VBE vergibt erstmals Preis "Nasser Schwamm"

Für "den bildungspolitischen Tiefschlag des Jahres 2004" erhält am heutigen Abend Berlins Senator für Bildung, Jugend und Sport Klaus Böger den neu gestifteten Preis des Bundesverbands Bildung und Erziehung (VBE) "Nasser Schwamm".

31.01.2005 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Senator Böger hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, arbeitslose Lehrerinnen und Lehrer mit Ein-Euro-Jobs zu beschäftigen. Der VBE hält diesen Vorschlag für "besonders kontraproduktiv". Der Bundesvorsitzende des VBE Ludwig Eckinger begründet dies: "Landauf landab wird an Deprofessionalisierung, Lohndumping, Dequalifizierung und Entwertung von Arbeit gearbeitet. Geradezu verraten und verkauft sind doch diejenigen, die als Ein-Euro-Jobber eingesetzt werden. Nur schwerlich werden sie den Weg in den ersten Arbeitsmarkt finden. Und die öffentlichen Haushälter sind froh über die 'billigen' Arbeitskräfte, für die viele Arbeitnehmerrechte nicht gelten." Eckinger warnt eindringlich vor dieser Art Beschäftigungspolitik. Ein-Euro-Jobs im Bildungsbereich verstießen gegen das Gesetz. "Menschen mit hoher Qualifikation werden in ausbildungsadäquaten Berufen auf das Lohnniveau der dritten Welt gedrückt, wohlgemerkt bei Lebenshaltungskosten der ersten Welt", betont Eckinger. Der VBE registriere mit Besorgnis, dass inzwischen auch in anderen Ländern Bildungspolitiker auf Ein-Euro-Jobs setzen. So würden entgegen dem Gesetz bereits an niedersächsischen Grundschulen Ein-Euro-Jobber zu Aufgaben regulärer Lehrerinnen und Lehrer herangezogen. "Lehrkräfte werden auf diese Weise disqualifiziert, zu Handlangern gemacht und wie Tagelöhner bezahlt", kritisiert der VBE-Bundesvorsitzende. "Lehrerinnen und Lehrer auf festen Stellen in den Schulen geraten unter den Druck, dass ein und dieselbe Arbeit einerseits mit Ein-Euro-Jobs und andererseits mit regulären Gehältern entlohnt wird. Die Möglichkeit des Lohn-Dumpings ist verführerisch für die Politiker und beschädigt zugleich den Beruf der Lehrerin und des Lehrers." Vor dem Hintergrund der Ergebnisse von PISA würden Bildungspolitiker in Deutschland die Botschaft vermitteln, Bildung sei nichts wert.

In der Laudatio zur Preisverleihung des "Nassen Schwamms" stellt der Berliner VBE-Landesvorsitzende Helge Dietrich fest: "Die Berliner Bildungspolitik ist voller Grenzüberschreitungen. Noch vor einem Jahr stand an der Berliner Tafel der Bildungspolitik, dass im nächsten Jahr 1200 neue Lehrkräfte eingestellt werden sollten. Mit dem Schwamm wurde solange weggewischt, bis nun die Zahl '0' an der Tafel blieb", so Dietrich. Inzwischen habe der Bildungssenator selbst von 'massiven Prognosefehlern' gesprochen. "Jetzt dürfen erst im Herbst wieder Lehrerinnen und Lehrer in Berlin eingestellt werden. Vielleicht stehen diese Maßnahmen insgeheim unter der Überschrift: Berliner Bildungsverwaltung schafft Ein-Euro-Kandidaten?" Landesvorsitzender Dietrich wirft Böger vor, arbeitslose Lehrerinnen und Lehrer mit Hilfe von Ein-Euro-Jobs in Beschäftigungsverhältnisse bringen zu wollen, damit sie unter anderem Sprachkurse für ausländische Kinder mit Förderbedarf in der deutschen Sprache leiten. "Herr Böger, Sie setzen einen Führerscheinneuling an das Steuer eines Formel-I-Rennwagens, dessen Tank Sie mit Wasser gefüllt haben, und erwarten, dass er den WM-Titel holt." Die Sprachförderung für Schüler nichtdeutscher Herkunft, auch Sprachkurse vor dem Schuleintritt, seien das wichtigste Vorhaben in der Berliner Schule, wenn das Land Berlin die rote Laterne im Bildungsranking der Bundesländer abgeben möchte. "Diese Arbeit muss in den Händen professioneller fest angestellter Lehrkräfte liegen."

Bildungssenator Böger hatte auf die Einladung des VBE-Bundesvorsitzenden zur Preisverleihung in einem Brief geantwortet: "Vielen Dank für die Preisverleihung des 'Nassen Schwamms'; in dieser Zeit muss man über jeden Preis froh sein." Weiter schrieb der Senator: "Tatsächlich habe ich geäußert, und dazu stehe ich auch, dass wir unter der Maßgabe 'Zusätzlichkeiten, Gemeinnützigkeiten und berufliche Fortbildung' daran interessiert sind, Arbeitslosengeldbezieher - wie Erzieher, Sozialarbeiter oder Lehrer - zeitweilig im Bildungssystem einzusetzen; wohl gemeint: für zusätzliche Aufgaben." Böger sagte seine Teilnahme wegen eines anderweitigen Termins ab.

Der "Nasse Schwamm" des VBE wird künftig in jedem Jahr verliehen - stets für den bildungspolitischen Tiefschlag des Vorjahres.

Die Preisverleihung findet ab 18 Uhr im Magnus-Haus Berlin, Am Kupfergraben 7 in 10117 Berlin statt.


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