Minister Tesch: Erster Theatervertrag für Ende März angestrebt

Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Henry Tesch, hat heute das Kabinett über den Stand der Umsetzung des Diskussions- und Eckpunktepapiers der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Theater und Orchesterstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern unterrichtet.

27.01.2009 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Dabei machte er deutlich, dass es bereits erfolgversprechende Entwicklungen insbesondere in der östlichen Theaterregion des Landes gebe. So entwickelten die Hauptgesellschafter der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz auf der Grundlage des Eckpunkte– und Diskussionspapiers der Landesregierung derzeit ein Holdingkonzept, in dessen Strukturen auch die Deutsche Tanzkompanie und die Vorpommernsche Landesbühne Anklam eingebunden werden sollen. Kultusministerium und die Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz haben sich darauf geeinigt, bis zum 31. März 2009 einen unterschriftsreifen Theatervertrag vorzulegen, der u. a. auch die Grundlage für die Finanzierung der Holding bilden soll.

Kultusminister Henry Tesch sagte: "Die Umsetzung des Theater- und Orchesterkonzeptes des Landes nimmt Fahrt auf. Wir werden die Gespräche mit den anderen Theater tragenden Kommunen in den nächsten Wochen intensivieren, um sie bei ihrer strukturellen Neuorientierung zu begleiten und zu unterstützen."

Seit Oktober 2008 führt das Kultusministerium intensive Gespräche mit den Oberbürgermeistern, Landräten, Bürgermeistern, Kultursenatoren und Kulturdezernenten der Theater- und Orchester tragenden Kommunen in Form von Anhörungen.

Minister Tesch: "In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Theater- und Orchesterkonzeption des Landes von den Theaterträgern als wichtige Grundlage für die weitere Gestaltung der Theater- und Orchesterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern gewertet wird.

Überall im Land laufen Gespräche zur Auslotung von Kooperationsmöglichkeiten. Jetzt kommt es darauf an, zügig tragfähige Strukturen zu finden."

Die Ergebnisse der Theatergespräche sowie die verbindlichen Mitteilungen der Theater und Orchester tragenden Kommunen zu den künftigen Strukturen und Kooperationsbeziehungen werden in einer interministeriellen Arbeitsgruppe (Staatskanzlei, Innenministerium, Finanzministerium und Kultusministerium) erörtert.

Ziel ist es, noch in diesem Jahr 2009 abgestimmte Festlegungen insbesondere zur Erarbeitung des neuen FAG-Theatererlasses und zur Vorbereitung der Theaterverträge für die Entwicklung der Theater- und Orchesterstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern von 2010 bis 2020 zu treffen.

Hintergrund

zum Eckpunkte- und Diskussionspapier der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterstrukturen bis 2020/ Ausgangssituation entsprechend des Kabinettsbeschlusses von August 2008.

Für die Erarbeitung des Diskussions- und Eckpunkte-Papiers war Folgendes zu berücksichtigen:

  • Die Einwohnerzahlen im Land gehen weiter zurück und damit auch die Mittel aus dem länderübergreifenden Finanzausgleich, der derzeit rund 2 400 Euro pro Jahr je Einwohner ausmacht.

  • Die Leistungen aus dem Solidarpakt II werden bis 2020 auf Null abgesenkt – schon ab 2009 werden dem Land jährlich 80 Millionen Euro an Sonderbedarfszuweisungen weniger zur Verfügung stehen.

  • Mehr als die Hälfte der Ausgaben für die Kulturförderung des Landes (53 Prozent) werden für die Finanzierung der Theater und Orchester in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt. Damit sind die internen Möglichkeiten für andere Finanzierungsmodelle des Landes ausgeschöpft.

Trotzdem verpflichtet sich das Land, seinen Beitrag zur Förderung der Theater- und Orchesterlandschaft bis 2020 stabil bei 35,8 Millionen Euro jährlich zu halten. und macht damit deutlich, welche Bedeutung den Theatern und Orchestern beigemessen wird.

