Unterrichtsausfall: Kultusministerium kommt dem tlv entgegen

In den seit zwei Jahren andauernden Diskurs zwischen dem tlv thüringer lehrerverband und dem Kultusministerium des Freistaates um das Erweiterte Monitoring zur Unterrichtserfüllung an den Thüringer Schulen ist Bewegung gekommen: Das Ministerium reagierte auf einen Brief des Lehrerverbands und bot den Pädagogen an, aktiv an einer Überarbeitung des Schreibens mitzuwirken.

19.11.2015 Pressemeldung thüringer lehrerverband

"Es ist endlich ein Schritt in die richtige Richtung", kommentiert der tlv Landesvorsitzende Rolf Busch die jüngsten Entwicklungen. "Nach Monaten des öffentlichen Drucks und der einseitigen Bemühungen begrüßen wir das Angebot der Ministerin, aktiv an einem Prozess der Neugestaltung mitwirken zu können." Außerdem sei es dem tlv endlich gestattet worden, ohne Auflagen eine eigene Umfrage zum Unterrichtsausfall zu starten. "Derzeit verzichten wir jedoch – sozusagen im Sinne eines Vertrauensvorschusses – auf die Umsetzung, um die Schulen nicht zusätzlich zu belasten. Falls tatsächlich gemeinsam mit dem Ministerium eine erfolgreiche Neuregelung des Erweiterten Monitoring gelingt, könnte der tlv auch komplett davon absehen."

Das Monitoring, eine Dienstanweisung zum Umgang mit Unterrichtsausfall, erregt seit seiner Zustellung an die Thüringer Schulen im Juli 2013 den Unmut der Pädagogen. Der tlv kritisierte seitdem wiederholt, dass die in dem Schreiben geforderten Maßnahmen zur Vermeidung von Unterrichtsausfall größtenteils nicht dazu geeignet seien, auch ein Versäumnis des geplanten Lernstoffes zu vermeiden. Denn das Ministerium definiert darin beispielsweise fachfremd vertretenen Unterricht als nicht ausgefallen. Außerdem bemängelt der tlv, dass weitere der angeführten Maßnahmen wie die Erhöhung der Stundenzahl einzelner Lehrer, die Zusammenlegung von Klassen oder die Stillbeschäftigung der Schüler die korrekte Erfassung der Anzahl tatsächlich ausgefallener Stunden unmöglich mache. Dies sei aber wichtig, um die Personalsituation an Thüringens Schulen realistisch einzuschätzen und die notwendigen Veränderungen herbeizuführen. "Der von uns als Lehrerkollaps bezeichnete Personalmangel ist weiterhin Realität", mahnt Busch, "Denn momentan erfolgen lediglich Ersatzeinstellungen, um den Altersabgang halbwegs auszugleichen." Mehrfach wandte sich der Verband an die Öffentlichkeit, um das von Kultusministerin Klaubert im Februar dieses Jahres gegebene Versprechen, das unter ihrem Amtsvorgänger verfasste Monitoring kritisch zu prüfen, einzufordern. Da keine Reaktion erfolgte, wandte sich der Landesvorsitzende im September schließlich mit einem Brief direkt an die Ministerin.

In diesem Schreiben erläuterte Busch die Sorgen und Nöte der Pädagogen, die nicht nur unter der Mehrbelastung leiden, sondern sich vor allem um die Erfüllung der Lernziele sorgen. Schließlich forderte der tlv die Rücknahme des Monitorings, die auflagenfreie Zulassung einer Online-Umfrage zum tatsächlichen Unterrichtsausfall an den Schulen sowie die Ergreifung der nach den Erkenntnissen dieser Umfrage erforderlichen Maßnahmen. Wenig später setzte sich der Landesvorsitzende außerdem in einem kurzen Video auf satirische Weise mit den Inhalten des Erweiterten Monitoring auseinander. Der auf der tlv Website und bei Youtube veröffentlichte Beitrag erreichte allein bei Youtube bereits 900 Zuschauer und wird heute mit einer zweiten Folge fortgesetzt. Knapp acht Wochen nach dem Versand des Briefes und fünf Wochen nach der Veröffentlichung des ersten Videos traf schließlich eine Antwort der Ministerin beim Verband ein. "Wir sind gespannt, ob es jetzt tatsächlich zu Änderungen kommt", erklärt Busch. "Der tlv hat endlich die Perspektive erreicht, das Erweiterte Monitoring so verändern zu können, dass es den Schulen wirklich hilft." Auch und gerade im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen für die Schulen sei eine auf realistischen Annahmen beruhende Personalpolitik enorm wichtig. Denn der Mehraufwand werde sich durch die Integrationsaufgaben noch deutlich erhöhen. Umso erfreulicher, so Busch, seien die abschließenden Worte der Kultusministerin, die schreibt: "Ich halte es für sehr wichtig, gemeinsam das Problem zu lösen. Wir arbeiten am selben Ziel."


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