Beispielhafter Einsatz für das kulturelle Erbe im Land
Staatsministerin Silke Lautenschläger, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, hat heute in Dieburg gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen, Dr. Heinz-Georg Sundermann, die Gewinner des Hessischen Denkmalschutzpreises 2008 ausgezeichnet. Die Feierstunde fand in Schloss Fechenbach statt, für dessen Restaurierung die Stadt Dieburg in diesem Jahr mit einer Urkunde ausgezeichnet wurde.
18.07.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstDer von der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen gestiftete und mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis würdigt denkmalpflegerische Leistungen, die über das denkmalschutzrechtlich Gebotene hinausgehen und überregionale Bedeutung beanspruchen können. Durch die Auszeichnung, die in diesem Jahr zum 23. Mal vergeben wurde, sollen Vorbilder für denkmalpflegerische Methodik und Freiwilligkeit einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Fünf Preisträger wurden für ihre außerordentlichen Verdienste mit Urkunden geehrt. Dabei wurden in diesem Jahr erstmals Projekte ausgezeichnet, bei denen das Umnutzungskonzept im Vordergrund stand. Preisträger sind die Bauherrengemeinschaft Sandberghof aus Darmstadt, Ernst-Wilhelm Kalden aus Eschwege, Werner Liebchen aus Frankfurt, die Stadt Dieburg und der Main-Taunus-Kreis.
Für die Sanierung der Schule im Hofheimer Ortsteil Marxheim wurde der Kreisausschuss des Main-Taunus-Kreises geehrt. Die klassizistische Baugestalt des 1854-55 im Zuge der nassauischen Schulreform errichteten Gebäudes hatte zuletzt gelitten. Die Sanierung erfolgte nicht nur unter funktional-technischen Gesichtspunkten, sondern wurde als Chance begriffen, so die Jury, durch das sorgfältige und restauratorisch begleitete Herausarbeiten des historischen Baubestandes eine neue Identifikation mit dem Gebäude zu erreichen. Einbezogen wurde auch die Gestaltung des Schulhofes. Schließlich konnte die Schulnutzung durch die Integration einer angrenzenden Hofreite zweckmäßig ausgedehnt werden.
Mit einer Urkunde wurde auch der Magistrat der Stadt Dieburg für die Sanierung von Schloss Fechenbach ausgezeichnet. Die 2007 beendete Sanierung, so die Jury, habe immer wieder überraschende Befunde geliefert. Archäologische Grabungen im Keller ergaben spannende Aufschlüsse über Vorgängerbauten und Subkonstruktionen der Renaissance, hätten aber auch die Notwendigkeit einer konstruktiven Nachbesserung der Fundamente aufgezeigt. Sorgfältige restauratorische Untersuchungen legten eine Fülle von historischen Raumfassungen frei. Dazu wurden Tapeten großflächig abgelöst, um Befunde in ihrer Gesamtheit zu begutachten. Diese wurden dann sensibel und aufwändig rekonstruiert und führten zu einem einheitlichen überzeugenden Erscheinungsbild der Innenräume. Außerdem wurden alle historischen Fenster erhalten, aufgearbeitet und mit inneren Kastenfenstern versehen. Schloss Fechenbach war auf älteren Keller- und Fundamentresten 1717 errichtet und in der Folgezeit immer wieder umgebaut worden. 1939 hatte es die Stadt Dieburg erworben, die es nach dem Krieg als Museum und für kulturelle Zwecke nutzte.
Werner Liebchen aus Frankfurt wurde für die Sanierung und Umnutzung der Wattertalmühle im Landkreis Waldeck-Frankenberg geehrt. Die Jury lobte das Projekt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und neuer touristischer Erschließungsmöglichkeiten für leer stehende Gebäude als vorbildlich und wegweisend. Werner Liebchen setzte die Mühle mit großem persönlichem Engagement denkmalgerecht instand und realisierte ein neues Nutzungskonzept als Veranstaltungsort für Seminare und Kinderfreizeiten. Inzwischen ist das Mühlenanwesen am oberen Lauf der Watter zu einem kleinen kulturellen Leuchtturm der Region geworden. Die große Hofanlage mit zwei im rechten Winkel zum Bachlauf angeordneten Gebäuden wurde 1717 errichtet, Bauherr war der waldeckische Fürst Anton Ulrich. 1856 wurde das Anwesen vom Fürsten an einen privaten Betreiber verkauft, 1962 war der Mühlenbetrieb eingestellt worden.
