Verantwortungsbewusste Pädagogen machen Schule erfolgreich

Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie, sieht eine große Chance für Kinder mit Lernstörungen, wenn sich Pädagogen für die Kinder stark machen und ihre pädagogische Freiheit im Interesse des Kindes aktiv nutzen.

27.08.2009 Pressemeldung Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.

Die Freude auf den Schulanfang ist bei vielen Kindern nicht sehr groß, weil insbesondere für Kinder mit Lernstörungen der Teufelskreis des Lernversagens erneut beginnt. Felix ist jetzt in der 7. Klasse des Gymnasiums und weiß ganz genau, was wieder passieren wird. "Die ersten zwei bis drei Wochen sind meist ganz entspannt, denn die Lehrer müssen einen erst mal kennen lernen. Schnell haben sie meine Rechtschreibprobleme erkannt und hacken auf mir rum. Irgendwie habe ich dann das Gefühl, man sucht permanent nach Wissenslücken, um mir auch noch zu zeigen, dass ich gar nichts richtig kann", schildert Felix Reimers* enttäuscht. Wie Felix geht es vielen Schülern, deren Schwächen von Lehrern in den Mittelpunkt gestellt werden, statt ihre Stärken zu sehen. Kinder brauchen Mut statt Angst und eine Lernatmosphäre, in der es Spaß macht zu lernen. "Kein Erwachsener könnte es lange ertragen, wenn ihm ständig von seinem Arbeitgeber aufgezeigt würde, dass er seine Arbeit nicht anforderungsgemäß beherrscht. Kinderseelen müssen diesem Druck täglich standhalten. Viele Kinder entwickeln psychosomatische und psychische Störungen, da sie die Last nicht mehr tragen können", so Annette Höinghaus, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie.

Der BVL empfiehlt allen Eltern, sehr frühzeitig mit den Lehrern den Austausch zu suchen und gemeinsam einen Weg zu finden, wie schulisch den Beeinträchtigungen durch eine Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung) oder Dyskalkulie (Rechenstörung) begegnet werden kann. Es gehört zur pädagogischen Verantwortung, jedem einzelnen Kind gerecht zu werden und es erfolgreich zu unterrichten. Der immer wieder bekundete Gleichheitsgrundsatz darf nicht dazu führen, dass Lehrer ihre pädagogische Freiheit nicht im Interesse des Kindes nutzen. Da die schulrechtlichen Rahmenbedingungen in jedem Bundesland unterschiedlich sind, sollte die pädagogische Vernunft in den Mittelpunkt rücken, um jedem Kind Chancengleichheit in unserem Bildungssystem zu verschaffen. "Es ist an der Zeit, dass man sich nicht hinter Schulgesetzen oder fehlenden schulischen Regelungen für Kinder mit Lernstörungen verschanzt, sondern mit gesundem Menschenverstand die Hilfen anbietet, die den Schüler motivieren, einen erfolgreichen Schulabschluss zu erreichen", sagt Höinghaus.

*) Name von der Redaktion geändert.


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