Schulsozialarbeiter sind dringender als neue Straßen

Die Bildungsgewerkschaft GEW schlägt vor, ein Zehntel der Ausgaben für Straßenbau für neue Schulsozialarbeiter/innen zu verwenden. "Ministerpräsident Oettinger und Kultusminister Rau stehen im Wort. Sie haben beide zugesagt, über die Landesmittel für Schulsozialarbeit neu zu diskutieren, wenn wieder mehr Geld im Staatssäckel ist. Jetzt werden 100 Millionen Euro für Straßenbau ausgegeben, aber Investitionen in die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen bleiben aus. Mit nur zehn Prozent der Summe könnten 170 neue Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter eingestellt werden", sagte Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissen¬schaft (GEW), am Donnerstag (24.01.) in Stuttgart.

24.01.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

In Stuttgart treffen sich heute Schulsozialarbeiter/innen aus ganz Baden-Württemberg. Derzeit gibt es etwa 370 Schulsozialarbeiter/innen, die vor allem an Hauptschulen und Beruflichen Schulen arbeiten. Weltweit gibt es etwa 30.000 Schulsozialarbeiter/innen. In vielen anderen Ländern gehören sie selbstverständlich zum Personal an einer Schule. Ohne die Unterstützung von Sozialpädagogen, die als Schnittstelle zwischen Schule und Jugendhilfe fungieren, ist Unterricht kaum noch denkbar. "Schulsozialarbeit zahlt sich aus, sie ist kein Luxusgut, sondern eine notwendige Investition. Das wurde in Baden-Württemberg leider aus den Augen verloren, eines der reichsten Bundesländer hat hier einiges nachzuholen", sagte Bernhard Eibeck vom GEW-Bundesvorstand auf der Stuttgarter Tagung.

Rückgang der Gewalt durch Schulsozialarbeit

Notwendigkeit und Erfolge der Schulsozialarbeit sind unbestritten. Zum Beispiel wird der Rückgang der Gewaltstraftaten an Schulen zwischen 2001 und 2003 um 15 Prozent auch auf die Arbeit der Sozial-pädagog/innen zurückgeführt, die 2003 noch mit 2,18 Millionen Euro aus Landesmitteln gefördert wurde. Bereits 1999 empfahl die Enquete-kommission "Jugend–Arbeit–Zukunft" den Ausbau von Sozialarbeit an allen Schulen. Ministerpräsident Günther Oettinger und Kultusminister Helmut Rau hatten mehrfach versprochen, wieder in de Landesförderung der Schulsozialarbeit einzusteigen, wenn sich die Einnahmen des Landes wieder wachsen. "Angesichts voller Klassen bleiben für Lehrerinnen und Lehrer kaum noch Spielräume für so wichtige Themen wie Gewaltprävention, Drogenberatung und Hilfe bei der Lehr¬stellensuche", sagte Dahlem.

Schulsozialarbeit - Ein internationaler Vergleich

Weltweit gibt es 30.000 Schulsozialarbeiter. In den USA gibt es über 16.000 Schulsozialarbeiter ("School Social Worker"). Vorherrschend ist die Beratung (Counselling) von Schülern, Eltern und Lehrern, Einzelfallhilfe und soziale Gruppenarbeit. In Großbritannien besteht die Aufgabe der Education Welfare Officers (EWO) bzw. Educational Social Workers (ESW) hauptsächlich darin, die Schulpflicht durchzusetzen. Sie bieten aber auch Hilfe an bei persönlichen und sozialen Problemen von Schulverweigerern bzw. deren Eltern.

In Skandinavien ist das System professionell. In Finnland und Schweden hat sich die Bezeichnung School Curator durchgesetzt, in Dänemark heißen sie School Social Worker. Sie bieten Einzelfallhilfe, soziale Gruppenarbeit und Elternarbeit an, legen aber zunehmend ihren Schwerpunkt auf Beratung der Lehrer, Gemeinwesen- und Schulentwicklung.

In den Niederlanden ist gesetzlich geregelt, dass den Schulen so genannte Schulbegleitungsdienste zur Seite stehen, die neben Schulsozialarbeit unter anderem auch didaktische Hilfen, Sprachprogramme für Kinder von Migranten, Hilfe bei Dyslexie/Dyskalkulie und Unterstützung beim Schulmanagement bzw. der Schulentwicklungsplanung anbieten.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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