Zuwanderung

Sicherheit für die Sprachlehrkräfte und Schulen schaffen – Jetzt handeln

In Sachsen-Anhalt steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund kontinuierlich.

26.10.2016 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt
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Die Landesregierung hatte zum Schuljahr 2015/16 ein gutes Konzept zur Aufnahme dieser Kinder an den Schulen vorgelegt. Der jetzt drohende Kahlschlag wird weitreichende Konsequenzen für das gesamte Bildungssystem haben.

Zahlen:

Laut Landesschulamt ist die betreffende Schülerschaft allein zwischen Dezember 2015 (4 250) und September 2016 (7 400) um mehr als 3 000 gestiegen. Nach dem geltenden Erlass haben diese 3 000 Schülerinnen und Schüler noch mindestens bis zum Ende des Schuljahres Anspruch auf Sprachunterricht. Die weiteren Entwicklungen sind schwer zu prognostizieren; doch selbst bei einem Rückgang der Flüchtlingszahlen werden im kommenden Schuljahr Migrantenkinder neu eingeschult und ältere Jugendliche den Berufsbildenden Schulen zugewiesen. „Von einem abrupten Absinken der Schülerzahlen zu sprechen, ist eher Wunschdenken als an den Erfahrungen der letzten Monate orientiert,“ sagte dazu Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, heute in Magdeburg.

Nach allen Erfahrungen und Kenngrößen sind für die Beschulung der 7 400 Kinder und Jugendlichen etwa 400 Lehrkräfte notwendig. Das bedeutet, dass schon jetzt viel Integrationsarbeit von regulären Lehrkräften übernommen wird. Gleichzeitig decken Sprachlehrkräfte aber auch regulären Unterricht ab. Der ersatzlose Wegfall der 180 Stellen für Sprachlehrkräfte hat demnach unmittelbaren Einfluss auf das gesamte Bildungssystem des Landes.

Unterrichtsversorgung:

Das Bildungsministerium musste für das letzte Schuljahr einen Totalausfall von mehr als einer halben Million Unterrichtsstunden einräumen, das entspricht pro Schulwoche etwa 15 000 Stunden. Mit dem Wegfall der 180 Sprachlehrkräfte sinkt das wöchentliche Unterrichtsvermögen nochmal um mehr als 4 000 Stunden. „Die Auswirkungen für alle Schülerinnen und Schüler sind fatal, es drohen noch mehr Klassenzusammenlegungen, bloße Aufsicht, Ausfall in erheblichen Größenordnungen,“ sagte Gerth weiter. Die zusätzlichen Aufgaben der Integration, wie sie das Bildungsministerium vorsieht, seien in diese Zahlen noch gar nicht eingerechnet. An einigen Schulen werde die reale Unterrichtsversorgung auf unter 80 % sinken.

Pädagogische Herausforderungen und Qualifizierung:

Die Beschulung der Migrationskinder stellt für Lehrkräfte, Schulen und Kommunen oft eine große Herausforderung dar. Die Arbeit verlangt Multiprofessionalität mit hohen Kompetenzen in der Sprachvermittlung, interkultureller Elternarbeit und sozialer Betreuung. Selbst nach einem möglichen Rückgang der Migrationszahlen werden diese Fähigkeiten dringend an den Schulen gebraucht und kommen allen Lernenden zugute. Durch entsprechende Weiterbildungsangebote könnte ein Großteil der Sprachlehrkräfte dauerhaft als reguläre Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt tätig sein. „Schon jetzt können nicht alle Stellen für den Vorbereitungsdienst und den Schuldienst besetzt werden. Die knapp 200 Kolleginnen und Kollegen, denen man jetzt die Tür weist, werden dem gesamten Bildungssystem bitter fehlen,“ ergänzte Gerth.

Finanzierung:

Der Bund stellt für die nächsten Jahre umfängliche Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe Integration bereit. Unklar ist, wie diese Mittel in Sachsen-Anhalt verwendet werden. Vor wenigen Tagen lobte der Ministerpräsident die Verhandlungsergebnisse zu den Finanzen zwischen Bund und Ländern. Dabei erwähnte er explizit auch die Sicherheit für die Finanzierung neuer Lehrerstellen. „Herr Haseloff kann jetzt seinen Worten Taten folgen lassen und die gut integrierten Kolleginnen und Kollegen dauerhaft an den Schulen willkommen heißen,“ betonte Gerth zu diesem Punkt.

Alles andere als eine Weiterbeschäftigung und Qualifizierung der bewährten Sprachlehrkräfte sowie die konzeptionelle Weiterentwicklung des Systems Sprachunterricht wäre fatal für die gesamte Bildungslandschaft. „Noch ist ein Umsteuern möglich, es muss jetzt aber konsequent und dringend gehandelt werden,“ schloss Gerth.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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