Baden-Württemberg

Schulen müssen Arbeitsgemeinschaften auflösen

Die Schulleiter in Baden-Württemberg sollen ab September Arbeitsgemeinschaften und individuelle Förderangebote streichen, wenn Lehrer/innen krank werden. Durch entsprechende Vorgaben der Schulverwaltung an die Schulen soll offenbar versucht werden, vor der Landtagswahl den Ausfall des Pflichtunterrichts und die Kosten zu reduzieren.

26.07.2010 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Die Aufforderung an die Schulleitungen ist eine Bankrotterklärung der Bildungspolitik von Ministerpräsident Stefan Mappus und Kultusministerin Marion Schick. Alle Versprechen, mehr für die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen zu tun, sind offenbar vergessen. Es ist absurd, dass die Schulen, an denen sich eine Lehrerin das Bein bricht, die Förderung der Kinder kürzen müssen. Niemand versteht, warum nicht endlich die feste Lehrerreserve ausgebaut wird, um längerfristige Ausfälle zu verringern", sagte am Sonntag (25.07.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Für die ständige Lehrerreserve gibt es 1.250 Stellen, etwa 6.000 würden benötigt, damit an den Schulen im Südwesten kaum noch Unterricht ausfällt. "Der Ausbau der Lehrerreserve wird zum Prüfstein vor der Landtagswahl. Die Eltern erwarten von den Parteien eine klare Aussage, ob sie die Gelder für Krankheitsvertretungen erhöhen werden oder weiter wollen, dass die Kinder früher nach Hause geschickt werden", sagte Moritz.

Die Vorgabe bedeutet auch, dass erst in einigen Monaten arbeitslose Lehrer/innen für Krankheitsvertretungen eingestellt werden können. "Diese sind dann längst in einer Privatschule oder im Supermarkt an der Kasse dauerhaft beschäftigt. In Mangelfächern wird es dann nicht möglich sein, überhaupt Ersatz zu finden", sagte Moritz.

Auswirkungen auf den Ergänzungsbereich

In den Schreiben der Schulverwaltung werden die Schulleitungen unter anderem aufgefordert, Arbeitsgemeinschaften sowie Stütz- und Förderunterricht zu streichen und Gruppen zusammenzulegen, bevor auf die feste Krankheitsreserve zurückgegriffen werden kann. Das bedeutet zum Beispiel, dass seit Jahrzehnten bestehende Theater-AGs nicht mehr stattfinden werden, Schüler mit Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) keine Förderung mehr bekommen oder die im G8 praktizierte Teilung von Klassen nicht mehr möglich ist.

Auswirkungen auf die Ganztagsschule

In diesem Jahr wurden bereits die Mittel für Lehrbeauftragte von drei auf zwei Millionen Euro gekürzt. Begründet wurde dies damit, dass 2009 die Mittel nicht vollständig in Anspruch genommen wurden. 2010 sind aber bis zu den Sommerferien schon ein Großteil der zwei Millionen Euro für Lehrbeauftragte investiert worden, sodass viele Schulen ab September keine neuen Verträge abschließen können. Wenn jetzt auch noch Arbeitsgemeinschaften gestrichen werden müssen, bedeutet dies das Aus für die Ganztagsschule. "Es wäre ehrlicher von der Landesregierung, wenn sie das Projekt der offenen Ganztagsschule für gescheitert erklären. Eine Schule im offenen Ganztagsbetrieb kann mit diesen Kürzungen ihren Auftrag, an vier Tagen pro Woche ein Angebot zu machen, nicht erfüllen", sagte Moritz.

"Ich baue auf Ihre Loyalität!"

Aus dem Schreiben der Schulverwaltung:

"…es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass der Start ins Schuljahr 2010/11 gut gelingt und die Schulen rechtzeitig Planungssicherheit haben. Gleichzeitig erfordert die angespannte Haushaltslage des Landes den kostenbewussten Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Ich bitte Sie, diese beiden Aspekte zu Ihrem eigenen Anliegen zu machen und baue auf Ihre Loyalität. Im ersten Schritt haben die Schulen Ausfälle aus den eigenen Bordmitteln aufzufangen. Dies sind beispielsweise die Zusammenlegung von Gruppen oder die Auflösung zusätzlicher Angebote wie Arbeitsgemeinschaften und anderer Angebote aus dem Ergänzungsbereich. Erst wenn diese Bordmittel voll ausgeschöpft sind, kann im zweiten Schritt auf die feste Krankheitsreserve zurückgegriffen werden… - Ich wünsche uns allen einen guten Anfang des neuen Schuljahres."

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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