Brennpunktschulen

Zunahme von Gewalt an Schulen erfordert schnelles Handeln der Politik

Dringenden Handlungsbedarf attestiert der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der Politik und den Landesregierungen nach den erst jetzt bekannt gewordenen unerträglichen Zuständen an der Gemeinschaftsschule Bruchwiese in Saarbrücken.

15.12.2017 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)
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Der Dachverbandsvorsitzende zeigte sich überzeugt, dass auch an vielen anderen Schulen Lehrkräfte ähnlichen massiven psychischen und physischen Bedrohungen ausgesetzt sind.

Er stellte klar: „Wir erleben hier auch die Auswirkungen einer verfehlten Inklusionspolitik, die den Schulen ohne Bereitstellung ausreichender Ressourcen aufgedrückt wurde: Förderschulen wurden geschlossen und Lehrkräfte an Regelschulen unvorbereitet mit dieser immensen Herausforderung der Integration von Kindern mit oft schwerwiegenden emotional-sozialen Störungen allein gelassen.“ Auch habe die Politik tatenlos zugesehen, wie sich problematische und besonders förderungsbedürftige Schülergruppen sowie Kinder mit Migrationshintergrund immer stärker an sozialen Brennpunktschulen konzentriert hätten, so Meidinger.

Der DL-Präsident forderte die Politik und die jeweilige Schulaufsicht auf, sich nicht wie bisher häufig wegzuducken, wenn es Hilferufe von Schulen gebe, weil Lehrkräfte bedrängt und bedroht würden und ordentlicher Unterricht kaum mehr möglich sei. Er betonte: „Es ärgert mich, wenn viele Schulminister zwar an jeder neuen Modellschule vor Ort präsent sind und ständig Leuchtturmprojekte vorstellen, aber sich gleichzeitig kein Bild davon machen, wie in sozialen Brennpunkten heute vielfach die Schulrealität aussieht.“ Er forderte auch die Schulleitungen auf, verstärkt die Zusammenarbeit mit der Polizei zu suchen. „Die Angst mancher Schulleitungen davor, die Polizei bei Vorfällen psychischer und physischer Gewaltandrohung zu rufen, weil man einen langfristigen Imageschaden befürchte, teile ich nicht“, unterstrich der Verbandschef. Im Gegenteil, nur wenn Lehrkräfte und Schulleitungen sich wehrten, würden sie auch respektiert. Eine große Herausforderung für die Schulen sei es, verstärkt die Schülereltern in den Erziehungsauftrag mit einzubinden. Das sei aber oft äußerst schwierig.

Neben der besseren Ausstattung von solchen Schulen mit mehr Personal, multiprofessionellen Teams und zusätzlichen Beratungsangeboten forderte Meidinger die Landesregierungen auch dazu auf, Schulen und Lehrkräften mehr rechtlichen Schutz und mehr Möglichkeiten zu geben, dauerhaft aggressive Schüler abzuweisen bzw. nicht aufnehmen zu müssen.


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