Leonhard: Schatz kirchlicher Kunst für künftige Generationen bewahren

Der Schöllenbacher Altar, ein geschnitzter Flügelaltar aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, gehört zu den besonderen Schätzen der Sammlungen von Schloss Erbach.

27.03.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Die Schäden an der Holzsubstanz und an den Farbfassungen des mehr als 4,50 Meter hohen und etwa 5,20 Metern breiten Altars sind mittlerweile allerdings so groß, dass eine umfassende Restaurierung dringend geboten ist. Nach Voruntersuchungen und Dokumentationen im vergangenen Jahr wird er nun in den nächsten Wochen abgebaut und in Spezialfahrzeugen einer auf Kunsttransporte spezialisierten Firma in die Restaurierungswerkstätten des Landesamts für Denkmalpflege im Wiesbadener Schloss Biebrich gebracht. "Wir wollen eines der schönsten spätgotischen Werke kirchlicher Kunst im Mittelrheingebiet für künftige Generationen erhalten", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der gemeinnützigen Betreibergesellschaft Schloss Erbach und Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, bei einem Ortstermin in der Hubertuskapelle des Schlosses zum Beginn des Restaurierungsprojekts. Die Arbeiten werden voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen. Anschließend wird der Altar ins Erbacher Schloss zurückkehren.

Ursprünglich war der vermutlich im Zusammenhang mit der Heirat von Graf Eberhard VIII. von Erbach und Maria von Wertheim 1503 gestiftete Altar in der Kapelle von Schöllenbach aufgestellt, einem Ort am südöstlichen Rand der ehemaligen Grafschaft Erbach. In seinem Mittelschrein befindet sich die nahezu vollrund gearbeitete Darstellung des Stammbaums Christi, der so genannten Wurzel Jesse. An den Innenseiten der Flügel sind sieben Relief-Szenen aus dem Leben Mariens zu sehen. Die gemalten Darstellungen der Flügelaußenseiten gingen bis auf geringe Reste verloren. Im 19. Jahrhundert wurden die Predella und der Mittelschrein des Altars nach Schloss Erbach überführt und fanden in der von der Grafenfamilie privat genutzten Hubertuskapelle einen neuen Platz. Beim Aufbau im Erbacher Schloss und später während des 20. Jahrhunderts wurden mehrfach Überarbeitungen der Holzsubstanz und der Farbfassungen vorgenommen. Das heutige Erscheinungsbild wird durch ein Konglomerat von verschiedenen farbigen Fassungen unterschiedlicher Zeit und unterschiedlicher Qualität bestimmt.

Klimaschwankungen durch die Beheizung der Kapelle, Holzschädlingsbefall und die verschiedenen Überarbeitungen haben im Lauf der Jahre zu einer Vielzahl von Schäden an der Holzsubstanz und den Farbfassungen geführt. Darüber hinaus sind der Verlust einiger plastischer Details im Mittelschrein und Risse in den Holztafeln zu konstatieren. Für eine umfassende Konservierung des Altars werden in den Restaurierungswerkstätten zunächst Musterflächen zur Erprobung der arbeitstechnischen Verfahren angelegt. Neben der Substanzsicherung wird dabei auch eine ästhetische Verbesserung des Gesamterscheinungsbilds angestrebt, weil die bildschnitzerische und fassungstechnische Qualität des wertvollen und in seiner Ikonographie ungewöhnlichen Altars heute stark beeinträchtigt ist.


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