Baden-Württemberg

Stellen streichen und bessere Bildungspolitik geht nicht

Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßt, dass Kultusminister Andreas Stoch (SPD) und die SPD-Fraktion die Streichung von 11.600 Lehrerstellen nicht mehr für denkbar halten.

13.01.2014 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Die Unterrichtsversorgung ist mit Ausnahme der Grund- und Sonderschulen ordentlich, muss aber noch besser werden. Für den Ausbau der Ganztagsschulen, der Inklusion und konsequenter Förderung von der Grundschule an gibt es weiterhin kein Konzept. Dafür brauchen die Schulen die rechnerisch freiwerdenden Stellen. Die Unterrichtsversorgung wird in diesem Schuljahr auf Kosten der Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer gesichert. Der Kultusminister hat offenbar erkannt, dass nicht weiter auf dem Rücken der Beschäftigten gespart werden kann, wenn wir weiter gute Qualität in den Klassenzimmern wollen", sagte am Montag (13.01.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW macht sich dafür stark, dass das Unterrichtsdefizit an Sonderschulen 2014 deutlich gesenkt wird. "Es ist ein Armutszeugnis, dass an den Sonder-schulen weiter ein strukturelles Unterrichtsdefizit von 5,5 Prozent besteht. Im vergangenen Jahr erhielten 290 Sonderschullehrkräfte nach ihrem Referendariat keine Stelle. Es wären also genügend qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen da. Es ist nicht verständlich, warum Grün-Rot durch die Sparpolitik ausgerechnet Kinder und Jugendliche mit höherem Förderbedarf benachteiligt", sagte Moritz. Der Kultusminister hat den zusätzlich Bedarf an Sonderschulen auf 300 bis 400 Stellen beziffert.

Die GEW weist auch darauf hin, dass nach der Stichprobe zur Unterrichtssituation im November 2013 durch die feste Lehrerreserve und Nebenlehrkräfte nur 23 Prozent der Vertretungen geleistet werden konnten. "Der begonnene Ausbau der ständigen Lehrerreserve muss in schnelleren Schritten fortgesetzt werden", sagte Moritz.

Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz begrüßt die deutliche Distanzierung des Kultusministers Andreas Stoch von der online-Petition "Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens": "Wir wollen Schulen in unserem Land, an denen Toleranz, die Akzeptanz von Vielfalt und der Abbau von Diskriminierung gelehrt und gelebt werden. Nur wenn unsere Gesellschaft einer fundierten und frühen Sensibilisierung für die Vielfalt unserer Gesellschaft zentrale Bedeutung beimisst, kommt sie ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag nach. Wer sich sachlich mit der Bildungsplanreform auseinandersetzt, wird keinen Grund für die Aufregung finden", sagte Moritz.

Die GEW verweist darauf, dass die Lehrerbedarfsprognose des Bildungs-wissenschaftlers Prof. Dr. Klaus Klemm für Baden-Württemberg aus dem Jahr 2012 bisher die einzige Grundlage ist, in der berechnet wurde, was ein Teil der im Koalitionsvertrag verankerten Reformen kosten würde. Dazu zählt zum Beispiel auch die Umsetzung der Inklusion, zu der Baden-Württemberg gesetzlich verpflichtet ist. Diese Lehrerbedarfsprognose hatte ergeben, dass es bis 2016 keinen Spielraum für Stellenstreichungen gibt, selbst wenn nur Teil der versprochenen Reformen umgesetzt würde.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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