"Ein wichtiger Zeitzeuge, dessen Stimme großes Gewicht hat"
Für seine umfangreiche Forschungs- und Lehrtätigkeit zur Geschichte des europäischen Judentums und zum jüdischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime ist der Historiker und Schriftsteller Dr. h.c. Arno Lustiger mit der Ehrenprofessur des Landes ausgezeichnet worden. Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, hob bei der Verleihung der Ehrung im Kaisersaal des Frankfurter Römers hervor, dass Arno Lustiger zahlreiche grundlegende Studien zum jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus vorgelegt und viele Forschungen, Neuentdeckungen und Übersetzungen angeregt habe. "Damit hat er sich in hervorragender Weise um die Wissenschaft verdient gemacht." Über diese Publikations- und Vortragstätigkeit hinaus berichte er seit Jahren als Zeitzeuge vor allem jungen Menschen über sein Überlebensschicksal. Der Wissenschaftsminister erinnerte auch daran, dass Lustiger zu den Mitbegründern der jüdischen Gemeinde in Frankfurt nach 1945 gehörte. "Arno Lustiger ist ein wichtiger Zeitzeuge, dessen Stimme großes Gewicht hat", sagte er.
21.06.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst1924 im polnischen Bedzin geboren, überlebte Arno Lustiger vier Konzentrationslager. Auf einem Todesmarsch im April 1945 gelang ihm die Flucht; das Kriegsende erlebte er als Dolmetscher der US-Army. In Frankfurt baute er ein erfolgreiches Textilunternehmen für Damenmode auf. Seit den achtziger Jahren forscht und lehrt er zur Geschichte der europäischen Juden, besonders zum jüdischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem das Standardwerk "Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945" (Köln 1994), das die ganze politische Breite und Vielfalt des jüdischen Engagements im Widerstand gegen Hitler auffächert und das "Rotbuch. Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden" (Berlin 1998), in dem von der widersprüchlichen Haltung Stalins gegenüber den jüdischen Partisanen und vom stalinistischen Antisemitismus berichtet wird. Übersetzungen seiner Werke erschienen in den USA, in Polen, Frankreich, Spanien und in Russland. Er lehrte unter anderem am Fritz-Bauer-Institut an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2004 verlieh ihm die Universität Potsdam die Ehrendoktorwürde.
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