Wolff: "Echo auf die OECD-Lehrerstudie ist deutlich zu kurz gesprungen"

Aus Sicht von Hessens Kultusministerin Karin Wolff ist das Echo auf die jetzt vorgestellte OECD-Lehrerstudie viel zu kurz gesprungen. "Es geht nicht um die Frage, wie alt unsere Lehrkräfte sind. Und es geht auch nicht darum, ob sie besser bezahlt werden als manche Kollegen in anderen Ländern", erklärte Wolff heute in Wiesbaden. Entscheidend für den konstruktiven Umgang mit den gewonnenen Erkenntnissen seien zwei Faktoren: "Erstens muss die Lehrerbildung insgesamt auf den Prüfstand. Zweitens muss dieses Land endlich seine überkommene Vorurteile gegenüber dem Lehrerberuf abschütteln."

27.09.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Wenn es um die Qualitäten und Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer gehe, seien Alter und Gehalt keine brauchbaren Messlatten. "Unser Blick muss sich richten auf die Bedingungen für guten Unterricht. Und die können wir sehr wohl verbessern", sagte Wolff. Den Weg dahin habe Hessen mit der Vorlage des neuen Lehrerbildungsgesetzes skizziert. Die gestrige Anhörung im Landtag habe gezeigt, dass "wir der Lehrerbildung den richtigen Weg weisen und konstruktive Impulse geben", so die Ministerin. "Wir nehmen ab Studienbeginn alle Phasen der Lehrerbildung in den Blick. Gerade für die aktuelle Diskussion ist entscheidend, dass wir damit auch für das Lernen im Beruf etwas tun können, weil wir die Pflicht zur Fortbildung festschreiben."

"Anforderungen verändern sich: Das einmal Erlernte kann nicht ein Berufsleben lang lediglich konserviert werden. Genau hier setzt unser neues Gesetz an, weil wir das lebensbegleitende Lernen zur Grundlage für die Lehrerbildung von morgen machen", sagte die Ministerin. Ein Schwerpunkt der neuen Lehrerbildung sei die Pflicht zur regelmäßigen Fort- und Weiterbildung, die nunmehr an den Erfordernissen der Schule ausgerichtet werde. "Die Schule selbst weiß am besten, in welchem Unterricht eine Auffrischung von Kenntnissen und Fähigkeiten erforderlich ist. Auch für eine erfolgreiche Personalentwicklung ist es zwingend, dass der Schulleiter diese Erfordernisse in Jahresgesprächen aufzeigt und Kolleginnen und Kollegen gezielt zur Fortbildung schicken kann."

Die neue Philosophie der Lehrerbildung greife bereits im Studium: Lehramtskandidaten müssten ihre Vorstellungen vom Beruf möglichst rasch mit der Wirklichkeit abgleichen. Deshalb würden jetzt frühe Praktika verbindlich. "Wir brauchen gute Lehrkräfte, die nicht nur wissen, was und wie sie zu unterrichten haben. Wer eine Klasse voller Kindern vor sich hat, merkt schnell, ob sein Talent über die Theorie hinausgeht", so Wolff. Daher sehe das neue Gesetz drei vier- bis achtwöchige Praktika vor. Von der künftigen Baukasten-Struktur des Lehramtsstudiums verspricht sich die Ministerin eine Stärkung von Fachdidaktik und Erziehungswissenschaften. "Ziel ist, dass unsere Lehrkräfte schon an der Uni möglichst viel über Lernmöglichkeiten und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen erfahren", erklärte Wolff.

Eines freilich könne das neue Lehrerbildungsgesetz nicht regeln, so Wolff. Das Ansehen des Lehrerberufs zu verbessern sei eine gesellschaftliche Aufgabe. "Mit dem Lehrer steht und fällt die Qualität des Unterrichts. Deshalb brauchen wir von jedem Abiturjahrgang die Besten für das Lehramtsstudium. Die kriegen wir aber nur, wenn wir ihnen signalisieren, dass wir ihrer Arbeit eine hohe Wertschätzung entgegen bringen", sagte Wolff.


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