Schleswig-Holstein

„Wir wollen die Ressourcen weiter verbessern“

Bildungsministerin Britta Ernst und Erziehungswissenschaftler Prof. Klaus Klemm stellen Inklusions-Gutachten vor.

24.10.2016 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein
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„Die Landesregierung investiert trotz Schuldenbremse weiter in Bildung und in die Schulen. Dabei hat die Verbesserung der Unterrichtsversorgung in Schleswig-Holstein höchste Priorität. Darüber hinaus müssen für die Inklusion ausreichend Ressourcen bereitgestellt werden“, sagte heute Bildungsministerin Britta Ernst in einer Pressekonferenz. Mit der Vorlage des Inklusionskonzeptes im Jahr 2014 habe die Landesregierung eine Verstärkung der Inklusion an den Schulen des Landes sowie die Prüfung und Bewertung der Ressourcenfrage zugesagt. Der Erziehungswissenschaftler Prof. em. Klaus Klemm (Essen) sei beauftragt worden, ein Gutachten („Lehrkräftebedarf und -einsatz im Bereich der sonderpädagogischen Förderung in den öffentlichen allgemeinen Schulen und in den öffentlichen Förderzentren Schleswig-Holsteins“) zum Thema Ressourcen zu erstellen, das er heute vorlege.

Der Wissenschaftler sagte, das Land Schleswig-Holstein sei, was die Ressourcen angehe, für die Inklusion im Vergleich mit anderen Bundesländern ordentlich aufgestellt. Mit einem Schüler/innen-Lehrkräfte-Relationswert von 6,6 im Förderschwerpunkt Lernen für das Schuljahr 2014/15 weise das Land einen Wert auf, der exakt dem vergleichbaren Bundesschnitt im Schuljahr 2014/15 entspreche. Für alle sonstigen Förderschwerpunkte liege das Land mit einem Wert von 4,6 günstiger als der Bundes-Durchschnittswert von 5,0, für alle Förderschwerpunkte gemeinsam mit 5,1 (zu 5,3 im Bund) bei der Schüler/innen-Relation ebenfalls günstiger. Er gehe dennoch von einem weiteren Stellenbedarf von 493 Stellen aus, erläuterte Prof. Klemm.

„Wir ziehen aus dem Gutachten drei wichtige Schlüsse“, betonte Ministerin Ernst: Erstens müssten die Ressourcen verbessert werden, zweitens Transparenz und Vergleichbarkeit geschaffen werden sowie drittens der Bedarf an sonderpädagogischer Expertise auch durch neue Fortbildungen gedeckt werden. „493 Stellen - das ist eine Aufgabe auch für die kommende Wahlperiode. Aber wir handeln sofort und beginnen mit den wichtigen Weichenstellungen“, sagte Ernst. Schon im Schuljahr 2017/18 würden 50 zusätzliche Stellen für Sonderpädagoginnen und -pädagogen geschaffen - diese seien auch in den Haushaltsplanungen bereits vorgesehen. Zudem wolle sie der gutachterlichen Empfehlung folgen, die multifunktionellen Teams zu stärken und die Bedarfslücke - gegebenenfalls sogar überwiegend - mit Sonderpädagogen/innen decken. „Wir werden die von Professor Klemm festgestellte Lücke sukzessive verkleinern“, sagte Ernst zu.

Klemm habe in seinem Gutachten auch Hinweise gegeben, wie die Verteilung der vorhandenen Ressourcen in allen Regionen des Landes transparent und nach vergleichbaren Maßstäben gestaltet werden könne, sagte die Ministerin. Das werde aufgegriffen und in den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung den Schulen werde weiterhin nicht diagnosegestützt, sondern systemisch ein Budget  für die sonderpädagogische Förderung zur Verfügung gestellt. Dieses Personalbudget werde künftig regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst. Es solle dafür gesorgt werden, dass Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf gleichermaßen Unterstützung erhielten, benannte Ernst die zweite Schlussfolgerung aus dem Klemm-Gutachten.

