Schulsystem befördert das Scheitern

"Vor den gesellschaftlichen Folgekosten, die entstehen, wenn die soziale Sprengkraft deutscher Bildungspolitik ihre Wirkung entfaltet", warnte heute der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger auf der Bildungsmesse didacta.

22.02.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Eckinger verwies darauf, dass zehn Prozent eines Schülerjahrgangs ohne Schulabschluss blieben und es bei den Schülern mit Migrationshintergrund sogar jeder fünfte sei. Eine halbe Million Schüler seien schulmüde. Allein im Schuljahr 2004/05 seien 252 829 Schülerinnen und Schüler sitzen geblieben, 2,8 Prozent der neun Millionen Lernenden an allgemeinbildenden Schulen. Die Bundesanstalt für Arbeit zahle inzwischen rund zwei Milliarden Euro, um gescheiterten Jugendlichen dennoch einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

"Die Erfahrung des Scheiterns schafft nur Leistungsdruck", so Ludwig Eckinger, "aber keine Leistungsmotivation. Es liegt auf der Hand, dass wir nicht weiterkommen, wenn die Schüler noch ´zielgenauer´ als jetzt für die einzelnen weiterführenden Schularten aussortiert werden." Dies verschärfe nur die Situation an den Pflichtschulen noch weiter, zumal sich durch den drastischen Rückgang der Schülerzahlen das konkurrierende Nebeneinander der verschiedenen Schularten ständig zuspitze.

Der VBE-Bundesvorsitzende unterstrich: "Es ist hohe Zeit, dass sich das deutsche Schulsystem flexibel auf die unterschiedlichen Begabungen der Schülerinnen und Schüler einstellt. Alle Kinder und Jugendlichen haben ein Recht darauf, durch die Schule gefordert und gefördert zu werden." Die Botschaft der Schule müsse lauten, jeder werde gebraucht, jeder sei wichtig, bekräftigte Eckinger. Schülerinnen und Schüler nach klassifizierbaren Begabungstypen zu unterscheiden, widerspreche dem demokratischen Auftrag unserer Gesellschaft. "Die Sekundarstufe I ist das Feld, auf dem sich erweisen wird", betonte Ludwig Eckinger, "ob die schönen Worte vom Qualitätssteigerungsprozess im deutschen Bildungssystem Realität werden." Eckinger weiter: "Entweder wir bekommen an dieser Gelenkstelle des Schulsystems endlich die Chance, jeden Einzelnen zu fordern und zu fördern, oder Bildungsstandards und Evaluation sind der Einstieg in eine neue Runde der Selektion."


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden