VBE zum Muñoz-Bericht:

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßt den heute in Genf vorgelegten Muñoz-Bericht als "hilfreiche kritische Außenansicht auf das deutsche Bildungssystem". Der VBE-Bundes­vorsitzende Ludwig Eckinger betont: "Der UN-Sonderberichterstatter fordert mit Recht, dass Deutschland verpflichtet ist, ´die Verwirklichung des Rechtes auf Bildung bis an die Grenze seiner vorhandenen Ressourcen sicherzustellen´. Wir wissen alle, dass Bildung in der politischen Rangliste Deutschlands leider unter ferner liefen steht. Unsere Bildungsausgaben liegen unter dem EU- und unter dem OECD-Durchschnitt."

21.03.2007 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Eckinger verweist auf die aktuelle Diskussion um den Ausbau frühkindlicher Bildung. "Tendenziell sollen die Kinder ihre Krippenplätze selbst finanzieren", so Eckinger, "denn nichts anderes würde eine Finanzierung über das Kindergeld bedeuten." Solange ein solches Denken in Deutschland vorherrsche, treffe Muñoz´ Feststellung ins Schwarze.

Weiter erklärt der VBE-Bundesvorsitzende: "Das gegliederte Schulsystem in Deutschland hat Sackgassen, insbesondere für Kinder und Jugendliche aus den sozial benachteiligten Schichten. An den Hauptschulen ist jeder zweite Schüler arm, an den Gymnasien jeder elfte. Selbst bei gleichen kognitiven Kompetenzen haben Oberschichtkinder die 2,6-fache Chance, auf ein Gymnasium zu kommen. Bildungsgerechtigkeit ist in Deutschland bislang eher ein Schlagwort. Der UN-Sonder­berichterstatter hat ´im Geiste von Dialog und Zusammenarbeit´ geprüft, inwiefern das Recht auf Bildung als Menschenrecht in Deutschland umgesetzt wird. Zwangsläufig greift Muñoz die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien auf. Sie alle kommen zu dem Ergebnis, dass Deutschland im Vergleich mit den anderen Industrieländern die stärkste Korrelation zwischen sozialem Hintergrund und Bildungsleistungen aufweist. Das ist keine Erfindung von Muñoz", so Eckinger.

"Muñoz´ Empfehlung einer Strukturreform, ´innerhalb derer die Vorteile des derzeitigen Systems wie die hohe Einschulungsquote erhalten bleiben, die es aber ermöglicht, die ungleiche Behandlung und die mangelnden Chancen bestimmter Bevölkerungsgruppen zu überwinden´", unterstreicht Ludwig Eckinger, "ist kein Teufelszeug, sondern das Konzentrat gegenwärtiger bildungspolitischer Diskussion in Deutschland." Der VBE setze sich für Kindergärten als kostenlose Bildungseinrichtungen für alle Kinder und für die Aufwertung der Grundschule ein, weil es auf den Anfang ankomme. Für die Sekundarstufe präferiere der VBE Modelle einer zweigliedrigen Schulstruktur, so Eckinger. Ein mögliches Beispiel sei die Allgemeine Sekundarschule, wie sie der VBE in Nordrhein-Westfalen empfehle.

"Die Reaktionen auf den heute vorgelegten Muñoz-Bericht stehen für mittelalterliches Gebaren", stellt der VBE-Bundesvorsitzende fest. "Ich rate dringend von einem Verschanzen in ideologischen Trutzburgen ab. Das Abkippen von Pech und Schwefel auf eine faire Außenansicht, wie es der UN-Sonderberichterstatter getan hat, verklebt auch die nötige Innenansicht auf unsere Bildungsreform. Die Bildung eines jeden muss im Interesse aller liegen."


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