Sofortprogramm für die Hauptschulen

Die Bildungsgewerkschaft GEW schlägt vor, die 521 gesperrten Lehrerstellen im Sommer 2007 wieder zu besetzen und gezielt in ein Sofortprogramm für die Hauptschulen zu investieren. „Dies wäre ein richtiges bildungspolitisches Signal im Interesse der benachteiligten Kinder und Jugendlichen. Alle Stabilisierungsbemühungen der Landesregierung wie das Programm „Impulse Hauptschule“ sind verpufft. Wer den Abwärtstrend der Hauptschule stoppen will, muss neue Wege zulassen und dieser Schulart deutlich bessere Rahmenbedingungen garantieren“, sagte am Montag (22.01.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

22.01.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die GEW schlägt in einem Sofortprogramm für die Hauptschule unter anderem vor, den Klassenteiler zu senken, Hauptschulen vorrangig zu Ganztagsschulen auszubauen, Regionalschulen zuzulassen und Hauptschullehrer/innen wie die Pädagogen an den Realschulen zu bezahlen. „Unsere Hauptschulen sind keine schlechten Schulen, im Gegenteil. An den baden-württembergischen Hauptschulen wird unter sehr schwierigen Bedingungen von den Lehrerinnen und Lehrern eine überdurchschnittlich engagierte Arbeit geleistet. Aber nur noch 12 bis 18 Prozent der Lehramtsstudierenden wollen an die Hauptschule“, so Dahlem. Die GEW befürchtet, dass in den nächsten Jahren mindestens 300 Hauptschulen von der Schließung bedroht sind und schlägt deshalb neue integrative Gemeinschafts- oder Regionalschulen vor, die in der ersten Phase als Modellschulen gestartet werden könnten. „Die CDU sollte sich ein Beispiel an ihren Parteikollegen in Hamburg nehmen, die dort eine Nachbarschaftsschule schaffen wollen. Wir halten nichts von der offenbar geplanten Aufsplitterung der Klassen einer Schule an verschiedenen Orten. Gerade die Schülerinnen und Schüler an der Hauptschule brauchen einen kontinuierlichen Bildungsgang von Klasse 5-10,“ so Dahlem.

10. Pflichtschuljahr, Qualifizierungsprogramm für Lehrer/innen

Die GEW schlägt in ihrem vom Landesvorstand beschlossenen Sofortprogramm für alle Hauptschüler/innen die Einführung eines 10. Pflichtschuljahrs und die Einstellung neuer Lehrer/innen für individualisierte Förderprogramme vor. Außerdem sollen die Pädagogen durch ein spezielles Qualifizierungsprogramm besser für die Arbeit mit schwierigen Kindern und Jugendlichen vorbereitet werden. Die Teams an den Hauptschulen sollen durch Schulsozialarbeiter, Sonderpädagogen und Schulpsychologen verstärkt werden.

Übertrittsquoten - Mindestschülerzahl an 309 Schulen unterschritten

Die Übertrittsquote von der Grund- auf die Hauptschule hat im Jahr 2006 einen historischen Tiefstand von 28 Prozent erreicht. Im Schuljahr 2005/06 besuchten 194.400 Schüler/innen die 1.202 Hauptschulen in Baden-Württemberg, im Schuljahr 2012/13 sollen es nur noch 163.670 sein. 687 Hauptschulen sind einzügig und haben nur noch eine Klasse pro Jahrgang. 309 Hauptschulen hatten in mindestens einer Klassenstufe sogar weniger als 16 Schüler/innen und unterschreiten damit die vom Kultusministerium vorgegebene Mindestschülerzahl. (Quellen: Stat. Landesamt, Landtagsdrucksachen)

38.000 Lehrer/innen an Grund- und Hauptschulen

An den rund 1.200 Grund- und Hauptschulen arbeiten über 38.000 Lehrer/innen. Etwa 20.000 sind Hauptschullehrer/innen. Die GEW ist die stärkste Interessenvertretung für Hauptschullehrer/innen. Etwa 14.000 der 41.000 GEW-Mitglieder unterrichten an Grund- und Hauptschulen.

Schon vergessen?

„In Zukunft müssen wir uns sicher darüber Gedanken machen, ob ein Hauptschullehrer in einem sozialen Brennpunkt weniger verdienen darf als ein Gymnasiallehrer, der vielleicht nur unproblematische Schüler betreut, aber etwas länger studiert hat.“ (Ex-Kultusministerin Annette Schavan im Jahre 2001 im „Focus“)

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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