Projektabschluss

Sprachbildung im Thüringer Mathematikunterricht

Sprachkompetenz beeinflusst den Schulerfolg im Fach Mathematik, dies wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Doch was können Lehrerinnen und Lehrer und die Bildungsadministration dagegen tun, um auch sprachlich Schwächeren gerecht zu werden?

03.05.2019 Thüringen Pressemeldung Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
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Im Projekt „SiMa – Professionalisierungsprozesse zur Sprachbildung im Mathematikunterricht“ hat das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) gemeinsam mit dem Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) ein Fortbildungs- und Implementationsprojekt erfolgreich umgesetzt. Nach Abschluss des Projekts zeigt sich nun, dass fachbezogene Sprachbildung die Lernzuwächse von Jugendlichen in Mathematik steigert.

Durch Sprache zu einem besseren Mathematikverständnis

Seit zehn Jahren erforscht die Dortmunder Forschungsgruppe um Prof. Dr. Susanne Prediger, Projektleiterin des SiMa-Projekts, welche sprachlichen Anforderungen sprachlich schwache Kinder und Jugendliche beim Mathematiklernen behindern. Sie zeigen, dass für den Verstehensaufbau von mathematischen Konzepten wie dem Prozentwert und dem Grundwert das Erklären von Bedeutungen mathematischer Konzepte zentral ist. So können Kinder und Jugendliche später dann verständnisbasiert rechnen. Jugendliche verstehen also Mathematik besser, wenn sie auch selbst aktiv erklären. Daher ist es wichtig, diese sprachlichen Lerngelegenheiten in den Mathematikunterricht zu integrieren.

Für Thüringens Bildungsminister Helmut Holter steht die Beibehaltung der hohen Unterrichtsqualität im Mittelpunkt: „Um auf die gewachsene Heterogenität in den Klassen zu reagieren, müssen Unterrichtsmethoden kontinuierlich weiterentwickelt werden. Auch für das Verstehen der Mathematik ist das Verstehen der Sprache Grundvoraussetzung. Ich bin den Experten aus meinem Ministerium und dem Deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik dankbar für ihr Engagement. So wird die Unterrichtsqualität auf einem hohen Niveau gesichert.“

Die Dortmunder Forscherinnen haben Konzepte und Materialien für solch einen sprachbildenden Unterricht entwickelt. Doch schnell wurde deutlich, dass viele Mathematiklehrkräfte für einen sprachbildenden Mathematikunterricht noch nicht ausreichend ausgebildet sind: „Viele Lehrkräfte haben in ihrem Studium von Sprache kaum etwas gehört und denken vielleicht nur an Vokabellernen, aber nicht auch an ganzheitlicheres Erklären und diejenigen Aspekte von Sprache, die tatsächlich für Mathematiklernen wichtig sind.“, erklärt Prof. Dr. Susanne Prediger. Daher hat sie zusammen mit ihrer Forschungsgruppe auch Fortbildungskonzepte entwickelt und erprobt, um Mathematiklehrkräfte für die sprachbildenden Unterrichtskonzepte zu professionalisieren.

Elf Thüringer Schulen implementieren erfolgreich sprachbildenden Mathematikunterricht

Schulentwicklungsexperten aus dem Thüringer Bildungsministerium hatten die Konzepte im Jahr 2017 nach Thüringen geholt: „Wir haben die Herausforderungen unterschiedlicher Sprachkenntnisse auch im Thüringer Schulunterricht und müssen sie fachbezogen lösen. Dabei mussten wir das Rad nicht neu erfinden, sondern konnten auf die Dortmunder Expertise zurückgreifen“, sagt Jörg Triebel, der für das Projekt verantwortliche Referent. Zusammen mit dem DZLM in Berlin und Dortmund wurde ein Fortbildungs- und Implementationsprojekt für Thüringen etabliert und in den letzten zwei Jahren umgesetzt. In dem Projekt wurden erfahrene Fortbildnerinnen für sprachbildenden Mathematikunterricht qualifiziert. Ihre Aufgabe war es, insgesamt elf Schulen auf ihrem Weg hin zum sprachbildenden Mathematikunterricht zu begleiten. Die Implementationsprozesse und die Wirksamkeit des Projekts wurden durch das DZLM untersucht. Für das DZLM war diese Kooperation sehr reizvoll, denn „Wir wollen immer besser verstehen, wie die Forschungsergebnisse tatsächlich in der Unterrichtspraxis ankommen können.“, betont Prof. Dr. Susanne Prediger, die als stellvertretende Direktorin des DZLM auch Transferprozesse in die Unterrichtspraxis beforscht und ausgestaltet.

Anfang April feierte das zweijährige Projekt nun seinen erfolgreichen Abschluss. Auf der Abschlusstagung in Neudietendorf wurden die Ergebnisse des Projekts vorgestellt. Es zeigte sich, dass die sogenannten Interventionsklassen, die mit den sprachbildenden Konzepten gearbeitet haben, zum Thema Prozente deutlich mehr lernten als die Kontrollklassen mit ihrem üblichen Schulbuch (siehe Abbildung). Die besseren Leistungen sind insofern bemerkenswert, als die Kontrollgruppe höheres Vorwissen in den arithmetischen Basiskompetenzen und dem Thema Prozente hatte als die Interventionsgruppe. Über diesen Befund freuen sich Jörg Triebel, Susanne Prediger und die beteiligten Schulen sehr, denn „es ist keineswegs selbstverständlich, dass Implementationen in der Praxis direkt Wirksamkeit für die Kinder zeigen.“ betont Susanne Prediger mit Blick auf andere Implementationsprojekte.

© Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Wirksamkeit der fach- und sprachintegrierten Intervention: Trotz höheren Vorwissens der Kontrollgruppe zu arithmetischen Basiskompetenzen und zum Thema Prozente lernt die Interventionsgruppe erheblich mehr.

Das Thüringer Bildungsministerium hat deshalb entschieden, das Projekt auch nach seinem formalen Abschluss in der Landesinitiative SINUS-Thüringen zu verankern und auszubauen sowie die Ansätze auch anderen Schulen zukommen zu lassen.


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