Weiterhin Streit um Schulfach Ethik in Berlin

(redaktion) Die Auseinandersetzung um den Ethikunterricht in Berlin geht in die nächste Runde. In diesen Tagen will der Verein "Pro Reli" die zweite Stufe des Volksbegehrens gegen das gemeinsame Unterrichtsfach Ethik an Berliner Oberschulen starten. In den nächsten vier Monaten sollen mindestens 170.000 Unterschriften gesammelt werden, damit es zu einem Volksentscheid kommen kann. Das Bundesverfassungsgericht hat allerdings bereits im April 2007 entschieden, dass die Einführung des Pflichtschulfachs Ethik in Berlin mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

18.09.2008 Berlin Artikel

Weder verletze das in Berlin eingeführte Pflichtfach die Religionsfreiheit der Schüler noch das Erziehungsrecht der Eltern, hieß es damals in der Begründung. Das Land Berlin dürfe so vorgehen, um die Ziele gesellschaftlicher Integration und Toleranz zu erreichen und den Schülern eine gemeinsame Wertebasis zu vermitteln. Bei einer "Separierung der Schüler nach der jeweiligen Glaubensrichtung" und einem getrennt erteilten Religionsunterricht könne diesem Anliegen möglicherweise nicht in gleicher Weise Rechnung getragen werden. Das Land dürfe der Entstehung von religiös motivierten "Parallelgesellschaften" entgegenwirken, hieß es außerdem.

Mit dem Slogan "Wir wollen Wahlfreiheit" will Initiative "Pro Reli" allerdings den verpflichtenden Ethikunterricht kippen. Sie fordert die Einführung von Religion als ordentlichem Lehrfach im Rahmen eines Wahlpflichtbereichs Ethik/Religion. Die Schüler müssten sich dann zwischen den Fächern Ethik und Religion entscheiden.

Der Begriff der Freiheit werde von "Pro Reli" Sinn verkehrend verwendet, erklärte dazu heute die Initiative "Pro Ethik". Ein Wahlpflichtbereich Ethik/Religion würde die Freiheit der Schüler nicht erweitern, sondern sie einengen. Denn derzeit können sie an den Oberschulen den verpflichtenden Ethikunterricht und darüber hinaus auf Wunsch auch einen Religions- bzw. Weltanschauungsunterricht besuchen. Nach der Vorstellung von "Pro Reli" müssten sie sich jedoch für nur einen Unterricht entscheiden und könnten damit am jeweils anderen Unterricht nicht teilnehmen. Die von "Pro Reli" angezielte Beseitigung dieses integrativen Unterrichts und die Trennung nach Religionen und Konfessionen, so erklärte der Sprecher der Initiative "Pro Ethik", Dr. Gerhard Weil, würde Möglichkeiten der Verständigung untereinander verhindern.


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