Interview

Wenn, dann mit Tablet

Digitale Medien können Schüler mit Beeinträchtigungen beim Lernen unterstützen und Schulen dabei helfen, Inklusion umzusetzen. Wie, erklärt Experte Ingo Bosse. Interview von Tina Sprung

30.11.2018 Bundesweit Artikel didactaDIGITAL - Aktuelles rund ums Lehren & Lernen mit neuen Technologien
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Viele Schulen tun sich nach wie vor schwer damit, Inklusion umzusetzen. Warum?
Ingo Bosse: Inklusion in Schulen stellt Lehrkräfte natürlich vor große Herausforderungen. Im Studium lernen sie kaum oder nur wenig über Sonderpädagogik. Daher sollten Schulen Sonderpädagogen einstellen. Wenn die Klassen immer heterogener werden, macht es das Unterrichten für die Lehrkräfte nicht leichter. Wichtig ist trotzdem, Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu sehen und sie wahrzunehmen.

Prof. Dr. Ingo Bosse leitet das Lehrgebiet Körperliche und Motorische Entwicklung an der TU Dortmund. Der Forschungsschwerpunkt des ehemaligen Lehrers sind Inklusion mit Medien.

Sie sind davon überzeugt, dass digitale Medien dabei helfen, diese  Aufgabe zu erfüllen. Inwiefern?
Tablets können es Inklusionsschülern erleichtern, am Unterricht teilzunehmen und ihnen helfen, selbstbewusster mit ihrer Behinderung umzugehen. Denn Tablets sind ein Lifestyle-Produkt, das auch nicht beeinträchtige Menschen nutzen. Inklusionsschüler empfinden die Geräte nicht als stigmatisierendes Hilfsmittel wie beispielsweise einen Sprachcomputer. Zudem verfügen Tablets über Funktionen, die das Lernen für die Kinder mit Beeinträchtigungen erleichtern und für die Lehrkräfte den Unterricht einfacher machen.

Wie?
Im Internet gibt es zum Beispiel spezielle Lernvideos mit Untertitelung für Schüler, die schlecht hören. Lehrkräfte können auf Plattformen wie Planet Schule zurückgreifen, die neben Filmen und Multimedia klassische Arbeitsblätter auf unterschiedlichen Differenzierungsstufen bieten. Sie können unproblematisch diese Materialien an die Bedürfnisse der Lerngruppe oder an die einzelner Schüler anpassen. Außerdem gibt es Arbeitsblätter als PDF- Dateien mit sogenannten Tags, also Erweiterungen, sodass Sehbehinderte sich die Dokumente vorlesen lassen können. Tablets ermöglichen es auch, beliebig zu zoomen, was Schülern mit Sehbehinderung hilft. Digitale Technologien, nicht nur das Internet, bieten für Inklusion zahlreiche Möglichkeiten: Eine Rollstuhlhockeymannschaft in Paderborn druckte mit einem 3D-Drucker kürzlich individuelle Schläger für das Team aus. Auch Schulen könnten damit unkompliziert kleine Hilfsgegenstände für den Alltag ausdrucken – das kann eine Buchstütze oder ein Tablet-Halter sein.

Wo können sich Schulen Hilfe holen, um Inklusion an Ihrer Schule mit digitalen Medien zu verankern?
In den Landesmedienanstalten gibt es ausgebildete Medienpädagogen und Inklusionsscouts, die die Schulen unterstützen. Wichtig ist, die Digitalisierung nicht als Mehrbelastung, sondern als Vereinfachung bei der Inklusion  wahrzunehmen.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: didacta DIGITAL – Aktuelles rund ums Lehren & Lernen mit neuen Technologien, Ausgabe 2/2018, S. 14, www.didacta-digital.de


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