Schleswig-Holstein

Vor Bildungskonferenz: GEW schlägt erste Erste-Hilfe-Programm für bessere Bildung vor

Zwei Tage vor der [Bildungskonferenz von Bildungsministerin Wende](http://www.schleswig-holstein.de/Portal/DE/Startseite/ArchivPolitik/120903_Bildungskonferenz.html) am 08.09.2012 schlägt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein Erste-Hilfe-Programm für die Schulen vor. Weniger Bildungsbarrieren für Schülerinnen und Schüler sowie intensivere Fortbildung, neu gestaltete Ausbildung und weniger Pflichtstunden für Lehrkräfte sollen in Schleswig-Holstein für einen Aufbruch zu besserer Bildung sorgen.

06.09.2012 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

"Leider hat die Öffentlichkeit bisher vor allem über den organisatorischen Rahmen der Konferenz diskutiert. Wir halten aber eine Diskussion über diese konkreten Inhalte für wichtiger", sagte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn am Donnerstag, 6. September 2012 in Kiel. "Unser Erste-Hilfe-Programm kann dazu beitragen, Schleswig-Holstein aus der Rolle eines bildungspolitischen Armenhauses heraus zu holen. Um dieses Ziel aber wirklich zu erreichen, bedarf es eines vollständigen Verzichts auf Stellenstreichungen an den Schulen."
Der Verzicht der neuen Landesregierung auf von der Vorgängerregierung geplante Stellenstreichungen sei nur ein wichtiger Schritt,

Folgende konkrete Vorschläge unterbreitete der GEW-Landesvorsitzende:

  1. Schleswig-Holstein kann es sich nicht länger leisten, dass rund zwanzig Prozent der Jugendlichen die Schule verlassen, ohne ausreichend lesen, schreiben und rechnen zu können. Deshalb setzt sich die GEW für den Abbau von Bildungsbarrieren ein. Inklusiver Unterricht unter guten Bedingungen, der nicht zu Lasten von Kindern und Lehrkräften geht, steht dabei oben an, genauso wie kleinere Klassen. Wichtige Maßnahmen seien auch die Überführung von Regionalschulen in Gemeinschaftsschulen sowie die Abschaffung von Schulartempfehlungen in der Grundschule und schulartbezogenen Klassen an Gemeinschaftsschulen. Wo Schülerzahlen und regionale Gegebenheiten es zulassen, solle es an Gemeinschaftsschulen neue Oberstufen geben. Stärkung der Schulsozialarbeit und die Errichtung von gebundenen Ganztagsschulen seien unverzichtbar.

  2. Gesunde und engagierte Lehrerinnen und Lehrer sind das wichtigste Kapital für eine gute Schule. Mit der Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer darf deshalb nicht länger Schindluder getrieben werden. Die GEW schlägt eine Reduzierung der Pflichtstunden vor. Beginnend ab kommendem Schuljahr sollen zunächst die Lehrkräfte an Grundschulen eine Stunde weniger unterrichten, weil sie mit 28 Wochenstunden die höchste Lehrverpflichtung haben. Im Schuljahr darauf sollen die Pflichtstunden aller Lehrkräfte um eine Pflichtstunde gesenkt werden.

  3. Die Qualität von Unterricht hängt in erheblichem Maße von der Qualität der Lehrerausbildung und der Lehrerfortbildung ab. Die GEW schlägt vor, die Ausbildung neu zu gestalten und die Fortbildung zu intensivieren. Bei der Fortbildung sollte der Akzent vor allem auf das Unterrichten von heterogenen Schülergruppen gelegt werden. Selbstverständlich dürfen die Fortbildungen nicht zu einer noch höheren Belastung der Lehrkräfte führen. Deshalb muss sie bei der Arbeitszeit berücksichtigt werden und finanziell vollständig vom Arbeitgeber getragen werden. Bei der Ausbildung der Lehrkräfte macht sich die GEW für ein kombiniertes Stufenlehrer-Modell mit großem Praxisbezug stark. Die neuen Lehrerinnen und Lehrer sollen in der Zukunft entweder in Grundschule und Mittelstufe oder in Mittel- und Oberstufe unterrichten können, weil dieses Modell gegenüber dem reinen Stufenlehrer einen flexibleren Lehrereinsatz ermöglicht.

Der GEW-Landesvorsitzende wies abschließend darauf hin, dass ein Erste-Hilfe-Programm nicht mehr als ein guter Anfang sein könne. Denn bekanntlich müsse nach der ersten Hilfe auf jeden Fall eine weitergehende Versorgung mit dem Ziel der Heilung erfolgen.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden