Vielschichtiges Vorbild Ölschiefer

Der Entwurf für den Neubau des Besucher- und Informationszentrums Grube Messel nimmt architektonisch das Thema Ölschiefer auf und spiegelt es durch einen gleichsam schichtigen Aufbau wider. Das außen wie innen außergewöhnliche Gebäude hat eine Nutzfläche von 870 Quadratmetern; die Kosten sind mit 4,99 Millionen Euro veranschlagt. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2008 vorgesehen; im Frühjahr 2009 soll das Gebäude fertig gestellt sein, anschließend folgt der Innenausbau. Diese Daten nannten der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz, der Bürgermeister von Messel, Udo Henke, und der Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg, Alfred Jakoubek, heute bei der Vorstellung des Entwurfs einschließlich der landschaftsarchitektonischen Gestaltung und der vorläufigen Planungen zur Ausgestaltung der Präsentationsräume (Szenographie) im Rathaus Messel.

31.08.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

"Dieser Entwurf ist der Präsentation von Deutschlands einzigem Weltnaturerbe angemessen. Das Besucher- und Informationszentrum wird die Faszination Messel vermitteln – baulich und präsentationstechnisch," sagte Staatssekretär Prof. Lorz. "Die Fossilien werden ihre eigene Geschichte erzählen und es wird für Besucher deutlich, dass Forschen und Bewahren nicht nur wichtig, sondern auch spannend und aufregend sind." Bürgermeister Henke machte deutlich, dass sich Messel von dem Besucherzentrum eine deutliche Steigerung seiner touristischen Attraktivität verspreche. Auch Landrat Jakoubek hob die Aufwertung als touristisches Ziel hervor: "Dieses lang ersehnte, lang geforderte Besucherzentrum wird den Erwartungen der zahlreichen interessierten Besucher gerecht. Mit dem Museum in Messel können die Informationsbedürfnisse ebenso umfassend wie attraktiv ´vor Ort´ erfüllt werden. Das gastronomische Angebot wird die Grube Messel überdies zu einem Treffpunkt der Region machen. Ich bin überzeugt davon, dass das neue Besucherzentrum eine nachhaltig positive Wirkung auf die Attraktivität der Region entfaltet und Gäste aus der ganzen Welt nach Messel lockt."

Dr. Marie-Luise Frey, Geschäftsführerin des künftigen Betreibers des Besucherzentrums, der Welterbe Grube Messel gGmbH, zeigte sich überzeugt davon, dass das Besucher- und Informationszentrum (BIZ) "Zeit und Messel Welten" durch seine besondere Ausstrahlung und die geotouristischen Angebote eine Leuchtturmfunktion für den Wissenstransfer der UNESCO-Weltnaturerbe¬stätten sowie die Geo- und Naturwissenschaften zur Öffentlichkeit haben werde: "Südhessen soll zum Vorreiter des deutschland- und europaweiten Geotourismus werden."

Der Entwurf des Münchener Architekturbüros Landau + Kindelbacher war bei dem Architekturwettbewerb im Frühjahr 2006 mit dem zweiten Preis ausgezeichnet worden. Aus wirtschaftlichen Gründen hatte man sich gegen eine Realisierung des Siegerentwurfs des Wettbewerbs entschieden.

Gestalterische Leitlinie für den Entwurf von Landau + Kindelbacher ist die schichtige Struktur des Ölschiefers. Der Besucher durchwandert diese Schichten gleichsam und bewegt sich auch innerhalb des Hauses in einem Raumgefüge, das wenig Ähnlichkeit mit herkömmlichen Gebäuden aufweist. Eine Aussichtsplattform zur Grube hin setzt einen markanten Akzent und bietet einen hervorragenden Ausblick über die einmalige Fossilienfundstelle. Bei ihrem Rundgang durch das Gebäude bewegen sich Besucher durch Räume, die Themen wie Evolution, Vulkanismus, den Bohrkernen, der Forschungsbohrung 2001, dem UNESCO-Welterbe und der Industriegeschichte oder der Schaupräparation gewidmet sind. Ziel der Ausstellungsmacher Büro Holzer Kobler (Zürich) ist es, Informationen zur Grube und den wertvollen Fossilienfunden unterhaltsam zu vermitteln und atmosphärisch erlebbar zu machen, ohne dabei auf fundierte Fakten und Hintergründe zu verzichten. Das Ausstellungskonzept fügt sich in die räumliche Struktur ein und sieht zum Teil raumhohe Einbauten vor. Beginn und Ende des Rundgangs ist im Foyer mit Shop und Bistro; von dort aus ist auch ein kombinierter Kino- und Veranstaltungsraum zugänglich.

Die Gestalttypologie des Gebäudes setzt sich in den durch das Büro Keller Landschaftsarchitekten (München) konzipierten Außenanlagen fort. Hier sind unterschiedliche Themengärten geplant wie zum Beispiel Maarvulkanismus/Bohrung, Regenwald und Klima, Evolution und Bio-/Geodiversität. Darüber hinaus werden ursprüngliche Pflanzenfamilien und Welten- und Expeditionsgärten angelegt.

Die Grube Messel ist am 9. Dezember 1995 von der UNESCO als Fossilienfundstätte in die Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen worden. Damit wurde die außerordentliche Bedeutung des bislang einzigen Weltnaturerbes in Deutschland gewürdigt. Keine andere tertiäre Fossilienfundstätte der Erde hat eine derart vielfältige und fantastisch erhaltene Säugetierfauna in so großer Zahl geliefert. Die Skelette aus dem Eozän, der Zeit vor rund 45 Millionen Jahren, sind häufig vollständig erhalten; oftmals sind sogar Haut und Haare überliefert und gelegentlich auch die Inhalte von Magen- und Verdauungstrakt.

Hinweis für die Redaktion: Eine Abbildung des neuen Besucherzentrums ist unter www.hmwk.hessen.de / "Welterbe in Hessen" / "Grube Messel" abrufbar. Bildnachweis: HMWK / Simulation: Landau + Kindelbacher


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