Schulleistungstest LAU 11:

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat heute gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. Rainer H. Lehmann (Humboldt-Universität zu Berlin) die Ergebnisse der Untersuchung LAU 11 (Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung - Klassenstufe 11) vorgestellt. Die Behörde für Bildung und Sport legt damit die bisher umfassendste Leistungsbilanz für die Sekundarstufe I vor.

17.11.2004 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)

LAU 11 wurde im Auftrag der Behörde für Bildung und Sport im September 2002 in allen Hamburger Vorstufen der gymnasialen Oberstufe und in den Einführungsstufen der Aufbaugymnasien durchgeführt. Untersucht wurden die Lernstände bei insgesamt 6411 Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Deutsch (Leseverständnis, Rechtschreiben), Mathematik und Englisch (Leseverständnis, Lücken-Test). Die Untersuchung ist Teil einer Studie, die seit 1996 nahezu alle Hamburger Schülerinnen und Schüler der damaligen fünften Klassen im Abstand von zwei Schuljahren erfasst hat. Dieser Längsschnitt ermöglicht Aussagen darüber, wie sich die Lernstände der Schülerschaft vom Eintritt in die Klassenstufe 5 bis zum Übergang in die gymnasiale Oberstufe bzw. in die Einführungsstufe des Aufbaugymnasiums entwickelt haben. Außerdem können Zusammenhänge zwischen der Lernentwicklung und den Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler, den Besonderheiten in der Lernentwicklung von Mädchen und Jungen und von Schülerinnen und Schülern aus Migrationsfamilien ermittelt werden.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Das Hamburger Schulsystem zeichnet sich dadurch aus, dass vielfältige Wege den Zugang zur gymnasialen Oberstufe eröffnen. Selbst unter Berücksichtigung der in der Studie nicht erfassten Austauschschüler stammen nur ca. 70 Prozent der entsprechenden Schülerschaft aus grundständigern Gymnasialzügen, etwa 14 Prozent aus Gesamtschulen mit unmittelbarer Übergangsmöglichkeit in die gymnasiale Oberstufe und etwa 15 Prozent aus Bildungsgängen mit Realschulabschluss.
  • In der gymnasialen Oberstufe unterscheiden sich die festgestellten Lernstände bei Schülerinnen und Schülern der untersuchten Schulformen (grundständige Gymnasien, Gesamtschulen, Aufbau-, Wirtschafts- und technische Gymnasien) recht erheblich, am wenigsten noch im Leseverständnis. Das durchschnittliche Leistungsniveau am Anfang der Sekundarstufe II ist in grundständigen Gymnasien durchgängig höher als in allen anderen Schulformen.
  • Nicht wenige Schülerinnen und Schüler, die mit einem Realschulabschluss in die gymnasiale Oberstufe eintreten, bringen einen deutlichen Leistungsrückstand mit. Die Defizite sind so groß, das zweifelhaft erscheint, ob bis zum Ende der Sekundarstufe II überhaupt ein Fachleistungsniveau erreicht werden kann, das der Allgemeinen Hochschulreife in der Substanz entspricht.
  • Andererseits bleiben knapp 10 Prozent der Schülerschaft der grundständigen Gymnasien in den Fachleistungen unter dem mittleren Leistungsniveau der Schülerschaft mit Realschulabschluss, die in die Sekundarstufe II eintritt.
  • Demgegenüber zeigen gut 10 Prozent der Schülerinnen und Schülern, die mit einem Realschulabschluss in die Sekundarstufe II eintreten, ein allgemeines Fachleistungsniveau, das über dem Durchschnitt der Schülerschaft grundständiger Gymnasien liegt.
  • Zwischen den verschiedenen Formen der gymnasialen Oberstufe (grundständige Gymnasien, Gesamtschulen, Aufbau-, Wirtschafts- und technische Gymnasien) bestehen erhebliche Differenzen in den Leistungsständen, die teilweise mehr als zwei Lernjahren entsprechen. Dies betrifft vor allem diejenigen Schülerinnen und Schüler, die mit einem Realschulabschluss die Berechtigung erworben haben, ihren Bildungsgang in der gymnasialen Oberstufe fortzusetzen. Aber auch die Differenzen in den Fachleistungen in der gymnasialen Oberstufe der grundständigen Gymnasien und der grundständigen Gesamtschulen sowie der Fachgymnasien fallen größer aus, als es die formal gleichen Berechtigungen erwarten lassen.
  • An Gymnasien und an Gesamtschulen ist die individuelle Lernentwicklung im unteren Leistungsspektrum am günstigsten. Bei den Schülerinnen und Schülern aus den Gesamtschulen, den Realschulen und aus den Realschulkursen an den Integrierten Haupt- und Realschulen findet im unteren Bereich des Leistungsspektrums ein geringeres und im mittleren Bereich kein Leistungs-Wachstum statt.
  • Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind im Vergleich zu deutschen Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und deutschen Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund an den Gymnasien unterrepräsentiert. An den Aufbaugymnasien und den Wirtschafts- und technischen Gymnasien sind sie überrepräsentiert. Annähernd ausgewogen ist die Bildungsbeteiligung der drei Gruppen in der gymnasialen Oberstufe der Gesamtschulen.
  • Die deutschen Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund liegen in allen Bereichen über dem Durchschnitt. Die deutschen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund liegen in allen Leistungsbereichen knapp unter dem Gesamtdurchschnitt, wobei die Differenz zum Mittelwert im Leseverständnisam größten ist. Demgegenüber liegen die Fachleistungen der ausländischen Schülerinnen und Schüler klar unter dem Mittelwert, wiederum am deutlichsten beim Leseverständnis.

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig:

"LAU 11 führt uns drastisch vor Augen: Wir haben Probleme mit der Förderung der leistungsstarken Schülerinnen und Schüler, insbesondere auch an den Gymnasien. Unser Augenmerk muss verstärkt auf die Einhaltung von Mindeststandards in der Sekundarstufe I und die Zugänge zur gymnasialen Oberstufe gerichtet werden.
Die ersten Schritte zur Bewältigung dieser Probleme sind mit der Einführung zentraler Vergleichsarbeiten und Prüfungen sowie dem Beginn eines Reformprozesses der gymnasialen Oberstufe in diesem Jahr getan worden. Wir werden mit der Umsetzung der Bildungsstandards, die die Kultusministerkonferenz in diesem Jahr beschlossen hat, den Reformprozess weiter vorantreiben."

Der LAU 11-Bericht kann ab dem 18.11.04 auf dem "Hamburger Bildungsserver" (www.hamburger-bildungsserver.de) eingesehen und heruntergeladen werden.


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