Zukunftsmodell

Zweiter Ganztagsgipfel zur Zukunft der Ganztagsschule

Baden-Württemberg - Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann: „Wir wollen eine Ganztagsschule von höchster Qualität und größtmöglicher Flexibilität“

16.05.2017 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
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Die zahlreichen an der Ganztagsschule beteiligten Akteure haben sich auf Einladung von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann gestern auf einem zweiten Ganztagsgipfel über die Zukunft der Ganztagsschule ausgetauscht und Leitlinien für die Weiterentwicklung der Ganztagsangebote im Land benannt. Ein halbes Jahr nach der ersten Gipfelveranstaltung im November 2016 sind die rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Schulleitungen, Lehrer, Eltern, Schüler, außerschulische Partner, Schulträger und Vertreter der Lehrerverbände sowie der Schulverwaltung – im Kultur- und Kongresszentrum „K“ in Kornwestheim erneut zusammengekommen, um über die nächsten Schritte zu beraten.

„Wir wollen eine Ganztagsschule von höchster Qualität, die zugleich den Bedürfnissen der Menschen in unserem Land entspricht“, sagte die Kultusministerin bei der Eröffnung der Veranstaltung. „Die Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder eine sinnvolle, pädagogisch angemessen gestaltete Zeit in der Ganztagsschule verbringen“, so Eisenmann weiter.

Beim ersten Gipfel waren die bestehenden Ganztagsangebote bilanziert und die vielfältigen Aspekte der Ganztagsschule im Hinblick auf ihre Weiterentwicklung diskutiert worden. Die dabei festgehaltenen Eckpunkte bildeten die Arbeitsgrundlage mehrerer Facharbeitsgruppen, die sich seitdem intensiv mit den offenen Fragen auseinandergesetzt haben. Die Gipfelteilnehmer haben gestern in sieben thematischen Foren die Möglichkeit, die Ergebnisse zu besprechen und Rückmeldungen zu geben. „Es ist wichtig, ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben – besonders, wenn es in die Umsetzungsphase geht“, erklärte Eisenmann.

Die Kultusministerin hat nun erstmals Leitlinien für die Weiterentwicklung des Ganztags skizziert. Für die Schülerinnen und Schüler sollen demnach künftig drei Wahlmöglichkeiten bestehen:

  • Zum einen die rhythmisierte Ganztagsschule mit einem ganztägigen, verbindlichen und schulischen Angebot;
  • zum anderen die Schule mit flexiblem (nachmittäglichem) Betreuungsangebot;
  • sowie drittens die Schule mit Unterricht nach Stundentafel (ohne erweitertes Angebot, „Halbtagsschule“).

Die Wahlmöglichkeiten sollen dabei unter bestimmten Voraussetzungen auch an einem Standort nebeneinander bestehen können. Die bisherigen Zeitmodelle – drei oder vier Tage à sieben oder acht Stunden – haben sich bewährt. Sie sollen bestehen bleiben und auch in den weiterführenden Schulen fortgeführt werden, wobei die Besonderheiten der weiterführenden Schulen berücksichtigt werden. Zu Mischklassen, in denen Elemente der Halb- und der Ganztagsschule zugleich angeboten werden, äußerte sich die Ministerin kritisch: „Wir wollen insgesamt ein qualitativ hochwertiges Angebot, das nicht durch Mischung unterschiedlicher Angebote verwässert wird.“

Eisenmann hob die Bedeutung der engen Partnerschaft von Land und Kommunen für den Ganztag hervor. Die bisherige Aufgabenteilung soll auch künftig beibehalten werden: Die Bereitstellung von Betreuungsangeboten bleibt kommunale Aufgabe, die Bereitstellung der schulischen Angebote ist Landessache. Neu ist indes, dass sich das Land innerhalb der schulischen Kernzeiten wieder verstärkt bei der Betreuungsförderung engagieren will. Damit soll dem Elternwunsch nach einem flexiblen Angebot entsprochen werden. Das sogenannte Mittagsband soll dagegen organisatorisch und finanziell in der Verantwortung der Kommunen liegen.

Weitere Anregungen der Teilnehmer des ersten Ganztagsgipfels sollen bei der Reduzierung des Verwaltungsaufwands aufgegriffen werden. So ist geplant, eine „Kooperationsstelle Ganztagsschule“ einzurichten, die die Schulen bei organisatorischen Aufgaben unterstützt. Um die außerschulischen Partner bei der Gestaltung des Schulalltags einer rhythmisierten Ganztagsschule noch besser einbeziehen zu können, soll die Kooperation mit ihnen zeitnah evaluiert werden.

Die vorgestellten Leitlinien bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung des Ganztags. Im Mittelpunkt steht für die Kultusministerin dabei die Orientierung an den Bedürfnissen der Eltern: „Es geht mir nicht um eine staatliche Zwangsbeglückung aller Familien. Wir schreiben den Familien nicht vor, wie sie sich zu organisieren haben. Vielmehr wollen wir dem unterschiedlichen Bedarf im Land gerecht werden“, betonte Eisenmann.

Weitere Informationen:
Derzeit besteht bei 1.830 von rund 4.500 öffentlichen allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg ein Ganztagsangebot (40,6 Prozent); damit besuchten insgesamt 22,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2015/16 eine Ganztagsschule. Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, diese Angebote quantitativ und qualitativ auszuweiten.


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