Studie

Wie viel Kind können Kinder noch sein?

Viele Eltern beklagen, dass Schülerinnen und Schülern im Schul- und Lernalltag immer weniger Zeit für Freizeit zur Verfügung steht. Eine YouGov-Studie im Auftrag der Lernplattform Duden Learnattack behandelt das Thema „School-Life-Balance“ nun erstmals im Rahmen einer belastbaren Umfrage.

27.02.2018 Bundesweit Pressemeldung Duden Lernattack
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Im Rahmen der Studie wurden 1.000 Eltern von Schulkindern zum Lernalltag ihrer Kinder befragt und geben ihre Einschätzung zu Stress und Freizeit sowie zur Rolle von Hausaufgaben ab.

Hoher Leistungsdruck als Stresstreiber

Mit 54 Prozent gibt mehr als die Hälfte der befragten Eltern an, dass ihrem Kind im Vergleich zum eigenen Schulalltag weniger Zeit zur Verfügung steht. Ein gutes Viertel (27 Prozent) spricht sogar von „deutlich“ weniger Freizeit. Diesem Befund stehen lediglich 18 Prozent gegenüber, die die Freizeit ihrer Schulkinder im Vergleich zur eigenen Jugend als ausreichend empfinden.

„Wenig Freizeit und der damit verbundene Stress sind ein denkbar unangenehmer Begleiter auf dem Weg zu Lernerfolg und besseren Noten. 69 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind Stress im Schul- und Lernalltag empfindet. Grund genug für uns, weitere Angebote zu schaffen, die Lernen effizienter und weniger belastend gestalten“, erklärt Steffen Biese, einer der drei Geschäftsführer bei Learnattack.

Die drei größten Stressfaktoren im Schul- und Lernalltag sind laut Eltern der hohe Leistungsdruck (49 Prozent), Leistungskontrollen und Prüfungen (42 Prozent) sowie die persönliche Entwicklung, zum Beispiel in Hinblick auf die Pubertät (36 Prozent). Lehrer nennen hierbei lediglich 25 Prozent der Eltern als einen der wichtigsten Gründe.

Auch Eltern selbst fühlen sich gestresst

Eine weitere Dimension der School-Life-Balance betrifft der Umfrage zufolge auch Eltern selbst. Fast die Hälfte (46 Prozent) gibt an, bei der Unterstützung ihres Kindes im Lernalltag selbst ein gewisses Maß an Stress zu empfinden. Wenig verwunderlich geben 40 Prozent zu, dass Schul- und Lernstress zu Streitigkeiten zwischen ihnen und ihrem Kind führen. Bei zwei Fünfteln davon geschieht dies sogar mehrfach pro Woche oder häufiger.

Laut mehr als einem Drittel der Eltern (37 Prozent) sorgten Schul- und Lernstress schon einmal dafür, dass ihr Kind auf ein Hobby verzichten musste. „Einige Eltern reagieren bei Problemen im Kontext Schule und Lernen mit Einschränkung der Freizeit. Erfolge beim Musikunterricht oder im Sportverein sind jedoch genauso wichtig für Selbstwertgefühl und persönliche Entwicklung und sollten deshalb beim Austarieren einer guten School-Life-Balance ebenfalls berücksichtigt werden. Kinder sollten schließlich nicht nur Schüler oder Schülerin, sondern vor allem Kind sein dürfen“, erläutert Julia Reinking, Geschäftsführerin bei Learnattack mit Fokus auf Didaktik.

Tipps für eine bessere School-Life-Balance

Auch Hausaufgaben gehören laut vielen Eltern zu Stresstreibern in Bezug auf die School-Life-Balance ihrer Kinder. 78 Prozent bekommen dabei mindestens drei- bis viermal pro Woche Hausaufgaben auf. Auffällig ist, wie sehr das Thema Hausaufgaben und das Lernen „daheim“ zu polarisieren scheinen. Während 45 Prozent der Eltern der Meinung sind, dass ihr Kind nach der Schule insgesamt zu viel Zeit dafür aufbringen müssen, halten 52 Prozent dagegen.

Duden Learnattack, ein Tochterunternehmen des Cornelsen Verlags, bietet inzwischen über 20.000 Lerninhalte an, die sich an der wissenschaftlich fundierten Learnattack-Methode ausrichten. Diese wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Kerres, Professor für Mediendidaktik und Wissensmanagement an der Universität Duisburg-Essen, erarbeitet und legt ein Hauptaugenmerk auf effizientes Lernen. „Mein Lieblingstipp für eine gute School-Life-Balance sind kurze, verteilte Lernphasen, die sich in der Praxis als nachhaltiger erweisen als das sogenannte ‚Bulimielernen‘ in intensiven, langen Lernphasen“, erläutert Reinking weiter. Um Schulkindern ein Stück weit den Leistungsdruck zu nehmen, empfehle sich außerdem ein Denken in kleinen Schritten: „Ein Sprung von ‚4-‘ auf ‚4‘ ist kurzfristig schneller zu erreichen als von ‚4-‘ auf ‚1‘. Realistische Zielsetzungen beugen Frustration, Demotivation und letztlich auch Stress vor.“

Ansprechpartner

Duden Lernattack

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Ein Kommentar vorhanden

  • Christoph Riedel 28.02.2018 08:30 Uhr
    Für den Stress, den heute viele Kinder erleben, gibt es zwei wichtige Gründe (neben weiteren):
    1. Die Verkürzung der Schulwoche auf 4,5 Tage (früher, bei Samstagsunterricht, waren es 5,5 Tage, so dass nachmittags fast immer unterrichtsfrei war und außerschulischen Interessen problemlos nachgegangen werden konnte )
    2. Die falsche Schulformwahl. Fast kein Kind besucht heute mehr die Hauptschule, wer einen halbwegs durchschnittlichen IQ hat, geht aufs Gymnasium. Obwohl das Niveau in den letzten 40 Jahren massiv gesenkt wurde, sind trotzdem viele Kinder in der gewählten Schulform überfordert. Wenn Eltern weniger ihre eigenen Vorstellungen und mehr die wirkliche Eignung des Kindes zur Grundlage ihrer Schulformentscheidung machen würden, würde vielen Kindern eine Menge Stress erspart.
    P.S. Wer die Tatsache der massiven Niveauabsenkung nicht glaubt, vergleiche einfach ein Mathematikbuch für die 10.Klasse der Realschule NRW aus dem Jahr 1980 (z.B. "Breidenbach Mathematik")mit einem aktuellen hinsichtlich Themenauswahl und Anspruchsniveau. Danach erübrigt sich jede Diskussion.
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