer sich nämlich zusammensetzen. Sie müssen sich einigen, was und vor allen Dingen wie sie lehren wollen. Auch das, so die Wissenschaftlerin, gehört zur Qualität von Schule.

Die Schulinspektoren besuchen eine Schule mehrere Tage lang und nehmen möglichst bei allen Lehrern am Unterricht teil. Allerdings wird – anders als bei den üblichen Unterrichtsbesuchen – nicht die Leistung der einzelnen Lehrkraft beurteilt, sondern die Unterrichtskultur der gesamten Schule und das heißt zum Beispiel: Wie gehen Lehrer und Schüler miteinander um, wie verhalten sich die Schüler untereinander? Wie wird überhaupt gelernt? Befragt werden auch die Eltern und Schüler. Die einzelnen Ergebnisse werden in einem Beurteilungsbogen festgehalten und schließlich zu einem Schlussbericht zusammengefasst.

Anders als in Holland, wo diese Berichte im Internet veröffentlicht werden, erhalten in Niedersachsen nur die Schulen selbst das Ergebnis. Allerdings nicht für den Aktenschrank, sondern um mögliche Mängel zu "reparieren", durch Fortbildungsmaßnahmen oder Beratung zum Beispiel. Diese Angebote, so das niedersächsische Kultusministerium, sollen sich an dem Bedarf der Schulen orientieren. Angesichts leerer Haushaltskassen und der bisherigen Fortbildungspraxis ein hehres Ziel.

Weiterführende Links:

www.vdr-niedersachsen.de/beckmann4.html
www.mk.niedersachsen.de/master/0,,C2989004,00.html
www.paedagogik.uni-osnabrueck.de/lehrende/solzbacher/
.pdf-Datei:
www.gew-nds.de/E_W/Januar%202004/Seite01-02_EuW01_2004.pdf


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