15. Jahrestag des Mauerfalls: Kultusministerin Wolff fordert intensive Beschäftigung

Kultusministerin Karin Wolff hat aus Anlass des 15. Jahrestags des Mauerfalls die Schulen in Hessen aufgefordert, diesem "herausragenden historischen Ereignis der Nachkriegsgeschichte die gebührende Beachtung zu schenken und sich seiner vielfältigen Bedeutung zu vergewissern".

08.11.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

"Der Fall der Mauer am 9. November 1989 signalisiert das Ende der deutschen und europäischen Teilung und der kommunistischen Diktatur. Er war das Ergebnis und zugleich der Höhepunkt der friedlichen Revolution, des gewaltlosen Protests der Menschen in der DDR", erklärte Wolff.

"Der Mauerfall war ein Triumph der Freiheit. Wer die Stunden persönlich oder am Fernsehen erlebt hat, wird die Bilder nicht vergessen - Bilder von glücklichen Menschen mit großen Hoffnungen", so die Ministerin. Keine Unterdrückung, kein noch so ausgeprägtes System der Bespitzelung und Überwachung könne auf Dauer die Stimme der Freiheit im Menschen zum Schweigen bringen oder das Streben nach Freiheit lähmen. "Der Mensch ist zu Freiheit und Selbstständigkeit geboren. Sich frei äußern zu können, eigenständige Entscheidungen zu treffen und nicht in Abhängigkeit gehalten zu werden, das ist der Kern der Menschenwürde", so Wolff.

In dem Geschehen liege auch ein Sieg des Mutes und der Zivilcourage. Die Demonstranten in den Städten der DDR hätten sich der bewaffneten Staatsmacht mutig entgegengestellt und sich nicht einschüchtern lassen. Und schließlich sei die friedliche Revolution - der Name sagt es - ein Triumph der Gewaltlosigkeit. "Gesiegt haben die, die mit Kerzen, Gebeten, Demonstrationen für ihre Ziele eingetreten sind, die auf die Macht des Wortes und der Überzeugung gebaut haben."

All dies sichere der friedlichen Revolution, der Wende in der DDR einen festen und bedeutenden Platz in der Geschichte der Freiheit in Deutschland. "Dieses Kapitel der Freiheitsgeschichte haben die Deutschen in der DDR geschrieben. Die Bedeutung des Geschehens muss im Unterricht behandelt, seine Abläufe und Hintergründe aufgezeigt werden, damit ein politisch-historisches Bewusstsein gebildet werden kann", bekräftigte Wolff.

In diesem Zusammenhang unterstreicht die Ministerin die Notwendigkeit einer intensiven Beschäftigung mit der DDR-Geschichte im Unterricht: "Es geht darum, ein vollständiges Bild der Nachkriegsgeschichte zu gewinnen, um zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen, um gegen nachträgliche Glorifizierungen gefeit zu sein, besonders aber auch um dialogfähig mit den Menschen zu werden, die einen wesentlichen Teil ihres Lebens in der DDR verbracht haben. Das dient auch der häufig beschworenen inneren Einheit unseres Landes und seiner Menschen."

Die Verdienste der Deutschen in der DDR würden nicht dadurch geschmälert, so Wolff, dass auf den wichtigen Beitrag hingewiesen wird, den die europäischen Nachbarn, vor allem Polen und Ungarn, durch ihren Freiheitswillen zur Entwicklung geleistet haben: "1989 ist ja nicht für Deutsche, sondern für die Europäer ein "annus mirabilis", in dem Freiheit gewonnen und Unterdrückung abgestreift wurde, in dem trennende Blöcke verschwanden und die Einheit zurückgewonnen wurde."

Die Ministerin erinnerte ferner daran, dass der 9. November nicht nur wegen des Mauerfalls eine wichtige Rolle spielt. Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts sei eben nicht einfach oder eindeutig. So konfrontiere uns der 9. November zwar mit den freudigen Ereignissen des Jahres 1989, aber zugleich mit den dunkelsten Seiten unserer Geschichte, mit der nationalsozialistischen Diktatur und der Judenverfolgung, nämlich mit der Pogromnacht von 1938. "Gedenken wir der Opfer in Trauer und bekräftigen wir die Verpflichtung, durch unser Handeln stets Menschenwürde und Freiheit zu schützen und Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz keinen Platz zu lassen", so Wolff.


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