"Wichtiger Beitrag zur Rettung eines einzigartigen kulturellen Erbes"
Sie haben in der Stunde der Not solidarisch gehandelt und einen wichtigen Beitrag zur Rettung eines einzigartigen kulturellen Erbes geleistet. Mit diesen Worten hat Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann den Studierenden und Dozenten der Archivschule Marburg gedankt, die nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs vier Tage lang an Ort und Stelle geholfen haben, Archivgut zu bergen und zu sichern. Viele Dokumente konnten und können aus den Schuttbergen des Archivs gerettet werden, so dass die Anstrengungen um dieses wertvolle Kulturerbe, dessen Bedeutung weit über das Rheinland hinausgeht, in jedem Fall fortgesetzt werden müssen, sagte die Ministerin bei einem Besuch in der Archivschule.
19.03.2009 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstViele Akten und Dokumente seien bis auf wenige Fetzen zerstört, berichteten die freiwilligen Helfer. Aber man habe auch zahlreiche Archivalien retten können, darunter mittelalterliche Handschriften und Urkunden, frühneuzeitliche Gerichtsakten oder zeitgenössische Überlieferungen, wie Teile des Nachlasses von Konrad Adenauer. Das Fazit der Teilnehmer an der Hilfsaktion lautet daher: Der Aufwand zur Bergung der Archivalien aus dem Kölner Stadtarchivs ist zwar hoch, aber er lohnt sich.
Ministerin Kühne-Hörmann hatte dem Oberbürgermeister der Stadt Köln am 5. März die Hilfe aus Marburg angeboten. Daraufhin waren vom 9. bis 12. März 54 Studenten, Dozenten und Mitarbeiter der Archivschule im Bergungszentrum des Kölner Stadtarchivs bei der Suche und Versorgung von Archivgut im Einsatz. Sie identifizierten und klassifizierten die Archivmaterialien, bestimmten die Schadensgruppe, wickelten die geschädigten Stücke in Kunststofffolie oder Papier ein, erfassten sie in Listen und verpackten sie in Kisten, so dass die Archivalien in ein anderes Depot weitertransportiert werden konnten.
Die Archivschule Marburg ist die zentrale Ausbildungsstätte für Archivarinnen und Archivare von Bund, Ländern, Kommunen und Kirchen in Deutschland; lediglich in Bayern existiert eine eigene Archivarsausbildung. Sie bietet außerdem regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen an in diesem Jahr sind es mehr als 30 , die aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem benachbarten Ausland besucht werden. Zu ihren Aufgaben zählt auch die archivwissenschaftliche Forschung.
Bei der Archivschule wurde 2007 eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Koordinierungsstelle Retrokonversion eingerichtet. Diese Stelle soll die deutschen Archive bei der Digitalisierung ihrer Findbücher unterstützen, bei der Beantragung von Fördermitteln beraten und bei der Umwandlung der Findmittel in geeignete digitale Formate helfen. In Findbüchern sind die Bestände eines bestimmten Sammelgebiets eines Archivs verzeichnet und erschlossen, das heißt diese Bestände sind inhaltlich kurz beschrieben und die Signatur, unter der sie im Archivmagazin auffindbar und in späteren Veröffentlichungen zu zitieren sind, ist genannt.
Keine Kommentare vorhanden