Schätze Hessens durch eine preußische Kamera betrachtet
Rund 70 historische Dokumentaraufnahmen herausragender hessischer Denkmäler vereint der Band „Hessische Baukunst in alten Fotografien“. Sie entstanden zwischen 1883 und 1911 durch die Königlich Preußische Messbildanstalt in Berlin und sind jetzt in der Reihe „Arbeitshefte des Landesamts für Denkmalpflege Hessen“ publiziert. Die ausführlich kommentierten Aufnahmen werden ergänzt durch Beiträge zur Entwicklung der Photogrammetrie und zum Verhältnis von Denkmäler-Archiv und Inventarisationsbestrebungen in Hessen. Sie sind gegliedert in die Abschnitte Römerzeit (Saalburg), Kirchen und Klöster, Wehrbauten und Adelssitze, Barockschlösser, Stadt und Land, der Untergang Kassels (1943), der Untergang Frankfurts (1944) und Rathäuser in Hessen.
29.11.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst„Der Blick durch die preußische Kamera auf Hessen vor mehr als hundert Jahren bietet uns heute gleichermaßen eine Chronik des Verlustes und der Zerstörung wie eine Geschichte der hessischen Denkmalpflege – und er fordert uns zur weiteren, nachhaltigen Bewahrung des historischen Erbes unseres Landes auf“, sagte der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, der den knapp 200 Seiten umfassenden Band heute gemeinsam mit dem Landeskonservator Prof. Dr. Gerd Weiß präsentierte.
Der Gedanke zur Gebäudevermessung mit Hilfe der Fotografie entstand in Wetzlar: Dort sollte der 1834 geborene Albrecht Meydenbauer nach seinem Studium an der Bauakademie Berlin im Auftrag des ersten preußischen Konservators Ferdinand von Quast 1858 den Dom vermessen. Ein beinahe tödlicher Unfall während dieser Arbeiten führte zu der Frage, ob das Messen von Hand nicht mittels der Fotografie vereinfacht werden könnte. Meydenbauer entwickelte in der Folge fotografische Apparate und ein Photogrammetrie genanntes Verfahren, mit deren Hilfe Fotografien grafisch in Formen von vermaßten Zeichnungen umgesetzt werden konnten. Der Durchbruch in der Anerkennung dieses Verfahrens gelang ihm mit der Aufnahme der Marburger Elisabethkirche, die er 1883 als Marburger Bauinspektor und Universitätsarchitekt aufnahm. Der Erfolg führte dazu, dass das Preußische Abgeordnetenhaus schließlich Mittel zur Gründung der Königlich Preußischen Messbildanstalt bewilligte. Sie erhielt ihren Sitz in der Bauakademie.
Ihre Fotografien wurden bis 1990 im Institut für Denkmalpflege im damaligen Ost-Berlin verwahrt und befinden sich seither in der Obhut des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege. Prof. Weiß nannte die Aufnahmen „enorme Schätze für die deutsche Fotografiegeschichte und Denkmalpflege“ und fügte hinzu, diese „zweidimensionalen Denkmäler“ seien nicht zuletzt auch für die Arbeit des Landesamts von größter Bedeutung.
Erstmals gezeigt wurden die hessischen Aufnahmen in 40 x 40 cm großen Originalabzügen der alten Glasplatten vor zwei Jahren in der Hessischen Landesvertretung in Berlin, ergänzt durch Archivmaterial aus dem Nachlass von Albrecht Meydenbauer. Gemäß der Konzeption dieser Schau als Wanderausstellung, ist der Band „Hessische Baukunst in alten Fotografien“ nun als Katalog mit Legenden, Erläuterungen und Fachbeiträgen gestaltet worden.
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