Welterbe-Experten für Besucherzentrum am Herkules-Parkplatz
Der zweite Workshop von Welterbe-Experten in Kassel ist mit zwei maßgeblichen Entscheidungen in Hinblick auf das Projekt "Museumslandschaft Kassel" beendet worden.
03.09.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstDie Experten bestätigten den Entwurf des Büros Staab in Berlin für eine neue Eingangssituation am Ballhaus, der im Rahmen eines Architekturwettbewerbs den ersten Preis erhalten hatte. Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, begrüßte die Entscheidung ausdrücklich: "Mit dem Büro Staab haben wir versierte Fachleute für diese Aufgabe, mit denen wir schon in Bezug auf die Neue Galerie und das Besucherzentrum am Herkules erfolgreich zusammenarbeiten." Der Entwurf sieht einen unterirdischen Zugang mit jeweils einem Eingang auf dem Plateau und einem Eingang an der Hangkante vor. Vom Preisgericht wie auch von den Welterbe-Experten wurde die Zurückhaltung des Entwurfs gelobt. Gleichwohl ließen die Experten keinen Zweifel daran, dass der Entwurf überarbeitet werden müsse. Vor allem die Frage der Wegeführung und der Notwendigkeit von zwei Eingängen soll kritisch überprüft werden.
Den zweiten Preis erhielt der Entwurf des Büros Sichau und Walter aus Fulda, ein dritter Preis ging an das Büro HG Merz in Stuttgart. Der Architekturwettbewerb ging zurück auf eine Anregung aus dem ersten Welterbeworkshop im Januar des Jahres. Aufgabe war, eine Eingangssituation für das Ballhaus zu schaffen, die eine konstante Klimatisierung des empfindlichen, historischen Gebäudes gewährleistet und zugleich die notwendige Infrastruktur für die Nutzung dieses schönsten Veranstaltungsraums in Kassel bietet. Zu dem Wettbewerb eingeladen waren elf Büros aus Deutschland, Österreich und Japan. Zehn Entwürfe wurden eingereicht.
Auch zum Standort des geplanten Besucherzentrums am Herkules ist eine Entscheidung gefallen. Der Neubau soll im Bereich des Parkplatzes am Herkules entstehen. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, mit der das Berliner Architekturbüro Staab neben diesem nun ausgewählten Standort alternativ auch das Aufseherhaus und das vorhandene Restaurant untersucht hat. Die Studie war in Auftrag gegeben worden, nachdem der prämierte erste Entwurf von Staab im Januar als nicht welterbeverträglich verworfen worden war. "Wir sind glücklich, nun Planungssicherheit zu haben", sagte Dr. Michael Eissenhauer, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel. "Die Verbesserung des Besucherservices ist eines der vordringlichsten Ziele des Projekts Museumslandschaft Kassel", hob auch Minister Corts hervor. Das Besucherzentrum soll Informationen, Shop, Erfrischungen und Toiletten bieten. Seine Größe wurde jedoch gegenüber dem ersten Entwurf deutlich reduziert.
Thema des Workshops war außerdem eine Baumassenstudie des Architekturbüros Kühn von Kaehne und Lange zur Bebauung des Schlossareals im Bereich des Schlosshotels. Sie war von der Stadt Kassel in Auftrag gegeben worden. Bürgermeister Thomas-Erik Junge betonte, dass die Baumassenstudie klare Aussagen zu möglichen Bauvorhaben treffe. Ein Umbau oder eine Erweiterung des Schlosshotels wird demnach abgelehnt. Die Welterbe-Experten bestätigten, dass ein Neubau denkbar sei, dessen Quadratmeterzahl nicht über 8.900 liegen sollte und der klare Vorgaben bezüglich der Gestaltung und der Einfügung ins Ensemble einhalten muss.
Als Ergebnis eines ebenfalls im Auftrag der Stadt Kassel erstellten Gutachtens des Verkehrsplaners Dr. Reinhold Baier, BSV, Aachen, zur Verkehrserschließung des Bergparks soll ein Teil der Tulpenallee künftig gestalterisch an eine Landschaftsstraße angepasst werden.
Im Hinblick auf weitere Bauvorhaben im Bergpark wurde sowohl über den Neubau eines Depots im Marstall-Areal als auch über die Errichtung eines Betriebshofs diskutiert. "Die Welterbe-Experten haben keine Bedenken gegenüber dem geplanten Depotbau hinter der Remise", sagte Prof. Dr. Gerd Weiß, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege und Landeskoordinator für die Welterbeanmeldungen, unter dessen Leitung der Welterbeworkshop stand. Der Standort des für die Gärtner des Bergparks Wilhelmshöhe notwendigen Betriebshofs soll durch eine Studie, die drei verschiedene Orte untersuchen wird, gefunden werden.
Teilnehmer des zweiten Expertenworkshops zur Anmeldung der "Landgräflichen Gärten in und um Kassel" zum UNESCO-Welterbe waren neben anderen Prof. Dr. Michael Petzet, Präsident von ICOMOS International; Giulio Marano, Sprecher der Monitoring-Gruppe von ICOMOS; Dr. Eva-Maria Höhle, Generalkonservatorin beim Bundesdenkmalamt Wien, Prof. Dr. Bernhard Furrer, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege in der Schweiz; Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, Präsident der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg; Hellmut Seemann, Präsident der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlung; Maren Brechmacher-Ihnen, Bürger für das Welterbe e.V; Vertreter der Stadt Kassel, des Landkreises, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der Museumslandschaft Hessen Kassel sowie weitere Experten. Der dritte Welterbeworkshop ist für Februar 2008 geplant.
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