Die Sieger des Wettbewerbs "Der schönste erste Satz" stehen fest

Eben dieser Satz ging in der Kategorie "Erwachsene" als Sieger des Wettbewerbs "Der schönste erste Satz" hervor, den die Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen durchgeführt haben. Bei den Einsendungen seitens der Kinder und Jugendlichen überzeugte der Einstieg von Janoschs "Lari Fari Mogelzahn". In der Kategorie "Schüler" trug Paul Maars "Neue Punkte für das Sams" den Sieg davon. Ausschlaggebend für die Preisvergabe, über die eine fünfköpfige Jury zu befinden hatte, war die Begründung für die Wahl des schönsten ersten Satzes.

07.11.2007 Pressemeldung Hueber Verlag GmbH & Co. KG
  • © Stiftung Lesen/Anna Meuer

Die Preisträger wurden gestern im Rahmen einer literarisch-musikalischen Gala in der Frankfurter Alten Oper geehrt. Durch die Abendveranstaltung führte Marietta Slomka. Im Beisein von Professorin Dr. Jutta Limbach, dem Kabarettisten Lars Reichow, dem Rap-Poeten Bas Böttcher und den Schriftstellern Thomas Brussig und Silke Scheuermann wurde in Frankfurt auch die Anthologie "Der schönste erste Satz" präsentiert, die der Hueber Verlag in diesen Tagen ausliefert. Mit der Veröffentlichung setzt der Verlag seine erfolgreiche Geschenkbuchreihe fort ("Das schönste deutsche Wort", "Ausgewanderte Wörter").

Siegersätze des Wettbewerbs "Der schönste erste Satz":

1. Platz in der Kategorie Erwachsene:

Ilsebill salzte nach.
Günter Grass
Der Butt

Ein Satz mit nur drei Wörtern? Auf deutsch? Und spannungsverheißend? Keine leichte Aufgabe. Aber Günter Grass hat sie in meinen Augen bewältigt und mir persönlich mit dem Butt nicht nur eines meiner Lieblingsbücher, sondern auch einen genialen ersten Satz beschert.

Ilsebill…

komischer Name. Eine echte Ilsebill ist mir in meinem bisherigen Leben noch nie über den Weg gelaufen, aber da gibt es doch dieses Märchen vom Fischer und seiner Frau, eben jener Ilsebill. "Myne Frau, de Ilsebill, will nich so, as ik wol will." Ist diese neue Ilsebill auch so eine? Eine, die meckert und nörgelt und ihrem Mann das Leben zur Hölle macht? Mal sehen…

Ilsebill salzte…

Sie salzt! Es geht ums Essen! Fantastisch! So etwas liest man in der Weltliteratur viel zu selten. Oft genügt ein Nebensatz, in dem beschrieben wird, was es zum Mittagessen gibt. Es muss ja nicht gleich eine Orgie sein. Aber die Figuren leben doch auch, indem sie sich ernähren. Eine Geschichte ohne jedwede Nahrungsaufnahme ist mir suspekt. Und noch viel schöner als die Beschreibung des Essvorgangs ist jener des Kochens selbst. Wenn Ilsebill salzt, wissen wir zwar nicht, ob sie kocht oder schon beim Essen ist, ob sie das Essen selbst gekocht oder serviert bekommen hat. Aber wir sind in einer kulinarischen Welt. Doch herrje! In keiner heilen Welt, denn:

Ilsebill salzte nach.

Etwas stimmt nicht, hat zu wenig Würze, ist ohne Pep. Hat sie es gekocht und schmeckt es nur ab? Oder ist sie wirklich eine tyrannische Ilsebill, die gerade unbarmherzig die Hoffnungen ihres ehemännlichen Kochs zerstört, indem sie sein Süppchen, Hühnchen oder Fischchen (ist es gar ein Butt?) als nicht genügend abtut – mit einer einfachen, aber so erniedrigenden Geste: Ilsebill salzte nach. Wird es Krieg geben? Oder doch nur einen zufriedenen Rülpser am Ende? Ich weiß es und bin Herrn Grass ewig dankbar dafür. Für einen ersten Satz, der in der Folge eine Weltgeschichte aufbaut – gespickt mit Historie und Fiktion, tollen Frauengestalten, Ironie en masse und viel viel Essen. Mahlzeit.

Gewinner: Lukas Mayrhofer, Wien, Österreich

1. Platz in der Kategorie Kinder und Jugendliche:

In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Gleisenagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste.
Janosch
Lari Fari Mogelzahn

Dieser Satz ist witzig wegen der zwei lustigen Wörter "Mottengasse" und "Herr Gleisenagel", und die geheimnisvolle Kiste macht neugierig.

Gewinner: Lorenz Glück, Augsburg, 8 Jahre

1. Platz in der Kategorie Schüler:

Es war Mitternacht und Herr Taschenbier saß auf dem Dach von Frau Rotkohls Haus. Paul Maar
Neue Punkte für das Sams

Ich finde diesen Satz so schön, weil, wer klettert schon freiwillig auf ein Dach? Im ersten Moment könnte man meinen, der Herr Taschenbier wäre ein Dachdecker oder so. Aber wenn man mal bedenkt, um Mitternacht arbeitet auch kein Dachdecker mehr. Aber wer dieses Buch gelesen hat, der weiß, dass Herr Taschenbier bei Vollmond auf dem Dach sitzen und gatsmas (Samstag) sagen muss. Wenn er dieses macht, bekommt das Sams, ein Wesen mit roten Haaren, Rüsselnase und blauen Punkten im Gesicht, neue Wunschpunkte. Doch dabei treten noch einige Konflikte auf. Im zweiten Satz steht nämlich auch: Er klammerte sich am Kamin fest, zitterte vor Aufregung und Furcht, hielt den Kopf starr geradeaus gerichtet und bemühte sich, nicht nach unten zu gucken, in die Tiefe. Aber der weitere Inhalt und der zweite Satz sind ja eigentlich auch nicht so wichtig, denn es dreht sich ja um den ersten Satz. Meiner Meinung nach ist dieser erste Satz nicht nur besonders schön, sondern auch witzig und bringt den Leser dazu, das Buch auszulesen.

Gewinnerin: Rebecca Bein, Nettetal, 7. Klasse

Ansprechpartner

Hueber Verlag GmbH & Co. KG
Bettina Henkelmann
Baubergerstraße 30
80992 München
Telefon: +49 0 89 96 02 6262
E-Mail: henkelmann@hueber.de
Web: www.hueber.de


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