Die Landesregierung sieht die Lösung dieser Aufgaben in der Bündelung und Vernetzung von Strukturen von 2010 bis zum Jahr 2020 in zwei Stufen:

1. Stufe: regionale Vernetzungen von 2010 bis 2012

Dabei wird das Vier-Standorte-Modell weiterhin als Grundlage der Planungen angesehen, wobei folgende Veränderungen angestrebt werden:

  • Gewährleistung der Bespielung des Standortes Parchim durch die Mecklenburgische Staatstheater Schwerin gGmbH

  • Verstärkung der Zusammenarbeit der Vorpommerschen Landesbühne Anklam GmbH mit der Theater Vorpommern GmbH (Stralsund, Greifswald, Putbus) oder im Hinblick auf die räumliche Nähe und historische Verbundenheit alternativ mit der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg-Neustrelitz.

  • Zusammenlegung der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz mit der Deutschen Tanzkompanie bei gleichzeitiger teilweiser Weiterführung des eigenständigen künstlerischen Konzeptes der Tanzkompanie in geeigneter Rechtsform

  • Einbeziehung der Gastspielbühne Ernst-Barlach-Theater Güstrow und Theater Wismar nach dem Modell "Theater Vorpommern" als regionale Spielstätten je nach Verhandlungslage (z.B. Güstrow zu Neubrandenburg/Neustrelitz alternativ zu Rostock/Wismar zu Schwerin bzw. zu Rostock)

  • Die Einsparten- und Bespieltheater Parchim, Anklam, Tanzkompanie, Wismar und Güstrow erhalten bereits in der ersten Stufe 2010 keine gesonderten Mittel über das FAG.

2. Stufe: überregionale Vernetzungen und Bildung von zwei Kulturkooperationsräumen ab 2012

  • Errichtung eines Kulturkooperationsraumes mit der Mecklenburgische Staatstheater Schwerin gGmbH und dem Volkstheater Rostock sowie mit den Theatern Parchim und Wismar sowie ggf. Güstrow unter einer einheitlichen Intendanz. Eine Fusion der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock zu einem A-Orchester ist vorzusehen.

  • Errichtung eines Kulturkooperationsraumes mit der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz, der Theater Vorpommern GmbH, der Vorpommerschen Landesbühne Anklam GmbH, der Deutschen Tanzkompanie Neustrelitz und ggf. dem Ernst-Barlach-Theater Güstrow unter einer einheitlichen Intendanz. Eine Fusion der Neubrandenburger Philharmonie mit dem Philharmonischen Orchester Vorpommern zu einem B-Orchester ist vorzusehen.

Die Finanzzuweisung des Landes an die Theater tragenden Kommunen der Kooperationsräume sollen auf dem bisherigen Niveau und wie bisher im Rahmen des FAG ausgereicht werden, da sich das Verfahren im Grundsatz bewährt hat und die notwendige Planungssicherheit gegeben werden kann.

Aber Theater und Orchester sind nicht nur für Mecklenburg-Vorpommern als Bundesland, sondern in erster Linie für die Theater tragenden Kommunen und ihre Region von großer Bedeutung. Deshalb ist es unabdingbar, dass sich die Theater tragenden Kommunen weiter angemessen an der Finanzierung ihrer Einrichtung beteiligen, mindestens in Höhe von 50 Prozent der jeweiligen Landesanteile.

Die Theater und Orchester befinden sich ausnahmslos in kommunaler Verantwortung bzw. Trägerschaft. Das Land ist derzeit in keinem Fall an der Trägerschaft beteiligt und hat somit keine direkte Entscheidungskompetenz für strukturelle Veränderungen.

Ziel ist es, im Jahr 2009 ein abgestimmtes Konzept über die Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterstrukturen in Mecklenburg Vorpommern von 2010 bis 2020 vorlegen zu können.


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