Baden-Württemberg

Schuljahr 13/14: Bildungspolitik mit dem Rasenmäher

Mit einem Warnstreik angestellter Lehrer/innen für einen Lehrer-Eingruppierungstarifvertrag und einer Demonstration von Eltern und Lehrer/innen auf dem Stuttgarter Schlossplatz machen sich heute (10.07.) die Bildungsgewerkschaft GEW und "Schule mit Zukunft" für bessere Bildung in Baden-Württemberg stark. Vertreter/innen der 8.000 jungen Lehrer/innen, die in zwei Wochen von der Landesregierung in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, errichten vor dem Kunstmuseum eine zehn Meter breite und über zwei Meter hohe "Mauer der Bildungsbarrieren", auf der die Lehrer/innen ohne Stelle in allen Regionen Baden-Württembergs aufgelistet werden. Am landesweiten Warnstreik beteiligten sich etwa 1.000 angestellte Lehrer/innen, es fielen etwa 5.000 Unterrichtsstunden aus.

10.07.2013 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die GEW protestiert gegen die heute im Landtag beschlossene Besoldungserhöhung für Landesbeamte und kritisiert die "konzeptlosen Kürzungen auf dem Rücken der Kinder, Jugendlichen und ihrer Lehrkräfte." "Die Landesregierung hat zwei Jahre nach ihrem Start noch immer kein Konzept für die bildungspolitischen Ziele und fährt stattdessen mit dem Rasenmäher durch die Schulen. Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern werden sich ab Herbst auf eine schlechtere Unterrichtsversorgung und die Streichung vieler Zusatzangebote einstellen müssen. Durch die Stellenstreichungen und Kürzungen erhalten so viele Bewerberinnen und Bewerber wie noch nie in den vergangenen Jahren keine Stelle. Die 6.000 jungen gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer werden in unseren Klassenzimmern gebraucht, um endlich Projekte wie die Inklusion, Ganztagschule und den Ausbau der Lehrerreserve voran zu bringen", sagte am Mittwoch (10.07.) Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Auf dem Schlossplatz werden auch zahlreiche befristet beschäftigte Lehrer/innen erwartet. "Diese gut 2.000 meist jungen Lehrerinnen und Lehrer sind für die Schulen der Rettungsanker. Sie halten unter oft schwierigen Bedingungen und schlechter Bezahlung den Unterrichtsbetrieb in Baden-Württemberg aufrecht. Die meisten werden ab September wieder am Lehrerpult benötigt, aber werden trotzdem von der Landesregierung in die Arbeitslosigkeit geschickt", sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft verlangt die Rücknahme der Stellenstreichungen und die damit verbundenen Kürzungen in allen Schularten. "Wenn Grüne und SPD hier kürzen, sollen sie den Eltern auch erklären, wer sich in Zukunft an den Schulen um die Suchtprävention, die Kooperation mit den KiTas und die Qualitätsentwicklung kümmern wird. Die Bildungspolitik der Landesregierung trägt weiter die Überschrift ´Schafft die Schule ab, sie kostet nur Geld´. Für das Sparen hat die Landesregierung einen Plan, für die Bildungsreformen und die Unterstützung der Arbeit in den Schulen nicht", sagte Moritz.

Infos allgemeines Entlastungskontingent:

Im allgemeinen Entlastungskontingent erhalten die Schulen jährlich etwa 1.600 Lehrerstellen für besondere Aufgaben. Zu diesen Aufgaben gehören unter anderem die Lehrmittel- und Fachraumverwaltung, die Tätigkeit als Verbindungs-lehrer/in zur SMV, die Suchtprävention, die Steuerung der Schulentwicklung, der Schüleraustausch, die Betreuung des Computernetzwerks, die Kooperation mit den Kindertageseinrichtungen und alles Weitere, was an Schulen erledigt werden muss und nicht Leitungsaufgabe ist. Die Landesregierung will 14 Prozent dieser Stunden streichen.

Das Volumen ist bescheiden: Bei Schulen bis zu 20 Klassen gibt es je Klasse 0,5 Stunden. Selbständige Grund-, Haupt- oder Werkrealschulen bekommen zum Beispiel nur 0,35 Stunden je Klasse. Ab der 21. bis 40. Klasse gibt es 0,4 Stunden, für GHWRS 0,25 Stunden. Für weitere Klassen gibt es 0,2 bzw. 0,05 Stunden. Eine zweizügige Grundschule (8 Klassen) bekommt zum Beispiel für sämtliche Aufgaben 2,8 Stunden.

Befristet beschäftigte Lehrer/innen

Jedes Jahr beginnen Ende Juli für etwa 2.000 Lehrer/innen in Baden-Württemberg nicht die Sommerferien, sondern sie gehen nach der Verabschiedung ihrer Schüler/innen zu den Arbeitsagenturen und werden zu Hartz IV-Empfängern. Etwa 2.000 befristet angestellte und für Krankheitsvertretungen eingesetzte Lehrkräfte werden jährlich zum Ferienbeginn von der Landesregierung entlassen, obwohl die meisten von ihnen im neuen Schuljahr wieder unterrichten werden. "So geht kein guter Arbeitgeber mit seinen Fachkräften um. Auch die Schulleitungen hängen in der Luft, weil sie oft erst im September wissen, ob die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr gesichert ist. Wir erwarten von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) eine klare Zusage, dass diese Praxis gestoppt wird", sagte Moritz.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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