Auch Ernst-Wilhelm Kalden aus Eschwege wurde für ein Umnutzungsprojekt geehrt; er hat die historischen Schlagdscheunen in Wanfried in vorbildlicher Weise sanieren lassen und als Saisongaststätte und Ausflugslokal einrichten lassen. Die Lage an einem viel frequentierten Fernradweg, so die Jury, wird dem historischen Gebäudebestand gerecht und macht ein Stück der Tradition des Ortes als Weserendhafen wieder erlebbar. Angeregt durch die Initiative von Ernst-Wilhelm Kalden hat sich mittlerweile ein 70 Mitglieder umfassender Verein gegründet, der sich die Wiederherstellung des Gesamtbildes des historischen Hafens zum Ziel gesetzt hat, zu dem die Schlagdscheunen gehören. Dieser überregional bedeutsame Hafen der Weser-Werra-Schifffahrt ist heute nur noch an der Hafenmauer und zweien von insgesamt fünf ursprünglich vorhandenen Lagergebäuden erkennbar.
Auch die Bauherrengemeinschaft Sandberghof überzeugte die Jury mit einem Sanierungs- und Umnutzungsprojekt. Nach fünfjähriger Planungs- und Bauphase bezogen die fünf älteren Ehepaare das Haus Sandbergweg 4 in Darmstadt Anfang vergangenen Jahres. Jedes Paar verfügt über eine etwa 70m² große Wohnung, gemeinsam genutzt werden eine zusätzliche Küche, ein großer Wohnraum, eine Schreinerwerkstatt, Sauna, Gästetrakt, Hof und Garten. Auf einen Aufzug hat man zugunsten des äußeren Erscheinungsbildes des Hauses verzichtet. Die Jury lobte die Sanierung des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Hofes als modellhaftes Gemeinschaftsprojekt "Wohnen im Alter in einem Denkmal".
Birgitta und Caspar Söling aus Johannisberg erhielten den mit 5.000 Euro dotierten ersten Preis für die vorbildliche Sanierung eines Bürgerhauses in Johannisberg. Die Jury würdigte insbesondere Engagement und Risikobereitschaft der Bauherren, die es möglich machte, ein für Johannisberg bedeutendes Gebäude mit hohem Denkmalwert zu bewahren.
Mit einem jeweils mit 4.000 Euro dotierten zweiten Preis wurden Christina und Johannes Djukic aus Kassel sowie Beate und Gunthram Schenk zu Schweinsberg aus Fronhausen ausgezeichnet. Das Ehepaar Djukic versetzte die gründerzeitliche Henkelsche Villa in Kassel durch eine höchst qualitätvolle Ausstattung wieder weitgehend in den Originalzustand. Das Ehepaar Schenk zu Schweinsberg hat Herrenhaus und Kavaliersbau eines ererbten Fronhofs in Fronhausen behutsam und unter größtmöglicher Wahrung originaler Bausubstanz saniert und damit ein prägendes Kulturdenkmal im Ortszentrum für die Zukunft bewahrt. Volker Hohmann aus Offenbach zeichnete die Jury mit einem mit 2.000 Euro dotierten dritten Preis für die Restaurierung des ´Lili-Tempels´ in Offenbach aus.
Das Land Hessen fördert private, kommunale und kirchliche Eigentümer bei der Restaurierung ihrer Kulturdenkmäler in diesem Jahr aus Lottomitteln mit rund 9,2 Millionen Euro, die im Etat des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen veranschlagt sind.
Preisträger • Hessischer Denkmalschutzpreis 2008
Urkunde und Geldpreis
- Birgitta und Caspar Söling
Pfarrer-Neuroth-Straße 1 • 65366 Johannisberg
5.000,- Euro
für die vorbildliche Sanierung eines Bürgerhauses in Johannisberg - Christina und Johannes Djukic
Kurhausstraße 7 • 34131 Kassel
4.000,- Euro
für die vorbildliche Sanierung der Henkelschen Villa in Kassel - Beate und Gunthram Schenk zu Schweinsberg
Rathausstraße 7 • 35112 Fronhausen
4.000,- Euro
für die vorbildliche Sanierung von Herrenhaus und Kavaliersbau in Fronhausen - Volker Hohmann
Herrnstr. 100 • 63065 Offenbach
2.000,- Euro
für die vorbildliche Sanierung des Lilli-Tempels in Offenbach
Anerkennung und Urkunde
- Stadt Dieburg
Markt 4 • 64807 Dieburg
für die vorbildliche Sanierung von Schloss Fechenbach - Kreisausschuss des Main-Taunus-Kreises
Am Kreishaus 1 • 65719 Hofheim
für die vorbildliche Sanierung der Grundschule Hofheim-Marxheim - Bauherrengemeinschaft Sandberghof
Sandbergstraße 4 • 64289 Darmstadt
für die gelungene Sanierung und Umnutzung des Sandberghofs in Darmstadt - Ernst-Wilhelm Kalden
Jakob-Spangenberg-Straße 8 • 37269 Eschwege
für die vorbildliche Sanierung und Umnutzung der Schlagdscheunen in Wanfried - Werner Liebchen
Am Leinritt 2 • 60386 Frankfurt
für die vorbildliche Sanierung und Umnutzung der Unteren Mühle im Wattertal (Lkr. Waldeck-Frankenberg)
Fotos und nähere Informationen zu den einzelnen ausgezeichneten Projekten finden Sie auf unserer Homepage unter www.hmwk.hessen.de.
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