Bildungsexpertin plädiert für die kleine Landschule
(bikl) Die Bildungsexpertin Christiane Dienel hat aufgrund der sinkenden Schülerzahlen in Ostdeutschland eine größere Autonomie der Schulen gefordert. Außerdem sprach sie sich im Deutschlandradio Kultur für die "kleine Landschule" aus.
28.03.2006 ArtikelDie Professorin für europäische Politik und Gesellschaft an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal und mögliche Kultusministerin im neuen Kabinett in Sachsen-Anhalt warnte vor weiteren Folgen der demografischen Entwicklung in Sachsen-Anhalt, wo in den vergangenen Jahren bereits viele Schulstandorte weggefallen seien.
Erst schließen, wenn das letzte Kind weg ist
Erfahrungen in anderen europäischen Ländern zeigten, dass kleine Landschulen kein Synonym für schlechte Bildung sein müssten, so Dienel im Deutschlandradio. „Überall haben mich meine Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner ungläubig angeschaut, wenn ich ihnen erzählt habe, dass für eine Grundschule in Sachsen-Anhalt mindestens 60 Kinder größenordnungsmäßig erforderlich sind, und dass deshalb die Schulkinder über eine Stunde mit dem Bus fahren.“ So betrage in Finnland die Untergrenze 14 Kinder, und in Portugal werde die Schule erst geschlossen, wenn das letzte Kind weg ist.
Finnische Eltern ziehen bewusst aufs Land
Natürlich stecke dahinter eine ganz andere Pädagogik, die nicht versuche, homogene Klassen homogen zu beschulen, sondern die einfach jedes einzelne Kind anschaue. So bleibe auch kein Kind am Rande oder rutschte durch, ohne zum Beispiel richtig lesen und schreiben zu lernen. „Was mich sehr überzeugt hat, ist, dass in Finnland diese kleinen Landschulen sogar ein Grund sind für Eltern, in ländliche Gebiete zu ziehen, weil sie möchten, dass ihr Kind auf eine solche Schule geht.
Außerdem habe sie persönlich die Gesamtschule im Kopf, aber das Konzept des achtjährigen gemeinsamen Lernens, das von der SPD und der PDS während des Wahlkampfs vertreten wurde, habe in einer großen Koalition, wie sie sich jetzt andeute, „nur sehr begrenzte Aussichten auf Realisierung.“
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Das Interview im Deutschlandradio
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