Museum Wiesbaden gibt Gemälde aus dem 18. Jahrhundert an Erbin des einstigen Besitzers zurück
Das Museum Wiesbaden hat heute das Gemälde "Familienporträt" des holländischen Malers Cornelis Troost (1697 - 1750) an die Erbin des vormaligen Besitzers Jacques Goudstikker zurückgegeben. Der Amsterdamer Sammler und Kunsthändler war 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten bei einem Unfall ums Leben gekommen. Wenige Wochen später wurde seine mehr als 1000 Werke umfassende Kunstsammlung – darunter auch das 90 mal 116 Zentimeter große Ölbild "Familienporträt" – in Abwesenheit und gegen den erklärten Willen seiner Witwe weit unter Wert an den damaligen Reichsmarschall Hermann Göring zwangsverkauft. Göring ließ einen Teil der widerrechtlich erworbenen Sammlung später weiterverkaufen oder versteigern. Das Gemälde von Cornelis Troost gehörte zu diesen Werken und wurde 1944 durch den von den Nationalsozialisten eingesetzten Leiter der Wiesbadener Gemäldegalerie, Prof. Dr. Hermann Voss, aus einer Dresdner Kunsthandlung im Tausch gegen ein anderes Gemälde für das Museum Wiesbaden erworben.
03.05.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst"Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, Unrecht aus der Zeit des Nationalsozialismus so weit es möglich ist wiedergutzumachen", sagte Kunstminister Corts zu der Restitution.
Ende der neunziger Jahre hatte die Schwiegertochter und Alleinerbin von Jacques Goudstikker den Kölner Kunsthistoriker Clemens Toussaint und die Provenienzforscherin Dr. Katja Terlau mit Recherchen nach dem Verbleib der Sammlung beauftragt. Die Suche ergab, dass das "Familienporträt" im Depot des Museums Wiesbaden lagerte und von dort 1999 über das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst an die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste gemeldet worden war. Bei der Besichtigung des Gemäldes im November 2005 in Anwesenheit von Dr. Terlau stellte man fest, dass sich auf der Rückseite des Bildes ein Aufkleber der Sammlung Goudstikker befindet. Damit ist das Gemälde zweifelsfrei als ehemaliger Teil dieser Sammlung zu identifizieren.
Am 28. Dezember 2005 bat Dr. Terlau den Direktor des Museums Wiesbaden im Namen der Erbin darum, "in diesem Fall einvernehmlich eine baldige faire und gerechte Lösung dieses historischen Sachverhalts herbeizuführen." Das Museum Wiesbaden schlug dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst vor, unter Verweis auf die "Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden" vom 3.Dezember 1988 und auf die "Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz" vom Dezember 1999, der Erbin die Rückgabe des Gemäldes anzubieten. Das Ministerium stimmte nach Prüfung des Vorgangs zu.
In einem Brief an den Direktor des Museums Wiesbaden, Dr. Volker Rattemeyer, schreibt die Erbin Goudstikkers: "Für diese entschlossene und klare Haltung Ihres Hauses bin ich Ihnen persönlich, als auch dem Bundesland Hessen zu großem Dank verpflichtet. Bitte übermitteln Sie meinen aufrichtigen Dank auch dem Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, der mit dieser Entscheidung eine verspätete aber niemals zu späte Wiedergutmachung für das meiner Familie zugefügte Unrecht leistet. Ich kann als Betroffene diese klare und ehrliche Haltung der deutschen Kulturverwaltung im In- und Ausland nur mit großem Lob würdigen."
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