Werkrealschule wird bald wieder Thema im Landtag

Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt den Beschluss des Landtags zur Einführung der neuen Werkrealschule eine "bildungspolitische Sackgasse". "Wer jeden Tag in den Klassenzimmern steht, weiß, dass die Werkrealschule das falsche Mittel ist, um Schülerinnen und Schülern bessere Chancen zu ermöglichen. Durch Aufteilung auf verschiedene Schulstandorte, Aufspaltung in Profile und neue Klassenzusammensetzungen in der 10. Klasse fehlt den Schülerinnen und Schüler eine stabile Bezugsgruppe. Genau dies brauchen aber benachteiligte Jugendliche", sagte am Donnerstag (30.07.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

30.07.2009 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die Werkrealschule übt großen Druck auf die Schulträger aus, kleine Hauptschulen zu schließen. "Obwohl die Gemeinden vom pädagogischen Konzept nicht überzeugt sind, schließen sie Schulen mit einem stabilen sozialen Beziehungsgefüge, in denen individuelle Förderung am besten möglich ist. Die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer an den Hauptschulen werden zur Manövriermasse der Bildungspolitik. Anstatt die bekannten Schwächen unseres Schulsystems vorurteilsfrei unter die Lupe zu nehmen und das Schulsystem grundsätzlich auf neue Füße zu stellen, produzieren CDU und FDP am laufenden Band Stückwerk", sagte Moritz.

In Europa sortieren allein Deutschland und Österreich die Kinder mit zehn Jahren. Die Übertrittsquote in die Hauptschulen sinkt seit Jahren stetig. In Bremen und Hamburg, im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Rheinland-Pfalz ist bereits Bewegung in die Schulstrukturfrage gekommen. Dort werden zwischen 2009 und 2013 die Hauptschulen abgeschafft. "Kinder würden besser lernen, wenn nicht bereits ab der dritten Klasse der immense Druck der Schullaufbahnentscheidung auf Kindern und Eltern lastet", so Moritz. Die GEW geht davon aus, dass trotz der Entscheidung der Landesregierung das Thema Schulschließungen und Schulentwicklung ein zentrales Thema der Bildungspolitik in Baden-Württemberg bleiben wird.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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