Lehrkräfte

tlv fordert Landesregierung zum Handeln auf

Mit deutlichen Worten haben sich Frank Fritze und Uwe Sommermann, stellvertretende Landesvorsitzende des tlv thüringer lehrerverband, in einer Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn an die Landesregierung des Freistaates gewandt. "Die Personalsituation an Thüringens Schulen ist, gelinde gesagt, miserabel", monierte Sommermann. "Und sie wird immer schlimmer. Es ist deshalb allerhöchste Zeit, dass die Landesregierung ihre Koalitionsversprechen umsetzt und die Schulen personell besser ausstattet!"

18.08.2015 Pressemeldung thüringer lehrerverband

Unterrichtsausfälle werden nach wie vor nicht realistisch erfasst

Dass es in Thüringen viel zu wenig Lehrer gibt, zeige sich unter anderem an den Unterrichtsausfällen, so Frank Fritze. Zwar lägen diese laut der offiziellen Statistiken bei etwa 4%, also jeder 25. Stunde. "Aber die Zahl der nicht wie vorgesehen gehaltenen Unterrichtsstunden ist tatsächlich viel höher. Eine 2013 vom Kultusministerium an alle Schulen geschickte schriftliche Anweisung schreibt vor, dass eine Stunde nicht als ausgefallen gilt, wenn sie fachfremd vertreten, durch Stillbeschäftigung oder Heimarbeit ersetzt wird."

An einigen Schulen fielen regelmäßig etwa 10% der Stunden aus. "Dass unsere Schüler trotzdem gut lernen und bei Leistungsvergleichen überdurchschnittlich abschneiden, ist allein dem Engagement der Lehrer zu verdanken. Diese arbeiten jedoch oft bis an die persönliche Belastungsgrenze. Langfristige Erkrankungen nehmen leider immer mehr zu." Im Februar dieses Jahres reagierte Ministerin Klaubert auf die scharfe Kritik des tlv hinsichtlich der Unterrichtsausfälle. Sie versprach eine eingehende Prüfung der Anweisungen ihres Amtsvorgängers und entsprechende Änderungen, um 'ein ehrliches Bild bei den Stundenausfällen' zu erhalten. "Bis jetzt ist hier jedoch nichts passiert", stellt Fritze klar. "Und das ist leider bezeichnend für die Haltung des Ministeriums gegenüber den Schulen. Der tatsächliche Ausfall wird nach wie vor durch Monitoring-Verfahren kaschiert und die Lehrer und Schüler werden mit diesem Problem alleingelassen."

Zahl der neu eingestellten Lehrer liegt regelmäßig unter der der Abgänge

Dass es an Thüringens Schulen zu so hohen Unterrichtsausfällen kommt, liegt in erster Linie daran, dass es zu wenig Lehrer gibt. Dieses Problem ist ein rein rechnerisches: In Thüringen werden nach wie vor weniger Pädagogen eingestellt, als den aktiven Schuldienst verlassen. "Im Kalenderjahr 2015 werden insgesamt 500 Lehrer neu unbefristet eingestellt", berichtet Uwe Sommermann. "Das mag zunächst viel klingen. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, dass im Schuljahr 2014/15 mehr als 700 Kollegen aus dem aktiven Dienst ausgeschieden sind, wird schnell klar, dass diese Gleichung niemals aufgehen kann."

Die Einstellungsstatistiken zeigen jedoch noch ein weiteres Problem auf: Die ursprüngliche Ausschreibung der Stellen erfolgt sowohl schulart- als auch fächerspezifisch. Aus Mangel an Bewerbern, die unter den aktuellen Bedingungen nicht in Thüringen bleiben wollen, können diese Stellen immer seltener besetzt werden. "Teilweise werden Lehrer für andere Fächer eingestellt, als sie dann tatsächlich unterrichten", berichtet Sommermann. "Aber das ist natürlich nur begrenzt möglich. Und wenn die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen an einer Schulart grundsätzlich zu gering ist, nützt es auch nichts, wenn es viele Bewerber gibt und letzten Endes fast alle Stellen besetzt werden können. Der Mangel bleibt."

Verbeamtung in Thüringen noch immer nicht wieder eingeführt

Abgesehen davon, so erklärt der stellvertretende tlv Landesvorsitzende Frank Fritze weiter, gäbe es in jedem Schuljahr auch Stellen, für die die geeigneten Bewerber nicht in Thüringen angestellt werden wollen. "Eine der Ursachen hierfür ist die fehlende Verbeamtung", ist Fritze sich sicher. "In all unseren Nachbarländern außer Sachsen werden die Absolventen bei der Einstellung zu Beamten. Darüber hinaus sind die Einstellungsverfahren wesentlich unkomplizierter. Wen wundert es da, dass die jungen Leute abwandern?" Aber auch, wer seinen Dienst in Thüringen angetreten hat, bleibt nicht unbedingt. "Manche Kollegen verlassen den Freistaat, wenn sie aus einem anderen Bundesland ein besseres Angebot bekommen."

Interessanterweise hat das Kultusministerium bereits im Sommer 2012 einen Prüfbericht zum Thema erstellt, in dessen Fazit eine generelle Wiedereinführung der Verbeamtung aller Lehrer des Freistaates befürwortet wird. Angedacht war damals als Termin der 1. August 2013. "Aber auch hier ist bis zum heutigen Tag nichts geschehen", klagt Fritze auch die Handlungsunfähigkeit der aktuellen Landesregierung an. Vielmehr werde das Problem so wie alle wichtigen übrigen auch von Schuljahr zu Schuljahr vertagt.

Frank Fritze und Uwe Sommermann beschlossen die Pressekonferenz mit einer eindeutigen Botschaft: "Unsere bereits drei Jahre alte Forderung ist zu Beginn des neuen Schuljahres aktueller denn je, und wir richten uns direkt an den Ministerpräsidenten und seine Landesregierung, wenn wir erneut fordern: Stoppt den Lehrerkollaps!"


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