Weltlehrertag

tlv fordert: „Verbeamtung statt Luftschlösser“

Am 5. Oktober ist Weltlehrertag. Die globale Dachorganisation der Bildungsgewerkschaften, die education international , stellt ihn in diesem Jahr unter das Motto: „Lehrkräfte wertschätzen, ihren Status verbessern“ (Valuing Teachers, Improving their Status).

04.10.2016 Thüringen Pressemeldung thüringer lehrerverband
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„Lehrer zu sein bedeutet heutzutage leider allzu oft, zum Prügelknaben und Sündenbock der Gesellschaft zu werden“, stellt Rolf Busch, Landesvorsitzender des tlv thüringer lehrerverband (dem Landesverband des VBE in Thüringen) heraus. „Egal, welche Probleme auftreten, immer heißt es: Die Schule hat versagt. Die Schule muss. Aber wie wir die Schwierigkeiten lösen, sagt uns niemand.“ Der VBE-Bundesvorsitzende, Udo Beckmann, ergänzt: „Ein wertschätzender Umgang setzt eine Empfänglichkeit für die Bedürfnisse des Gegenübers voraus. Die Politik ist aber oft so weit entfernt von dem Alltag an der Schule, dass Entscheidungen ohne Realitätsbezug getroffen werden. Das ist unverantwortlich und entbehrt jeder Wertschätzung für Lehrkräfte.“

Schon in einer im Februar veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des VBE zur Zufriedenheit im Lehrerberuf gaben 85 Prozent der Befragten an, dass sie es als besonders belastend ansehen, dass die Politik bei ihren Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht beachte. Der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch erinnert in diesem Zusammenhang an die jüngsten Vorstöße der Thüringer Landesregierung zur Inklusion: „Hier agiert die Politik komplett fernab der Realität. Ein inklusives Schulgesetz wäre zum jetzigen Zeitpunkt völlig verfrüht, weil die Rahmenbedingungen einfach noch nicht stimmen.“ Der VBE- Bundesvorsitzende Beckmann kommentiert: „Es könnte so einfach sein. Wenn die Politik ihren Worten auch Taten, das heißt die notwendigen personellen und sächlichen Ausstattungen, folgen lassen würde. Anstatt in Sonntagsreden Luftschlösser zu entwerfen, einfach Schulen bauen.“

Inklusion, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf also, die steigende Heterogenität der Lerngruppen und die Integration von Flüchtlingen sind Herausforderungen an die Schule, die es nach Politikwillen gleichzeitig und ohne übermäßige, zusätzliche Ressourcen zu bewältigen gilt. „Lehrkräfte sind keine Artisten. Schaffen sie es jedoch, drei Bälle gleichzeitig zu jonglieren, wird ihnen einfach ein Vierter zugeworfen. In der Politik herrscht eine große Selbstverständlichkeit darüber, was Lehrkräfte allein, in zu kleinen Schulräumen mit zu großen Lerngruppen alles zu schaffen haben. Das ist nicht nur eine Gefahr für die Lehrergesundheit, sondern schadet auch dem Image des Lehrerberufs“, warnt Beckmann.

Gerade in Zeiten akuten Lehrermangels sollte die Attraktivität des Lehrerberufs gesteigert werden. Momentan fehlen in Deutschland mindestens 30.000 Lehrkräfte. Allein in Thüringen fehlen mehrere Hundert Pädagogen. Der tlv-Landesvorsitzende kommentiert: „Unsere Bildungspolitik fährt seit Jahren auf Verschleiß. Die Neueinstellungen decken noch nicht einmal die Altersabgänge. Gleichzeitig haben wir vielerorts Probleme, qualifizierte Bewerber zu finden. Denn die Verbeamtung ist ein wichtiges Kriterium für die in allen Bundesländern begehrten Absolventen.“ „Es braucht bessere Konditionen, um Anreize zu setzen, in der Schule zu unterrichten. Alle Lehrer müssen verbeamtet werden und Lehrkräfte müssen unabhängig von Schulform und Schulstufe gleich bezahlt werden“, fordert der VBE-Bundesvorsitzende.


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