Herkules hat den Kopf verloren
Der Herkules hat den Kopf verloren. Mit Hilfe eines rund 70 Meter hohen Baukrans ist heute in Kassel der 1,55 Meter hohe Kopf der Herkulesfigur im Zuge der Sanierung des gesamten Bauwerks abgenommen worden. Das ist in der rund 300-jährigen Geschichte des Kasseler Wahrzeichens bislang erst einmal, nämlich 1951/1952, geschehen. Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, zeigte sich beeindruckt von der Präzision, mit der die Arbeiten ausgeführt wurden. "Um die Schäden an der Figur genau zu erfassen, ist es erforderlich, sie auch von innen in Augenschein zu nehmen", sagte Corts zur Erläuterung.
18.10.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstBislang waren nur der Sockel und die Keule zugänglich gewesen. Über den Einstieg von oben durch den Hals können nun auch Brustkorb, Unterleib und Beine inspiziert werden. Diese Untersuchungen dienen der Vorbereitung, Planung und Kostenermittlung für die anstehenden Restaurierungsarbeiten. Sie beginnen im Frühjahr 2007 und werden voraussichtlich ein Jahr dauern. Um das Innere der Figur vor Niederschlag zu schützen, soll der Hals während dieser Zeit mit einer Holzverkleidung verschlossen werden, die aber jederzeit geöffnet werden kann. Mit der Abnahme des Kopfs sind die Gerüstbauarbeiten am Herkules so gut wie abgeschlossen. Auch der Besucherturm wird demnächst fertig gestellt, seine Inbetriebnahme ist jedoch wegen des anstehenden Winters erst im nächsten Jahr möglich.
Das Herkulesbauwerk wurde zusammen mit den barocken Kaskaden unter Landgraf Karl von Hessen Kassel errichtet. Mit Seiner Königlichen Hoheit Prinz Donatus aus dem Haus Hessen war heute ein direkter Nachfahre des Erbauers anwesend. Das Herkulesbauwerk war von 1700 bis 1714 unter der Leitung des römischen Architekten Francesco Guerniero errichtet worden. Seine Instandsetzung ist Teil des Landeskonzepts zur Neuordnung der Museumslandschaft Hessen Kassel. Die Instandsetzung wird in einzelnen Abschnitten vorgenommen und voraussichtlich bis 2011 dauern. Danach werden die Besucher das gesamte Gebäude mit dem Innenhof und seinen Grotten besichtigen können. Insgesamt 20,5 Millionen Euro sind für die Instandsetzung veranschlagt. Hinzu kommen mehr als 450.000 Euro, die von der Kasseler Bürgerschaft im Rahmen einer Stifteraktion zusammengetragen wurden; diese Mittel werden für die Restaurierung der Figur selbst verwendet.
Die von dem Augsburger Goldschmied Johann Jakob Anthoni 1714 bis 1717 geschaffene Herkulesfigur ist aus einzelnen, nur zwei bis drei Millimeter starken Kupferblechteilen zusammengefügt. Damit die mehr als acht Meter hohe Figur dauerhaft den extremen Belastungen durch Wind und Wetter standhalten konnte, entwickelten Anthoni und sein Bauschmied Klocke ein tragfähiges Innengerüst aus schmiedeeisernen Vierkantstäben. Die Eisenkonstruktion ist fest im Mauerwerk der Pyramide verankert, die Kupferhaut ist über ein stützendes Korsett aus Eisenbändern daran befestigt.
Im Lauf der Zeit verrosteten vor allem die Eisenbänder, die an der Kupferhaut anliegen, aber auch an der Verankerung der Eisenkonstruktion im Mauerwerk der Pyramide scheint es erhebliche Schäden zu geben. Zusammen mit dem Zustand der verlöteten Kupferbleche sind sie der Anlass für die geplanten Restaurierungsarbeiten, die zurzeit auf der Grundlage umfangreicher bauhistorischer und naturwissenschaftlicher Voruntersuchungen vorbereitet werden. Um Art und Umfang der erforderlichen Arbeitsschritte im Einzelnen beurteilen und festlegen zu können, sollen nun alle Schäden auf der Grundlage exakt vermessener Pläne und fotografischer Aufnahmen erfasst und analysiert werden. Daraus wird dann das detaillierte Restaurierungskonzept entwickelt.
Erläuterungen zur Entstehung der Figur, den Schäden und der anstehenden Restaurierung geben am Sonntag, dem 22. Oktober 2006, die Architektinnen und Denkmalpflegerinnen Astrid Schlegel und Martina Hackl. Sie beschäftigen sich schon seit längerem intensiv mit dem Monument. Von 11 bis 17 Uhr (Beginn der letzten Führung: 16.30 Uhr) werden sie die Besucher am Kopf des Herkules in Kurzführungen informieren. Er wird im Zwischengeschoss des Herkulesbauwerks aufgestellt sein. Dabei bietet sich die Gelegenheit, dem Herkules einmal Auge in Auge gegenüberzustehen.
Keine Kommentare vorhanden