Das Ölschiefergebäude macht die Faszination der Fossilien erlebbar

"Das neue Besucher- und Informationszentrum setzt optisch einen markanten architektonischen Akzent und macht neugierig auf das Innere, das die Faszination der Grube Messel und ihrer Fossilien auf unvergessliche Weise erlebbar machen wird. Die gerade in den vergangenen Jahren nachhaltig gestiegenen Besucherzahlen dokumentieren das große Interesse an dieser einzigartigen Fossilienfundstelle. Ich freue mich daher sehr, dass wir die Besucher in dem neuen Zentrum bald angemessen empfangen und informieren können." Das hat Staatsministerin Silke Lautenschläger anlässlich der Grundsteinlegung für den Neubau des Besucher- und Informationszentrums "Zeit und Messel Welten" gesagt. Fertigstellung und Eröffnung des Gebäudes sind für Frühjahr 2010 vorgesehen.

17.12.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Allein in den vergangenen fünf Jahren hatten knapp 85.000 Menschen an den angebotenen Führungen teilgenommen; über 370.000 Besucher haben bislang von der 1997 errichteten Aussichtsplattform aus einen Blick in die Grube Messel geworfen.

Das rund fünf Millionen Euro teure Objekt mit einer Nutzfläche von 870 Quadratmetern wird nach Plänen des Architekturbüros Landau + Kindelbacher und der Landschaftsarchitekten Keller (beide München) durch das betreuende Hessische Baumanagement realisiert. Die architektonische Entwurfsidee für das Gebäude ist von der Schichtung des Ölschiefers abgeleitet: Die Besucher durchwandern im Gebäude ´aufgestellte Erdschichten´ in einem einmaligen, für Messel konzipierten Raumgefüge, das keine Analogie zu herkömmlichen Gebäuden aufkommen lässt. Eine Aussichtsplattform auf dem Dach wird einen Panoramablick auf die Umgebung ermöglichen.

Der Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg, Alfred Jakoubek, wies auf die Bedeutung der Grube Messel als touristische Sehenswürdigkeit hin: "Wir versprechen uns eine deutliche Aufwertung und Steigerung der Attraktivität dieser ebenso faszinierenden wie aufschlussreichen Fundstelle." Der Bürgermeister von Messel, Udo Henke, zeigte sich überzeugt, dass das Besucherzentrum gerade auch als nördliches ´Eingangstor´ des Globalen Geoparks Bergstaße-Odenwald künftig eine wichtige Rolle spielen werde. Das unterstrich Dr. Marie-Luise Frey, Geschäftsführerin des künftigen Betreibers des Besucherzentrums, der Welterbe Grube Messel gGmbH. Das neue Zentrum werde durch seine besondere Ausstrahlung und die vielfältigen geotouristischen Angebote eine zentrale Position im Wissenstransfer der UNESCO-Weltnaturerbestätten und der Geo- und Naturwissenschaften zur breiten Öffentlichkeit einnehmen: "Südhessen soll damit zum Vorreiter und Zugpferd in der nationalen und europaweiten Kooperation und touristischen Vermarktung von Welterbestätten mit Geoparks werden."

Mit der Planung der Ausstellungsgestaltung ist das Büro Holzer Kobler Architekturen (Zürich) beauftragt. Dafür sind weitere zwei Millionen Euro an Investitionen vorgesehen. Die Szenografie wird Informationen zur Grube Messel auf unterhaltsame Art vermitteln und die wertvollen Fossilienfunde atmosphärisch erlebbar machen, ohne auf fundierte Fakten und wissenschaftliche Hintergründe zu verzichten. So werden virtuelle "Blicke in die Tiefe" eine Reise in die faszinierende Dimension der Welt der Gesteine der Grube Messel und ihrer wissenschaftlichen Erkundung ermöglichen.

Im Dschungel tauchen die Besucher in eine sinnliche, schillernde Welt ein, die durch eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren medial belebt wird. Die Raumstruktur spiegelt dabei die Architektur wider. In den Außenanlagen sind unterschiedliche Themengärten geplant. Maarvulkanismus/Bohrung, Regenwald und Klima, Evolution und Bio-/Geodiversität sowie ursprüngliche Pflanzenfamilien und ein Welten- und Expeditionsgarten sollen hier thematisiert beziehungsweise angelegt werden.

Die Grube Messel ist am 9. Dezember 1995 von der UNESCO als Fossilienfundstätte in die Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen worden. Damit wurde die außerordentliche Bedeutung des bisher einzigen Weltnaturerbes in Deutschland gewürdigt. Keine andere tertiäre Fossilienfundstätte der Erde hat eine derart vielfältige und fantastisch erhaltene Säugetierfauna in so großer Zahl geliefert. Die Skelette aus dem Eozän – der Zeit vor rund 45 Millionen Jahren – sind häufig vollständig erhalten; oftmals sind sogar Haut und Haare überliefert und gelegentlich sogar die Inhalte von Magen- und Verdauungstrakt.

Hinweis für die Redaktionen: Eine Abbildung des neuen Besucherzentrums ist unter "Grube Messel" abrufbar. Bildnachweis: HMWK / Simulation: Landau + Kindelbacher.


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