„Ich weiß, dass der Lehrkräftemarkt - auch und vielleicht gerade im Bereich Sonderpädagogik - angespannt ist. Wir müssen also neue Wege beschreiten, um die Situation zu verbessern“, sagte die Ministerin. Es gebe daher als dritte Schlussfolgerung aus dem Gutachten schon ab Sommer 2017 einen Zertifikatskurs für Lehrkräfte namens „Inklusion – Grundlagen in der Sonderpädagogik“ am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH). 50 Plätze stünden zunächst zur Verfügung, bei entsprechender Nachfrage könne ein nächster Kurs mit 50 weiteren Interessierten schon im Februar 2018 stattfinden und dann zwei Mal im Jahr. „Mit dieser neuen Weiterbildung ergänzen wir die Unterstützungsangebote für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Regelschulen“, sagte die Bildungsministerin.

Der Zertifikatskurs sei  zugleich ein Angebot für Lehrkräfte, die einen Schularten- oder Laufbahnwechsel zur Sonderpädagogin oder zum Sonderpädagogen anstrebten sowie für Grundschullehrkräfte, die eine A13-Besoldung erreichen wollten. Der Kurs werde in Kooperation mit der Wissenschaft durchgeführt, Professorinnen und Professoren namhafter Universitäten hätten bereits Lehrveranstaltungen zugesagt.

Die Bildungsministerin hob hervor, das Thema Inklusion habe in Schleswig-Holstein einen hohen Stellenwert, daher habe sie es auch zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte gemacht. Ernst betonte, seit Jahrzehnten gebe es zudem ein sehr großes und bewundernswertes Engagement von Eltern für die Inklusion. Die Landesregierung habe zudem mit dem Inklusionskonzept 2014 die Weichen gestellt, und so gehöre heute das Thema Inklusion verbindlich zur Lehrkräfteausbildung in Schleswig-Holstein. Die gleichzeitige Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte ergänze die steigende Inklusions-Expertise an den Schulen im Land. „Alle angehenden Lehrkräfte in Schleswig-Holstein haben am Ende ihres Studiums die didaktische und pädagogische Basisqualifikation für den Umgang mit Heterogenität sowie Kenntnisse über die Grundlagen der Förderdiagnostik“, sagte Ernst.

Darüber hinaus stelle Schleswig-Holstein wie im Inklusionskonzept von 2014 versprochen  jährlich 17,8 Millionen Euro für Schulsozialarbeit zur Verfügung und entlaste damit die Schulträger. Die Landesregierung habe auch die Stellen für den Schulpsychologischen Dienst auf 32 fast verdoppelt sowie die schulische Assistenz realisiert, die heute zu den multiprofessionellen Teams an Grundschulen gehöre. An vielen Schulen habe mit dem Schuljahresanfang bereits das zweite Jahr der Schulischen Assistenz begonnen. Es gebe mit dem Schuljahresbeginn rund 600 Schulische Assistenzkräfte an den öffentlichen Grundschulen, das Land finanziere dies mit 13,2 Millionen Euro pro Jahr. Darüber hinaus haben wir die Förderzentren im Jahr 2015 mit 40 Stellen verstärkt, betonte Ministerin Ernst: „Jetzt gehen wir die nächsten Schritte: Wir sehen uns den Ressourcen-Bedarf an und stellen die Weichen, damit absehbare Lücken nach und nach geschlossen werden können.“

In Schleswig-Holstein haben aktuell (Schuljahr 2015/16) 6,33 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Förderbedarf; würde man die Jahrgänge 1 und 2 - in denen ein Förderbedarf heute nicht diagnostiziert werde - zusätzlich abschätzen, würde sich diese Quote auf 6,85 Prozent erhöhen. Der deutsche Mittelwert liege bei 6,97 Prozent. Die Inklusionsquote im Land liege heute bei 67,2 Prozent (mit den Jahrgängen 1/2 = 69,7 Prozent) und habe damit die höchste Quote aller deutschen Flächenländer.


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