Kultusminister Jürgen Schreier fordert von Landeshauptstadt mehr kulturelles Engagement

Ein stärkeres finanzielles Engagement von Seiten der Landeshauptstadt Saarbrücken ist für Kultusminister Jürgen Schreier unabdingbar, wenn es gelingen soll, die Landeshauptstadt kulturell aufzuwerten. Das von der Stadt Saarbrücken so intensiv propagierte Projekt "Stadt am Fluss" habe im Wesentlichen städtebauliche und verkehrspolitische Komponenten. Hingegen werde die Kultur als wichtiger Standortfaktor von der Landeshauptstadt stiefmütterlich behandelt. Man verlasse sich bei der Finanzierung der kulturellen Grundversorgung praktisch ganz auf das Land.

24.03.2006 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Dies, so Kultusminister Jürgen Schreier, könne so nicht weitergehen. Wer als Landeshauptstadt eine herausragende Rolle beanspruche, der müsse sich auch der damit verbundenen Verantwortung im kulturellen Bereich stellen. Das Gegenteil, kritisiert Kultusminister Jürgen Schreier, sei der Fall.

Engagement beim Staatstheater: Fehlanzeige

Während ursprünglich das Theater allein als Stadttheater Saarbrücken geführt wurde, beteiligte sich die Stadt Saarbrücken beim anschließenden Zweckverband Staatstheater bis in die späten 80-er Jahre wenigstens noch zur Hälfte an der Finanzierung. Danach verabschiedete sie sich - bis auf die Leistungen für die Pensionen und Renten ihrer früheren Theatermitarbeiter - völlig aus der finanziellen Verantwortung. Gegenüber einer hälftigen Finanzierung hat die Stadt seit 1987 über 200 Millionen Euro allein im Theaterbereich gespart, während sich andere Landeshauptstädte nicht aus der Verantwortung gestohlen haben.

Jürgen Schreier: "Würde sich die Stadt Saarbrücken als Theaterstandort und Hauptnutznießer nur annähernd so verhalten wie nahezu alle Hauptstädte anderer Bundesländer hätten wir keine Minute über das Theater diskutieren müssen. Nicht nur, dass es schon schlimm genug ist, über Jahre hinweg nichts zu bezahlen, ist sich die Oberbürgermeisterin auch noch nicht zu schade, die notwendigen Einsparungen, die sie im Aufsichtsrat des Staatstheaters selbst mitgetragen hat, an anderer Stelle, nämlich in der Zeitschrift des deutschen Kulturrates *Politik und Kultur" zu kritisieren."

Kinder- und Jugendtheater Überzwerg: Fehlanzeige

Das Kinder- und Jugendtheater Überzwerg erhielt von der Landesregierung ein sicheres finanzielles Fundament. Im Haushalt werden rund 600.000 Euro bereitgestellt. Obwohl diese Bühne unverzichtbare Leistungen für die Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen erbringt und damit zugleich eine wichtige sozialpolitische Aufgabe in einer Welt des Medienkonsums wahrnimmt, beteiligt sich die Landeshauptstadt Saarbrücken mit keinem Cent.

Museumsbereich: Stadt hat Zusammenarbeit aufgekündigt

Bislang hat sich die Stadt Saarbrücken weder an der Modernen Galerie, weder an der Alten Sammlung, weder am Museum für Vor- und Frühgeschichte am Schlossplatz noch am Umbau der Schlosskirche zu einem attraktiven Museum mit jährlich 50.000 Besuchern beteiligt.

Lediglich die Betriebskosten für die Stadtgalerie hat sie mit einem für 15 Jahren festgeschriebenen Betrag von rund 486.000 Euro bezuschusst. Auch diese bescheidene Mitfinanzierung der auch die Wirtschaftskraft der Stadt begünstigenden Museen * allein im letzten Jahr wurden rund 70.000 Besucher gezählt - hat sie mit Wirkung vom zum 1. Januar 2008 auch noch gekündigt. Nur am Rande sei darauf hingewiesen, dass bei dem neben der Stiftung zweitwichtigsten Museumskomplex, nämlich dem *Zweckverband Historisches Museum Saar", die Stadt ebenfalls außen vor bleibt. Das Historische Museum am Schlossplatz tragen allein Stadtverband und Land.

Jürgen Schreier: *Mit Sorge erfüllt mich, dass auch der groß angekündigte Kulturentwicklungsplan 2015 sich gelinde gesagt durch eine bemerkenswerte Distanz gegenüber den meisten kulturellen Grundversorgern auszeichnet. Wenn das Land sich zum wiederholten Male in Saarbrücken kulturell engagiert und die neu geordnete Museumslandschaft auch noch durch einen vierten Pavillon komplettieren möchte, kann nicht schon wieder die Stadt Saarbrücken, deren Aufwertung dies alles dient, außen vor bleiben. Man kann von der Stadt wirklich jetzt einmal ein kulturpolitisches Signal des eigenen Engagements erwarten."


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