Eisrandforschungsschiff "Maria S. Merian" geht auf Probefahrt

Am Montag (19.09.2005) wird das neue deutsche Eisrandforschungsschiff "Maria S. Merian" auf seine erste 'große Fahrt' gehen. Noch unter der Werftflagge sollen wichtige wissenschaftliche Komponenten und schiffstechnische Systeme in der Biskaya bei Wassertiefen von über 5.000 m getestet und abgenommen werden.

16.09.2005 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-Vorpommern

Im Juli ist das Schiff bereits von der Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft getauft worden. In den letzten Wochen sind der Innenausbau und die Einrichtungen weitgehend zum Abschluss gekommen. Jetzt präsentiert sich das Schiff in einem fast fertigen Zustand. Mit einer Länge von 94,8 m, einer Breite von 19,2 m und einer Höhe vom Kiel bis zur obersten Mastspitze von 38 m macht es einen recht imposanten Eindruck.

Finanziert wurde der insgesamt ca. 53 Mio. _ teure Neubau vom Bund (75 %) und von den vier Küstenländern: Mecklenburg-Vorpommern (12,5 %), Hamburg (5,0 %), Schleswig-Holstein (5,0 %) und Bremen (2,5 %). Entstanden ist in den drei Baujahren das wohl weltweit modernste multidisziplinäre Forschungsschiff, das den rein marinen und allen anderen Wissenschaftsdisziplinen mit einem marinen Teilbereich als Forschungs-, Arbeits- und Aufenthaltsplattform dient. Dies umfasst sehr unterschiedliche Bereiche, wie die physikalische und die biologische Ozeanographie, die Marine Geologie, die Meeres- und Luftchemie, die Marine Geophysik und die Meteorologie.

Auf dem Schiff finden die Wissenschaftler sehr gute Arbeitsmöglichkeiten in unterschiedlichen Laboren (z. B. Chemie-, Trocken-, Nasslabor) und anderen wissenschaftlichen Arbeitsräumen von insgesamt mehr als 350 m² Fläche. Daneben können bis zu sieben spezielle Laborcontainer, z. B. für Untersuchungen mit Isotopen, geschützt innerhalb des Schiffes und auf einigen Decks untergebracht und mit Wasser, Strom und Daten versorgt werden. Das Einsatzgebiet der "Maria S. Merian" umfasst die Ostsee, die Nordsee und den Nordatlantik vom Äquator bis zu seinen nördlichen Eisrandbereichen.

Die wichtigste Verbindung zwischen einem Wissenschaftler auf einem Forschungsschiff wie der "Maria S. Merian" und dem Objekt seiner wissenschaftlichen Begierde, nämlich dem Wasser als Ökosystem mit all seinen Organismen darin, sind die Winden mit ihren Drähten und Kabeln von jeweils über 7.000 m Länge. Damit können zum einen alle nur erdenklichen Proben vom Meeresboden und aus dem Wasser genommen und zum anderen mit Messgeräten, wie z. b. Kameras, Daten sozusagen vor Ort gewonnen werden. Vor ihrer eigentlichen Inbetriebnahme müssen alle Drähte und Kabel einmal abgespult und natürlich wieder aufgetrommelt werden. So wird die Funktion der Winden geprüft und die Drähte und Kabel können mit dem entsprechenden Gegenzug aufgetrommelt und erst dann auch für Probennahmen in geringeren Tiefen verwendet werden. Diese Arbeiten können nur in einem Meeresgebiet mit großen Wassertiefen bis zu 5.000 m ausgeführt werden, wie sie in der Biskaya anzutreffen sind.

Ein weiterer Grund für die großen Wassertiefen ist die Einstellung und die Erprobung des umfangreichen Lotsystems. So ist auf der "Maria S. Merian" unter anderem ein Tiefseefächerlot installiert, das, wie der Name schon sagt, wie ein breiter Fächer die Struktur des Meeresbodens unter dem Schiff erfassen kann. Dabei entspricht die Breite des Fächers der doppelten Wassertiefe.

Neben diesen beiden wichtigen Systemkomponenten, Winden und Lote, sind die Vorführung, Erprobung und Abnahme weiterer wissenschaftlicher Systeme geplant. Dazu gehören unter anderem: das Datenverteilungssystem, die Reinseewasserversorgung, die Funktion der Kühllabore, das Kernabsatzgestell, mit dem Sedimentkerne aus dem Meeresboden gezogen werden können, die meteorologische Anlage, die Luftpulserbahnen, mit denen Luftpulser ins Wasser verbracht werden, die dort Schallimpulse zur Untersuchung des Meeresbodens erzeugen, alle Hebezeuge ohne die kein Gerät ins Wasser gebracht werden kann: Kräne, Schiebebalken und A-Rahmen.

Gleichzeitig und parallel müssen natürlich alle schiffstechnischen Installationen und Einrichtungen zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum funktionieren. Dazu gehören unter anderem: die Dieselgeneratoren, die Klimaanlage, das Abwassersystem, die aktive Positionierung, die Funktion der Küche, der Clean-ship-Betrieb, die elektrische Versorgung, die Provianträume und, nicht zu vergessen auch der Fitnessbereich mit der Sauna.

Nach der erfolgreichen wissenschaftlichen Probefahrt geht das Schiff für Restarbeiten zurück auf die Kröger Werft und noch einmal in das Trockendock. Dort erhält es den endgültigen Anstrich im Außenbereich und den Decksbelag. Zur Überführung nach Rostock-Warnemünde und der endgültigen Abnahme Mitte Dezember wird es sich, wie es sich für einen Neubau gehört, in frischem Glanz präsentieren.


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