Goethe-Plakette für Martin Lutz, Heinz Werner Wunderlich, Hermann Zapf

Der Kirchenmusiker und Musikpädagoge Martin Lutz, der Jazzjournalist und Hörfunkmoderator Heinz Werner Wunderlich und der Buch- und Schriftkünstler Prof. Dr. h.c. Hermann Zapf sind vom Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, mit der Goethe-Plakette des Landes ausgezeichnet worden.

11.12.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Staatssekretär Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz würdigte die drei Geehrten heute bei der Überreichung der Plaketten in der Wiesbadener Staatskanzlei als vorbildliche Kulturschaffende, die auf ganz unterschiedlichen Gebieten Beispielhaftes leisteten: "Ihr Wirken und ihr Engagement ist ein Beleg für kulturelle Vielfalt in Hessen und zeigt sehr überzeugend, wie bereichernd und völkerverbindend kulturelles Wirken sein kann." Die Feierstunde wurde durch Darbietungen des Countertenors Andreas Scholl und des Jazzmusikers Emil Mangelsdorff, der selbst Träger der Goethe-Plakette ist, umrahmt; diese beiden hessischen Künstler verbinden persönliche Beziehungen mit den Ausgezeichneten.

Martin Lutz, 57, wirkt als (Kirchen) Musiker in Wiesbaden und Lehrer an der Musikhochschule Frankfurt sowie der Universität Mainz und verbindet so auf idealtypische Weise Musikwissen¬schaft und Praxis. Das findet Ausdruck in musikwissenschaftlich fundamentiertem, lebendigem Musizieren. 1972, noch während des Studiums in Heidelberg, wurde Lutz Kantor an der Christophoruskirche in Wiesbaden-Schierstein und ist seitdem der Wiesbadener Musikszene prägend verbunden. Im Laufe der Jahre formte er die Schiersteiner Kantorei, die damals 40 Mitglieder zählte, zu einem der heute mit 140 Sängerinnen und Sängern größten und leistungsfähigsten Chöre Hessens.

Lutz ist auch durch die Gründung von Musik-Festivals hervorgetreten: 1975 rief er die in zweijährigem Turnus stattfindenden "Wiesbadener Bachwochen" ins Leben, aus der mehrere von ihm selbst geleitete Ensembles hervorgegangen sind. Die "Bachwochen" haben sich inzwischen zu einem breit gefächerten Forum zur Darbietung Alter Musik entwickelt. 1992 gründete Lutz den "Musikherbst Wiesbaden". Trotz seines Schwerpunkts auf der klassischen Musik ist er auch mit der Interpretation moderner Werke hervorgetreten. Ein Höhepunkt war die Aufführung von Benjamin Brittens "War Requiem" beim offiziellen Festakt der Hessischen Landesregierung zum 50. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1995 im Kurhaus Wiesbaden.

Stehvermögen beweist Lutz mit dem großen Projekt der Gesamtaufführung aller 200 Bach-Kantaten, das er gemeinsam mit seinem Frankfurter Kollegen Michael Graf Münster seit 2005 regelmäßig jeden Monat weiter führt. Damit verbindet er gleichzeitig pädagogische Ziele: Die Solopartien erarbeitet er nämlich mit Studierenden der Gesangsabteilung der Musikhochschule Frankfurt, und in Gesprächskonzerten werden die Werke dem Publikum durch Erläuterungen nahegebracht.

Heinz Werner Wunderlich, 81, pflegt eine nunmehr sechzigjährige Leidenschaft für den Jazz. Schon während seines Ingenieurstudiums an der TH Darmstadt ab 1949 gründete er einen Jazzclub und leitete ihn bis 1957. Besondere Verdienste erwarb sich Heinz Werner Wunderlich um die deutsch-polnische Freundschaft; in Polen hatte er vier Jahre als Kriegsgefangener verbracht. Schon 1957 initiierte und organisierte er eine Konzerttournee westdeutscher Jazzmusiker durch Polen. Es war der erste kulturelle Kontakt zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Warschauer Zeitschrift "Jazz Forum" würdigte ihn seinerzeit als "Boschafter des polnischen Jazz".

1959 begründete Heinz Werner Wunderlich die mittlerweile älteste deutsche Open-Air-Konzertreihe " Jazz im Palmengarten" in Frankfurt, deren Produzent er bis 2002 war. Als langjähriger Leiter der Jazzredaktion des damaligen Südwestfunks war er Autor tausender Jazzsendungen. Für seine Verdienste um den hessischen Jazz wurde er 1997 mit dem Hessischen Jazzpreis und 2004 mit der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Bis heute gehört er der Jury zur Wahl des Preisträgers des Hessischen Jazzpreises an.

Hermann Zapf, 89, arbeitete als Schriftgrafiker, Kalligraph und Schriftdesigner und entwarf noch vor dem Zweiten Weltkrieg seine erste Type "Gilgenart". Er entwarf zahlreiche Schriften, darunter auch die allen Computer-Nutzern bekannten "Zapf Dingbats". Schon in den frühen sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigte er sich mit der Kombination von Typographie und Computerprogrammen. 1976 erhielt er den weltweit ersten Lehrstuhl für "Typographic Computer Programs" am amerikanischen Rochester Institute for Technology. 1994 bekam er ein Europa-Patent für das von ihm entwickelte "hz-Programm" zur Verbesserung der Satzqualität in Büchern und Zeitschriften. Hermann Zapf wurde unter anderem mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Mainz (1974) und dem Euro Design Award (1994) ausgezeichnet. 2003 wurde ihm die Ehrendoktorwürde (Fine Arts) der University of Illinois verliehen.

Die Goethe-Plakette ist die höchste Auszeichnung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Sie wird Persönlichkeiten zugesprochen, die durch ihr Lebenswerk in besonderer Weise zur kulturellen Entwicklung des Landes Hessen beigetragen haben, und seit 1949 in unregelmäßigen Abständen verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Max Horkheimer, Paul Hindemith, Carl Orff, Theodor W. Adorno, Peter Suhrkamp, Siegfried Unseld, Sir Georg Solti, Marcel Reich-Ranicki, Eva Demski und Emil Mangelsdorff.


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