Ungebremst: Hauptschulsterben schreitet voran

Der Niedergang der Hauptschule schreitet voran. Nach einer neuen Dokumentation des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnverbandes (BLLV) mussten seit 1991/92, dem Beginn des Schulversuchs zur sechsstufigen Realschule, 705 Haupt- und Teilhauptschulen geschlossen werden. Allein in den vergangenen neun Jahren, seit der Einführung der R6 als Regelschule im Jahr 2000, waren 540 Teilhauptschulen und 85 Hauptschulen betroffen. Lediglich 39 Teilhauptschulen wurden zu Hauptschulen ausgebaut, nur fünf Hauptschulen wurden in diesem Zeitraum neu gegründet. "Das Kultusministerium hat den Niedergang der Hauptschule nicht gestoppt, er wurde im Gegenteil durch fragwürdige Reformen beschleunigt", kritisierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel.

06.10.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Mittelschulen, Schulverbünde oder Kooperationen bei strikter Trennung der jeweiligen Schulart halten das Hauptschulschulsterben nicht auf, sie geben auch keine Antworten auf demografische Entwicklungen und verändertes Übertrittsverhalten." Laut Wenzel ist die Verunsicherung an vielen noch bestehenden Hauptschulen derzeit immens: "Nach wie vor liegen keine schlüssigen Konzepte vor. Auf organisatorische, verwaltungstechnische und pädagogische Fragen, die Mittelschulen, Schulverbünde oder Kooperationen aufwerfen, gibt es keine Antworten." In vielen Gemeinden herrsche Ratlosigkeit gepaart mit Unruhe: "Es soll zwar etwas umgesetzt werden, keiner weiß aber wie und mit wem."

Gab es in Bayern im Schuljahr 1990/91 noch 1636 staatliche (Teil-) Hauptschulen, sind es im laufenden Schuljahr nur noch 931 Schulen, das sind 43 Prozent weniger. "Akut in ihrem Bestand gefährdet sind die derzeit bestehenden 299 einzügigen Hauptschulen mit nur einer Klasse pro Jahrgang", gab Wenzel heute in München bekannt. Als Ursachen führte er den Rückgang der Schülerzahlen, in einigen Landkreisen um bis zu 35 Prozent, sowie steigende Übertrittsquoten in Realschulen und Gymnasien an.

Wenzel bedauerte, dass das BLLV- Konzept Regionale Schulentwicklung (RSE) beim Kultusministerium nach wie vor nicht akzeptiert wird. Trotz über 100 Anträgen bayerischer Kommunen seien keine Modellversuche genehmigt worden, die auch strukturell Antworten auf den Schülerrückgang geben. "Bei den wenigen genehmigten Anträgen musste sichergestellt sein, dass die dreigliedrige Schulstruktur nicht angetastet wird. "Ich habe den Eindruck, Ministerium und Verwaltung agieren an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei", kommentierte Wenzel dieses Vorgehen. Zwar habe das Ministerium "Dialogforen" eingeführt, zu einem wahren Dialog komme es aber nicht. "Berücksichtigung finden stets nur Vorschläge, die sich innerhalb des bestehenden Schulsystems mit der strengen Aufteilung nach Klasse vier bewegen und eine weitergehende schulartübergreifende Kooperationen zwischen Haupt- und Realschulen vermeiden."

Der BLLV verfolge das Ziel, Schulschließungen zu stoppen, betonte Wenzel. "Unser Ziel ist es, pragmatische, qualitativ hochwertige, pädagogische Konzepte vor Ort anbieten zu können. Grundlegender Gedanke ist eine höchst mögliche Freiheit der Schule vor Ort. Wir sehen in RSE einen realistischen Weg, weitere Schulschließungen und somit auch empfindliche Standortschwächungen vieler Gemeinden zu verhindern."

Die aktuelle Liste zur Schließung von (Teil-) Hauptschulen ist unter www.bllv.de im Internet zu finden, sie kann aber auch beim BLLV angefordert werden unter Tel: 089/ 72 100 161 - in ihr werden, nach Bezirken geordnet, sämtliche bereits geschlossene oder von Schließung bedrohte Schulen aufgeführt. Quelle: Amtsblätter und Schulanzeiger der sieben Bezirksregierungen


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