"Das Leben in einem Rechtsstaat ist ein verpflichtendes Geschenk"

"Wir verneigen uns mit Respekt vor dem Mut der Frauen und Männer, die die Tat vorbereitet und durchgeführt haben. Ihre Namen und ihr Handeln verdienen ein ehrendes Gedächtnis; die Erinnerung an den Widerstand in seinen vielfältigen Formen bleibt eine Verpflichtung." Mit diesen Worten hat Kultusministerin Karin Wolff heute an die Angehörigen des deutschen Widerstands erinnert, die vor 60 Jahren, am 20. Juli 1944, mit der Operation "Walküre" versucht hatten, Hitler zu beseitigen und damit den Krieg zu beenden und die nationalsozialistische Diktatur aufzuheben.

19.07.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Die bleibende Bedeutung der Tat vom 20. Juli liege im Aufstand für das Recht und den Rechtsstaat, für die Wiederherstellung der "Majestät des Rechts", wie es in einem vorbereiteten Aufruf heißt - und gegen das staatlich verübte Verbrechen, die Willkür, das Unrecht. "Jeder, der leichtfertig rechtliche Regeln zur Disposition stellt oder die Mühen und manchmal komplizierten Wege des Rechtsstaats beklagt, sollte sich an einem Tag wie heute vor Augen führen, welches ungeheure Geschenk das Leben in einem Rechtsstaat bedeutet", so Wolff. Mit dem Recht sei es wie mit der Freiheit: Welche Haltung man dazu einnimmt, zeige sich daran, wie man sich zu der Freiheit und dem Recht anderer verhält.

Wolff weiter: "Die sich zum Widerstand entschlossen, folgten ihrem Gewissen. Ihr Gewissen erlaubte es ihnen nicht, dem verbrecherischen Geschehen tatenlos zuzusehen. Sie hatten einen inneren Kompass, der ihnen Orientierung gab und ihr Handeln leitete. Sie hatten Überzeugungen, für die sie standen. Sie hatten die Tatkraft und die Zivilcourage, dieser Stimme auch um den Preis des Verlusts des eigenen Lebens zu folgen. Wir sollten uns prüfen, wo wir gefordert sind, zu unseren Überzeugungen zu stehen und dem Unrecht entgegenzutreten - gelegen oder ungelegen!"

Manche seien erst allmählich, nach anfänglicher Begeisterung für das Regime zum Widerstand gestoßen. "Sie haben dafür keine Vorwürfe verdient, denn sie haben die Urteilskraft und Größe bewiesen, den eigenen Irrtum zu erkennen und Konsequenzen zu ziehen", so die Ministerin. Ihr Entschluss sei bewundernswert, weil sie in vieler Hinsicht mit ihren Entscheidungen allein waren. Ihr Denken und Tun verlangte in der Diktatur mit einem ausgeprägten Denunziantentum äußerste Vorsicht. Sie wussten: Misslang das Unternehmen, waren ihnen Verfolgung und Verlust des Lebens gewiss, drohte auch ihren Familien große Gefahr. Selbst im Fall des Gelingens konnten sie der Reaktion der großen Mehrheit der Bevölkerung nicht sicher sein. Sie befanden sich in einer Grenzsituation. Dies ausgehalten zu haben, ist eine respekteinflößende menschliche Leistung.

Der Widerstand in Deutschland habe niemals auf eine breite Unterstützung hoffen können. Deutschland bzw. den Deutschen sei es nicht gelungen, sich selbst zu befreien. "Aber die Existenz des Widerstands und die Tat vom 20. Juli beweisen, dass es ein anderes Deutschland gab", erklärte Wolff.

"Das Handeln der Angehörigen des Widerstands war vorbildlich und wir sollten es zum Maßstab nehmen." Die Benennung vieler Schulen nach Frauen und Männern des Widerstands unterstreiche diese Vorbildfunktion - für Überzeugungstreue, für Zivilcourage, für die Orientierung an Menschenwürde und Menschenrechten. "Deshalb muss ein wesentlicher Teil von Bildung und Erziehung an allen Schulen auch künftig darin bestehen, breite Kenntnisse über den Widerstand zu vermitteln und diese Haltung weiterzugeben. Das ist das Vermächtnis des 20. Juli 1944", so die Ministerin.


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden